edelabgefunkt.de · Episode 59 · Transkript

Früher war alles besser – und danach wird’s nur schlimmer?

Edel Abgefunkt · Folge 59 · mit Katharina Giegling und Nicco Krezdorn
Veröffentlicht: 25. September 2025 · Dauer: 47:24

Edel Abgefunkt mit Katharina Giegling und Nicco Krezdorn — Musikerin und Arzt, zwei Jobs, mehrere Kinder. Alltag und Partnerschaft kommen oft zu kurz: wenig Paarzeit, viel Mental Load, kaum echte Pausen. Darüber reden sie so, wie es ist — ohne Hochglanz.

Kurzantwort

„Kleine Kinder, kleine Probleme“ und „früher war alles besser“ – Sätze, gegen die sie sich wehren. Folge 59 dreht Elternphasen um: Jede Stufe hat ein Geschenk, Kinder dürfen flügge werden, und Ausziehen ist kein Muss für Selbstständigkeit. Dazu: ehrliche Gespräche über Tod, Geld, Sex – statt falscher Beschützerliebe.

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Häufige Fragen zu dieser Folge

Worum geht es in Edel Abgefunkt Episode 59?

Um Elternsätze und Weltbilder: „früher war alles besser“, „danach wird es nur schlimmer“, Hochzeit als „schönster Tag“. Katharina und Nicco fragen, warum das gefährlich ist und welches Geschenk hinter jeder Lebensphase steckt.

Warum wehren sie sich gegen „früher war alles besser“?

Weil der Satz die Gegenwart entwertet: Wenn die Hochzeit der schönste Tag sein soll, darf danach nichts mehr so schön sein. Bei Kindern ähnlich – Herausforderungen ändern sich, aber „nur noch schlimmer“ ist für sie ein egoistischer, trauriger Frame.

Was ist das „Geschenk“ hinter dem Flüggewerden?

Wenn Kinder unabhängiger werden – Playdates, Abende mit Freunden – bleibt mehr ungeteilte Zeit für die anderen. Statt nur Verlust zu sehen („nur noch zwölf Sommer“), suchen sie die andere Medaillenseite: Wertschätzung kleiner Momente und Präsenz im Alltag.

Muss man ausziehen, um selbstständig zu werden?

Nicco hinterfragt den Satz der Elterngeneration. Katharina fand Alleinleben wichtig; er glaubt, denselben Effekt könne man auch durch Teilhabe, Rollenklärung und Familienkultur erreichen – Ausziehen sei nicht der einzige Evolutionsschritt.

Was meinen sie mit falscher Beschützerliebe?

Jemanden vor Erfahrungen „schützen“, indem man schweigt – über Tod, Geld, Körper, schlimme Themen. In der Partnerschaft: etwas nicht sagen, um zu schützen, sei der Anfang vom Ende. Lieber früh und altersgerecht benennen, statt später Traumata aufzuräumen.

Vollständiges Transkript

Automatisches Transkript (TurboScribe/Whisper-Quelle). Kann Hörfehler enthalten. Quelle: Episode-Audio aus dem RSS-Feed.

Ja, sch�n, wenn wir ein bisschen beieinandersetzen. Wo ist mein Tee gehalten? Und wir sind live.

Nico, musst du noch kurz deinen Platz erklimmen? Ja, das ist ein spezielles Studio. Sieht sehr elegant aus.

Das ist f�r uns ma�geschneidert worden, was auch nicht jeder hat.

Passt auch nicht jeder rein, muss man sagen. Nee, auch das nicht. Noch kurz den Krampf ergatmen. So, guten Abend. Du kannst ruhig mich angucken.

Ich muss nur gucken, ob die Frisur sitzt, weil die Maske schon nach Hause gegangen ist, weil es so lange gedauert hat heute mal wieder. Und warum ist mein Tee kalt?

Ja, das ist auch die Schuld von der Maske.

Ich glaube, wir brauchen bessere Mitarbeiter, kann das sein? Ja.

Gut, fantastisch. Wie geht es? Ja, war schon.

Lange nicht gesehen. Das stimmt tats�chlich. Also hier zumindest, ne?

Ja, weil ich jetzt gerade eingeschlafen bin, meinst du? Ja, auch das aber auch. Ich bin nat�rlich quietschfidel.

Das interessiert die Zuh�rerschaft sehr.

Ja, das ist schon wichtig, auch zu wissen, dass es uns gut geht. Nicht, dass man sich Sorgen macht. In einer Woche kann viel passieren.

