edelabgefunkt.de · Episode 56 · Transkript

Graue Haare, Jahrgang 2000 im Meeting – fühle ich mich alt?

Edel Abgefunkt · Folge 56 · mit Katharina Giegling und Nicco Krezdorn
Veröffentlicht: 4. September 2025 · Dauer: 53:27

Edel Abgefunkt mit Katharina Giegling und Nicco Krezdorn — Musikerin und Arzt, zwei Jobs, mehrere Kinder. Alltag und Partnerschaft kommen oft zu kurz: wenig Paarzeit, viel Mental Load, kaum echte Pausen. Darüber reden sie so, wie es ist — ohne Hochglanz.

Kurzantwort

Altern merkt man oft am Kontext: Freunde nach zehn Jahren, junge Kolleginnen, graue Haare. Folge 56: Angst vor Vergänglichkeit, Ayurveda und Lymphdrainage statt nur Spritzen, Schönheit als Selbstvertrauen – und die Idee, dass die Kunst zu leben beginnt, wenn man den Tod nicht verdrängt.

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Häufige Fragen zu dieser Folge

Worum geht es in Edel Abgefunkt Episode 56?

Um Altern und Vergänglichkeit: Wann fühlt man sich alt, was machen Kultur und Körperarbeit (Ayurveda, Yoga, Lymphdrainage), wie stehen sie zu Botox ohne Bashing – und warum Freiheit damit zu tun hat, nicht panisch am Leben zu hängen.

Wann fühlen sich Katharina und Nicco alt?

Nicht nur an grauen Haaren: etwa wenn Jahrgänge 2000 in Meetings sitzen oder man Freunde der Eltern nach Jahren wiedertrifft und den Übergang sieht – Altern wie der Wechsel von Tag zu Nacht, ohne einen klaren Moment.

Wie stehen sie zu Botox und Ayurveda?

Sie wollen Altern nicht verstecken. Katharina betont Selbstheilung, Haptik und inkrementelle Pflege (Lymphdrainage, Gesichtsgymnastik) vor dem Spritzen – ohne Botox zu bashen. Schönheit verbinden sie mit Selbstvertrauen und Strahlen, nicht nur Faltenfreiheit.

Was hat der Tod mit der Kunst zu leben zu tun?

Nicco formuliert: Der Wert des Lebens hängt auch daran, dass es endlich ist – sonst wäre vieles irrelevant. Wer gut gehen kann, ohne panisch am Leben zu hängen, sei freier. Das knüpft an buddhistische Ideen an, den Tod nicht zu verdrängen.

Vollständiges Transkript

Automatisches Transkript (TurboScribe/Whisper-Quelle). Kann Hörfehler enthalten. Quelle: Episode-Audio aus dem RSS-Feed.

Wenn du es schaffst jetzt gut ein gewisses gehen zu können, ohne sozusagen panisch an deinem Leben zu hängen, dann bist du frei. Also, der Wert deines Lebens ist ja bestimmt durch die Tatsache, dass du stirbst, weil sonst wäre alles auf eine Art völlig irrelevant, weil wir alle ewig leben würden. Also was ist was ist Schönheit, ne? Ich liebe dich, aber ich würde dich mehr lieben mit einem Ingenieurdiplom. Oh nein, möchte dich darüber beschweren, dass ich nicht mein Geld mit Botox verdiene. Welches traumatische Erlebnis hat noch mal deine grauen Haare zum Vorschein gebracht? Du, das ist ja alles. Und du kannst sozusagen Leute richtig anpissen. Krass, wenn du das machst, also wenn du jemanden wenn du zu jemandem Was sagt man dann? Fühlst du dich alt?

Ernsthaft jetzt? Wir fangen mit einem Gähnen an. Das hat man nicht mehr gesehen. Ich dachte du, das war noch backstage. Ich dachte, du freust mich zu sehen. Auch das. Okay, offensichtlich haben wir heute beide ein Problem. Der eine ist nicht mehr wach und der andere kann nicht mehr reden. Stimmt, das stimmt. Wir sind beide sehr alt. Darüber wollten wir heute sprechen.

Fühlst du dich alt? Nee, tatsächlich nicht. Nie eigentlich. Ich auch nicht. Doch immer nur, wenn ich sehe, wenn du graues Haar entdeckst, dann fühle ich mich nicht, dann denke ich, I don't accepted. Aber ähm wenn ich z.B. realisiere, dass Menschen, die 1996 geboren sind, was für mich damals jung war, dass die jetzt auch Familien haben. Das stimmt, das ist ein krasser Gedanke irgendwie. Oder dass eben jetzt beispielweise auch bei dir, also wenn wir uns drüber unterhalten haben, Generation Z und so weiter, dass die jetzt alle arbeiten oder dass jetzt halt so die 2000er dass die jetzt erwachsen sind, dann denke ich so: "Oh, krass."