Nachdem wir das so wie vom Vogel zerrupft, ordentlich aufgetreten sind, und das Licht gel�scht haben.

Aber wir waren wie auch vom Vogel zerrupft, extrem scharf. In der Aussage, ja.

Im Aussehen nicht. Klar in der Kommunikation.

Du meinst, ich habe kein einziges Mal geg�hnt, wenn wir morgen aufstehen. Stimmt, ja.

So, erz�hl mir mal, was haben wir f�r heute vorbereitet?

Wir haben f�r heute ein Thema vorbereitet. Ich muss hier gerade sehr elegant mein Mikrofon ein bisschen verbessern.

Und morgen erz�hlst du mir dann, dass du eine Sehenscheinlerz�ndung in beiden Augen hast.

Genau, ja. Wir haben vorbereitet, wir wollten dar�ber reden, �ber unser Steuersystem.

Okay, sp�testens jetzt haben wir alle Zuh�rer verloren.

Nein, wir wollten tats�chlich dar�ber reden, �ber einen der S�tze, gegen den wir uns schon sehr fr�h gewehrt haben. Dass es immer schlimmer wird.

Ja, also genau. Fr�her war alles besser, was man ja sowieso schon immer kennt. Aber ich finde, das h�rt man doch auch von Leuten, die Kinder haben.

Auch gerade schon, die �ltere Kinder haben. Oder wir haben es sehr h�ufig geh�rt, jetzt sind wir so ein bisschen an der Reihe, die sozusagen die �lteren Kinder haben. Aber so ganz typisch dieses, ah, die sind so s��, wenn sie klein sind.

Und danach, genau, und danach wird es nur noch schlimmer.

Oder auch der Lieblingssatz von vielen, kleine Kinder, kleine Probleme, gro�e Kinder, gro�e Probleme. Wo wir ja noch nicht mitreden k�nnen, wir haben ja noch nicht gro�e, gro�e Kinder. Wir haben nur mittelgro�e Kinder. Und wie sind dann die Probleme?

Ja, wenn sich halt zwei gegenseitig frisieren und die Haare abschneiden, aber das ist jetzt, sag ich mal, ein �sthetisches Problem.

Aber ich glaube, da sagen die mit den Kindern, die 15 oder 16 sind, das ist ja l�ppisch.

Ja, das mag ja alles sein. Ich sage ja auch nicht, dass die Herausforderungen andere werden oder dass es auch nicht intensiver werden kann oder anstrengender oder so, keine Ahnung. Aber ich verwehre mich gegen diese Idee, dass es �hnlich wie bei der Hochzeit zu sagen, dass es der sch�nste Tag war im Leben, ist einfach so traurig. Ja. Das w�re so traurig.

Also man sagt ja nicht, das war der sch�nste Tag im Leben, aber man w�nscht allen und sich selbst, dass es der sch�nste Tag im Leben wird.

Also es gibt schon Leute, die sagen, Hochzeiten war der sch�nste Tag. Ja, habe ich schon erlebt. Und das finde ich einfach so schade.

Und bei Kindern irgendwie auch. Warum? Das ist alles, was du dazu zu sagen hast.

Ich kann auch, also ich habe kein Problem, ich rede auch gerne weiter. Rede mal weiter.

Du hast an was anderes gedacht. Nein. Du hast an deinen Lounge gedacht.

Ich stimme dir zu, aber ich rede mal weiter und dann falle ich dir richtig sch�n unpassend ans Wort. Okay.

Aber kannst du das nochmal ganz kurz erkl�ren mit diesem sch�nsten Tag im Leben, weil dann alle so, h�, warum, soll doch voll der geile Tag werden. Aber warum sind wir so ein bisschen dagegen, dass die Hochzeit der sch�nste Tag im Leben ist? Es kann auch ein sch�ner Tag sein. Einer von vielen.

Aber zu behaupten, dass es der sch�nste Tag ist im Leben, das ist voll der traurige Ansatz. Danach ist halt jeder Tag nicht mehr so sch�n. Kein Tag darf mehr so sch�n sein.

Warum? Wir heiraten ja auch mehrmals. Also wir zwei, meine ich jetzt miteinander, also uns jetzt gegenseitig so.

Gut, dass du das noch richtig gestellt hast. Ich bin gar nicht drauf eingegangen. So sehr vertraue ich dir.

Dar�ber machen wir mal eine Folge. Ja, Schatz, wir reden gerade. Wir k�nnen auch jetzt �ber Vertrauen reden.

Als zweiter Teil. Du hast ja eh nicht so viel zu dem Thema zu sagen. Offensichtlich.

Also brauchen wir noch was, um das sozusagen weiterzuf�hren.

Nein, aber weil du vorhin gesagt hast, es wird so anstrengend. Also wenn man sagt, es ist anstrengend, auch mit Kindern. Das ist ja so unfair.

Das ist ja so mega egoistisch. Also das Kind hat mega Probleme, beispielsweise mit 15 Liebeskummer. Kann man sich ja jetzt nicht mal vorstellen.

Also dann leidet ja das Kind. Aber dass es dann f�r die Eltern anstrengend ist, ist ja so. Also nimm dich selbst mal ein bisschen raus.

Jetzt werden wir ja ganz grunds�tzlich irgendwie, also ich meine, das ist ja, grunds�tzlich macht man ja alles zu seinem eigenen Problem. Also wenn man es ganz hart runter bricht, ist Trauer auch nicht � Naja, der traust dir schon.

Nat�rlich, aber derjenige, der nicht mehr da ist, ist ja, also das ist auch was sehr pers�nlich, was nicht hei�t, dass man nicht trauen darf, aber was ich damit sagen will, ist, das ist schon sehr advanced, wenn du es schaffst, sozusagen dich immer komplett, also dein eigenes Gef�hlsleben als Reaktion auf eine Situation komplett rauszunehmen.

Ich habe ja nicht gesagt, dass es mein Anspruch ist und dass es jetzt sozusagen immer anzustreben ist. Ich glaube aber trotzdem, dass in manchen Situationen wir das Kind an erster Stelle stellen, im Sinne von, es tut mir einfach wahnsinnig leid, dass das Kind gerade krank ist, f�rs Kind, und dann kommen vielleicht meine Emotionen, dass ich was anderes geplant habe, oder, oder, wei�t du? Aber das ist ja einfach unfair, sich dann so an erste Stelle zu stellen, ob jetzt eben das Kind zahnt oder was auch immer Kinder tun.

Also so hei�t es in erster Linie, nicht mein Problem, es sei denn, ich mache es zum Problem. Und das, finde ich, ist ja schon so eine Lebenseinstellung eigentlich. Was ich ja ganz oft auf der Yogamatte sage, eben dieses, nimm es wahr, versuch es nicht zu bewerten.

Also, und sobald wir es eben bewerten, das ist ja, glaube ich, das Schwierige, was einen dann so, was einem unheimlich Energie raubt, so, ich bewerte, dass es jetzt mit einem kleinen Kind irgendwie so und so anstrengend ist, und dann kommen aber die und sagen, oh, jetzt ist aber das und das mega anstrengend, so. Also es ist halt, wie es ist. Ist ja nicht so, wenn ich das jetzt sage, ist ja nicht so, dass wir das nicht auch haben, nat�rlich.

Aber letztendlich sind diese Kinder, wie sie sind mit ihren Launen, mit ihren Herausforderungen. Und dann ist die Frage, m�ssen wir es immer so krass aufwiegen? Macht das Sinn?

Ja, klar, aber es ist ja auch wieder dieses Erwartungsding. Du wolltest halt eigentlich was anderes, oder du hast es anders erwartet, oder du willst nicht, dass deine Kinder wiederreden, oder sowas. Oder dass sie...

Aber was wir eigentlich vorhin auch ja sagen wollten, wor�ber wir gestern gesprochen hatten, das ist ja auch... Das ist der Ende. Ja.

Dass es ja einfach auch so sch�n sein kann, diese unterschiedlichen Phasen einfach durchzugehen. Dass man jetzt zum Teil auch... Also die werden unabh�ngiger.

Zum Teil... Ich w�rde nicht sagen, wir sehen unsere Kinder jetzt schon weniger. Ich glaube, da sind wir noch nicht.

Aber die haben dann schon mal hier so ein Playdate und da sind sie verabredet und dann eben war unsere gro�e Maus neulich zum ersten Mal abends mit der Freundin und den Eltern auf einer Veranstaltung. Und das muss aber nicht immer schlechter sein.

Ja, und ich... Auch das ist ja bekannt, aber dass wir... Es gibt ja diese relativ harte Rechnung, dass wenn sozusagen ein Kind auszieht, hast du die meiste Zeit deines Lebens mit dem Kind verbracht.