Oder halt wenn die auch anfangen zu siezen, das denke ich genau. Aber das ist ja so ein indirektes Altfühlen immer, ne? Also dieses wenn dann einer sagt, entschuldigen Sie, und du guckst dich um, wen er genau meinte. Aber ich habe übrigens neulich, weil ich in Deutschland war, wir waren noch so ein Espresso trinken, und dann war da halt so ein Kellner, der war bestimmt schon 50 bis 60. Und dann habe ich ihn gefragt, habt ihr denn Hafermilch? So und es war also danach dachte ich so vielleicht ein bisschen respektlos so jemanden in Deutschland so zu duzen.

Macht das den Unterschied, dass man hier alle duzt die ganze Zeit? Dass man sich jünger fühlt? Ja, vielleicht. Also das habe ich ja am Anfang meines Sprachkurses gelernt. Es gibt auch eine Sieform hier, wo aber nur der König so angesprochen wird. Also wenn du im Alltag jemanden damit ansprichst, dann bedeutet es, dass du die wirklich für uralt hältst. Und du kannst sozusagen Leute richtig anpissen, wenn du das machst. Also wenn du sozusagen höflich fragst, möchten Sie sich hinsetzen, dann ist es quasi so richtig so, ich halte dich für einen sehr gebrechlichen Menschen. Und das ist ja sozusagen hier sind ja sowieso alle so mega sportlich.

Ja, genau. Die deswegen werden die nicht alt wahrscheinlich, ne? Weil man es einfach ignoriert. So wie meine Oma, die einfach nach 70 nicht mehr älter geworden ist. 24 Jahre lang. Die hat dann immer 70 gefeiert jedes Jahr.

Oder wie meine Omi, die hatte quasi nur ältere Freundinnen bei ihrem Geburtstagskaffee eingeladen. Und dann haben die gefragt, hast du eigentlich auch entkoffeinierten Kaffee? Und sie guckt so ihre andere Freundin an, wir haben keinen entkoffeinierten Kaffee, und dann haben sie einfach beschlossen, die eine Kanne ist jetzt die entkoffeinierte, und dann ist sie immer rumgekommen, wer möchte noch einen entkoffeinierten Kaffee? Damit waren dann alle voll im Schuss.

Aber ich finde die Geschichte eigentlich viel lustiger, wo deine Oma den aufgetauten Kuchen als selbst gebacken verkauft hat. Und hat gesagt, ich kann ja auch das Rezept geben. Und der war halt so offensichtlich von Bofrost.

Also gerade weil wir jetzt von älteren Menschen sprechen, dieses, dass man an Menschen, die sehr viel jünger waren als man selbst, sieht, dass man älter wird, wenn die älter werden. Also wo man manchmal auch schon denkt, krass, erste Dekade bei unseren Kindern schon auch, da merkt man halt, dass es halt einfach 10 Jahre sind.

Mir ist es tatsächlich auch an älteren Menschen aufgefallen, dass ich selber auch älter werde. Der Geburtstag meines Vaters. Wo ja auch viele Freunde Bekannte waren, die ich kenne, seit ich quasi so groß bin. Und als ich sie dann da gesehen habe und das letzte Mal so vor 10 Jahren, habe ich schon gesehen, wow, krass, die altern. Und das heißt aber dann halt auch du wahrscheinlich auch.

Also was du ja oft beschreibst, der Übergang vom Tag zur Nacht, wann findet das statt, und beim Altern genauso. Das ist ein schöner Vergleich. Wann ist der Moment, dass man plötzlich älter ist, komplett grau ist, eher für 50 eingestuft wird als 40. Und dann sind es schon so einschneidende Erlebnisse, wie man Verantwortung übernimmt, auszieht, Beruf, Kinder.

Dennoch werden wir älter aussehen in 10, 20 Jahren. Es gibt ja diesen Spruch, das hat ihn schon krass altern lassen. Klar, schlimme Erlebnisse, akut über Nacht ergrauen. Also meinem Opa ist das ja passiert. Also du kannst dich alt fühlen und älter aussehen und du kannst dich jung fühlen und jünger aussehen.

Und welches traumatische Erlebnis hat jetzt noch mal deine grauen Haare zum Vorschein gebracht? Du, das ist ja alles quasi, Nico. Ich habe einfach genetisch, meiner Familie ist einfach frühes Grauwerden. Ich habe dich trotzdem geheiratet.

Wirst du deine Haare färben? Nee, ich habe sie nicht gefärbt. Ich finde mehr und mehr meine Haarfarbe total schön. Es gibt auch Menschen, die wahnsinnig schön aussehen mit langen weißen grauen Haaren.

Solange es nicht so eine Obsession wird mit nicht altern wollen. Bei Schauspielern oder Hollywood panisch darauf bedacht, dass man das Alter nicht sieht. Du kannst ja Hyaluronsäure in den Handrücken spritzen lassen. Es braucht ja auch Schauspieler mit 60 und auch mit 80 Jahren. Es ist ja irgendwie voll der Nonsens Gedanke, dass sie immer jung sein müssen.

Was dahinter steckt ist ja Angst vor Altern ist Angst vor Tod. Und diese naive Vorstellung, dass wenn man es nicht sieht, dann ist es nicht so. Wir hatten Albino Zwergkaninchen. Es war halt weiß und hat sich mitten im Garten ins Gras geduckt und hat gedacht, wenn es sich flach genug macht, dann wird man es schon nicht sehen im Grün. Aber du kannst dich halt ducken so viel du willst, man sieht halt trotzdem.

Diese Obsession, diesen transhumanistischen Trend, Biohacking, wie können wir alle irgendwie 200 Jahre leben. Es gibt ja diesen einen Brian Johnson, der 2 oder 3 Millionen Dollar investiert hat, um jeden einzelnen Parameter in seinem Körper zu tracken und zu optimieren. Quasi nur mit Sonnenschirm rausgeht.

Biologische Uhr, also Telomere messen, wie so Schnürsenkelpitzen, die bei jeder Zellteilung abgeschnitten werden und kürzer. Er kann dann irgendwie nachweisen, dass er 0,6 Jahre pro Jahr altert.

Das ist ja schon obsessiv, diese unfassbare Angst zu sterben, zu vergehen. Wir thematisieren schon oft, dass wir wissen, dass es keine Garantie fürs Leben gibt. Gesundheit ist ein Teil, wie man sein Dienst dazu beisteuern kann, gutes Leben zu führen und natürlich Mindset.

Die Literatur ist ja voll von der Vergänglichkeit des Seins. Der Wert deines Lebens ist ja bestimmt durch die Tatsache, dass du stirbst, weil sonst wäre alles auf eine Art völlig irrelevant, wenn wir alle ewig leben würden. Alexander der Große und der Jungbrunnen, wo ihm dann bewusst wird, dass unsterblich heißt, dass du halt niemals stirbst. Dann sterben alle Leute, die dir wichtig sind vor dir, alles um dich rum. Verlierst eigentlich ständig. Wie oft verliebst du dich dann neu? Wie viele Familien gründest du? Irgendwann hört sich auch ein bisschen ermüdend an.

Ich lebe z.B. einen gesunden Lebensstil null, um irgendwie in meine Zukunft zu investieren, sondern einfach, weil sich es für diesen Moment absolut richtig anfühlt und ich mich wohl fühle in meinem Körper. Ich habe jetzt noch nicht drüber nachgedacht, wie alt ich werden möchte. Ich möchte, dass es mir gut geht und das ist sozusagen die Gegenwart.

In diesem Retreat ging es auch darum, buddhistisch im Sinne von die Lehren des Buddha. Dass die Kunst des Lebens darin besteht, die Kunst des Lebens im Sterben besteht. In dem Moment, wo du klar bist zu sterben, fängst du an zu leben. Wenn du es schaffst, gut gehen zu können, ohne sozusagen panisch an deinem Leben zu hängen, dann bist du frei. Dann kannst du das Leben so annehmen und wahrnehmen, wie es ist.

Wobei ich das schon auch gerade krass finde, dass wir so distanziert über Sterben sprechen. Das ist jetzt unser distanter Blick aufs Sterben und das andere ist das erlebte, das erfahrene. Natürlich nicht das Sterben, aber das Sterben von sehr teuren Menschen.

Und bei mir für mich ist Tod von anderen sehr viel beängstigender als mein eigener Tod. Das Leben endlich ist und dass der Tod zum Leben dazu gehört. Das hilft einem unheimlich, eben da zu sein und nicht das Leben an sich vorbeiziehen lassen.