Ich habe mal sogar so ein Online-Tool gebastelt, damit man das ausrechnen kann und es als Kalender angezeigt bekommt, also wie lange du noch hast.

Ja, oder letztendlich diese wie viel Sommer verbringst du mit deinem Kind. Genau.

Das ist ja auch runterzurechnen. Also wenn du die Jahreszeiten... Wobei dann, finde ich, immer dann klingt es so, oh Gott, nur noch zw�lf Sommer.

Aber zw�lf Sommer kann ja so lang sein. Weil eben... Und das ist ja glaube ich so ein bisschen ideal, was wir uns so vom Leben vorstellen und auch glaube ich oft umsetzen k�nnen. Dieses den Tag leben.

Genau, aber das setzt sozusagen den Fokus ja wieder auf dieses appreciaten. Dass es halt endlich ist und das halt... Ich wei� gar nicht mehr, ich glaube es ist mit zw�lf oder so.

Also jetzt mal durchschnittlich gerechnet. Wenn die mit 18, 19 ausziehen oder wenn sie ausziehen. Auch das ist ja ganz interessant.

Haben wir noch nicht dr�ber geredet. Das fand ich irgendwie auch ein... Wir gehen da gleich wieder darauf ein, um den Gedanken noch sozusagen fertig zu machen.

Dass wenn die mit zw�lf oder so hast du nach konventionaler Rechnung sozusagen die H�lfte der Zeit. Schon krass. Also wenn man sagt, dass man halt sozusagen...

Weil man sich dann halt als Erwachsener nicht mehr jeden Tag sieht und...

Genau, weil sie dann einfach, also sobald sie aus dem Haus sind sozusagen, siehst du sie grunds�tzlich sowieso relativ wenig in der Standardkonfiguration, wenn sie in einer anderen Stadt leben. davor wird es ja auch schon weniger. Und das ist sozusagen, das kann man jetzt so nehmen und deuten wieder und sagen, ach wie furchtbar und schrecklich.

Genauso wie das, was du gesagt hast, jetzt werden sie Fl�ge auf eine Art oder keine Ahnung, gehen abends weg oder verbringen einfach mehr Zeit mit Freundinnen und Freunden. Und gleichzeitig, das ist glaube ich das, worauf wir eigentlich in unserer Diskussion gestern hinaus gekommen sind, das ist halt eine Art das anzugucken, eine Seite der Medaille und die andere ist halt zu sehen, ja okay, mit dieser Ver�nderung was... Also was ist das Positive daran? Oder was ist... Das Geschenk dahinter.

Ja genau, was ist das Geschenk dahinter und das kannst du in allem suchen. Weil was uns aufgegangen ist, wir hatten halt jetzt schon in den letzten Jahren jetzt da, wo sie alle sozusagen sprechen und laufen k�nnen und eine Meinung haben und sich mitteilen wollen, gab es ja schon Momente, wo wir das Gef�hl hatten, es w�re schon sch�n, also dreist halt dann schon viele auch manchmal, dass man jedem, sag ich mal, auch wirklich die Menge an ungeteilter Aufmerksamkeit zukommen l�sst, die jeder auf eine Art auch braucht, einfach auch, um uns kennenzulernen. Wir haben es teilweise geplant richtig.

Und wenn es nur Klavier�ben ist, dann, das war ja f�r mich schon auch zum Teil schwierig, wenn du nicht da warst und da h�pfen dann noch so zwei kleine M�usereiche.

Genau, ja oder halt dass man eine Stunde dann rausgeht mit einem oder irgendwas macht, einfach als fokussierte sozusagen Zeit. Und das bekommt man jetzt, wenn halt, wenn die sozusagen irgendwie fl�gge werden, also dann hast du automatisch sozusagen mehr Zeit f�r die anderen. Das hei�t, das ist halt sozusagen das Positive dahinter.

Und was ich neulich gedacht habe, was so super sch�n ist, da hatte ich in letzter Zeit so viele Momente davon, wie wir neulich davon hatten, boah, ich muss jetzt voll krass nachdenken, dann glaubt man eben, man m�sste eine Stunde lang mega krass sich den Kopf zerbrechen und nachdenken und so. Letztendlich ist dieses Nachdenken in zehn Minuten manchmal getan, sobald man vielleicht einen klaren Kopf hat und dann hilft es irgendwie vielleicht, also mir hilft es manchmal so, kurz aufzur�umen oder irgendwie eben nat�rlich rauszugehen oder irgendwie, sag ich mal, was damit zu verbinden, wo man gut nachdenken kann. Und neulich, das war tats�chlich an unserem freien Tag, den wir uns wunderbar eingeplant haben, an einem Mittwoch, wo alle Kinder wundervoll versorgt waren und wir einfach Fr�hst�ck gegangen sind.