Wenn man sagt, dass der Tod zum Leben dazu gehört, dann gehört auch das Altern dazu. Muskelaufbautraining, number one thing für Hirngesundheit und Körpergesundheit. Yoga.

Wir haben nur den Moment und den nächsten und alles andere findet nur in unserem Kopf statt. Wir sind ausnahmsweise haben wir mal unsere Kinder heute zusammen abgeholt. Die Sonne schien, wir sind übers Feld gefahren, haben gesagt, ist das geil. Und genau in dem Moment ist ein Kind mit dem Fahrrad gestürzt. Es war wirklich just this moment und danach war es nicht mehr. Wenn wir diesen Moment davor nicht uns kurz geschenkt hätten, dann wäre auch nicht da gewesen, das Bewusstsein, dass gerade alles fantastisch ist.

Ich dachte, wir reden jetzt über Botox und Faltenstraffung. Möchtest du über Botox reden? Möchte mich darüber beschweren, dass ich nicht mein Geld mit Botox verdiene. Wurde dir schon angeboten? Von Kollegen bezüglich gewisser Falten. Klassisches Plastisch-Chirurgenspiel, dass wir gegenseitig an Fotos von unseren Frauen anmalen, was man verbessern könnte.

Ich möchte sagen, dass ich ein großer Fan von Ayurveda bin. Ich glaube, dass das mega verjüngend ist. Wenn ich bei so einer Behandlung war, fühle ich mich so krass rejuveniert, renoviert. Ich glaube halt voll an Selbstheilungskräfte vom Körper. Lymphdrainage, Gesichtsgymnastik. Erstmal dieses Haptische, bevor man sich was spritzen lässt.

Das sind diese kleinen inkrementellen Schritte. Das macht keinen Unterschied, ob du es einen Tag machst. Es macht auch keinen Unterschied, ob du 10 Tage machst, aber es macht halt Unterschied, ob du es 1000 Tage machst. Anfassen hat was mit Durchblutung zu tun und Durchblutung ist Beleben. Vergessenes Gewebe zum Leben erwecken.

Was ist Schönheit? Schönheit ist Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, sich wohlfühlen, vielleicht auch lachen, strahlen. Was fasziniert mich an Menschen? Ist es tatsächlich Faltenfreiheit? Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Ich finde diesen Begriff Selbstliebe leider ganz furchtbar. Ich finde den Inhalt davon sehr schön. Dass man an dem Punkt kommt, wo man sich selber einfach akzeptiert und vielleicht sogar schön findet. Dann strahlt es auch aus. Noch schlimmer finde ich Selbstfürsorge. Selfcare sage ich, aber Selbstfürsorge auf Deutsch klingt schrecklich.

Es gibt Begriffe, die in anderen Sprachen Dinge viel schöner ausdrücken. Es gibt auch im Deutschen schöne Begriffe. Dänisch klang am Anfang eher so komisch, aber wenn du alles verstehst, verliert es auch diesen komischen Charakter. Wie viele Witze gibt es über Deutsch, dass Menschen der Meinung sind, dass wir uns alle anschreien, weil wir so viele Zisch- und K-Laute haben.

Was hat dich diese Woche inspiriert? Ich habe mich heute mit einem jungen Ingenieur getroffen. Was hat er, was ich nicht habe? Ein Ingenieurdiplom. Ich liebe dich, aber ich würde dich mehr lieben mit einem Ingenieurdiplom.

Mich haben die Menschen in unserer Mastermind sehr inspiriert. Ihre Art zu denken, ihre Art zu sein. Ich war ja eigentlich erst ein bisschen angepisst, dass die mir so viel Fragen gestellt haben. Nein, ich war mega dankbar. Wunderschön von Menschen inspiriert zu sein, ein geiler Energieausgleich.

Du bist der Durchschnitt aus den fünf Leuten, mit denen du dich umgibst. Ein bisschen Cheerleading zwischendurch tut einfach echt gut und inspiriert.

Wir haben noch ein paar wenige Plätze frei für unser Retreat im Oktober. 3. Oktober auf einem fantastischen, mega stylischen und trotzdem Organic Hof zwischen Berlin und Hamburg. Wir werden sehr in die Tiefe gehen, aber auch ein gewisses Maß an leichter Oberflächlichkeit. Man geht ja mit jedem Menschen hoffentlich immer nur so weit wie es sich für beide gut anfühlt.

Vorfreude und Freude. Vielen Dank fürs Zuhören.