Und dann habe ich unseren Kleinsten in Burnhill gebracht und er so, komm Mama, wir skippen wieder, das machen wir, dieses Hoppsalauf, so. Und das sind eigentlich diese kleinen Momente, das sind ja quasi zehn Minuten, die du ungeteilt einfach mit deinem Kind irgendwie zusammen kuschelst, zusammen Hoppsalauf machst, zusammen, ihr geht manchmal Basketball spielen, irgendwie in der Natur sein und das wertsch�tzen die so sehr, wei�t du?

Ja, wie ich auch mit dem anderen Neuesten angehalten bin, auf dem Heimweg Eichh�rig, also Eichh�rig angefl�ht hat. Genau, dass wir einmal kurz in die Natur gehen, sondern sind wir da einfach irgendwo ins Geb�sch und durch hohe Gras und das hat f�nf Minuten gedauert, sozusagen. Und diese f�nf Minuten sind nichts, aber das ist das Leben, das ist das, woran du dich erinnern wirst.

Und da sind ja Kinder auch irgendwie unheimlich, wie sagt man, ich wei� nicht, ob Spiegel das richtige Wort ist, aber so dieses klassische, sie bleiben halt einfach auf dem Nachhauseweg stehen und drehen das Blatt, also sie leben halt jetzt nicht mehr, aber sie drehen das Blatt dreimal um und freuen sich halt einfach �ber eine Kastanie. Und diese Zeit sich dann zu nehmen, das ist schon auch sch�n, wiederzulernen und immer wieder zu realisieren und so, oder?

Total. Und das, sozusagen, das fand ich tats�chlich auch einen interessanten Gedanken. Also kennst du das, wenn du manchmal mit einem Gedanken konfrontiert wirst und denkst so, das ist jetzt kein spektakul�rer Gedanke, aber er stellt auf eine Art so ein Weltbild in Frage, das ich selber also nie hinterfragt habe, aber so in so einem Video gesehen, dar�ber irgendwie, dass in der Familie dann halt die Kinder nicht ausziehen, wenn die erwachsen sind, sondern man halt, die haben dann halt einen Familienbetrieb zusammen.

Und wo ich so gedacht habe, ja, krass, also ja, eigentlich halt auch eine Option, aber irgendwie in meinem Kopf war das so auf eine Art einzementiert, dass das, also ohne dass ich das jetzt bewusst mir vorgenommen h�tte, und ich habe es bis zu dem Zeitpunkt nie hinterfragt, so, ja klar muss man ausziehen, wird 19, dann oder lass es 20 sein, oder 18, was auch immer, aber dann, nat�rlich musst du raus in die Welt und selbstst�ndig sein, aber musst du?

Ich glaube, es ist schwer, das zu verallgemeinern, weil ich kann mir vorstellen, dass es manchen schon sehr gut tut, auch ein bisschen Distanz zu haben und auch auf den eigenen Beinen zu stehen und bei manchen, die k�nnen sich vielleicht auch distanzieren, weil das ist ja was Wichtiges, dass man jetzt nicht mehr mit 20 vielleicht unbedingt am Gatter steht und seiner Mutter hinterher weint, weil sie jetzt irgendwie gerade sich physisch entfernt und so weiter, das ist ja wichtig, glaube ich, aber die Frage ist, muss man dann diesen harten Cut haben und dann in einer anderen Stadt?

Es muss ja nicht ein harter Cut sein, aber muss das, also das ist ja auch, das w�re ja auch auf eine Art affig, wenn du diesen Evolutionsschritt nur kriegst, wenn du sozusagen ausziehst, das kann ich mir nicht vorstellen.

Nein, das kriegen Sie ja auch jetzt schon hin.

Ja, ja, also ich meine nicht nur unsere Kinder, aber generell, also sozusagen, es gibt, also das w�rde ich schon auch hinterfragen, also muss man, muss man ausziehen, um selbstst�ndig zu werden?

Also meine Mutter hat immer gesagt, man muss mal gelernt haben, alleine zu leben.

Ja, aber das sind genau diese S�tze, dieses muss man.

Ja, ich fand es insofern schwierig, also ich hatte mir damals auch in Freiburg eine WG angeguckt, da hatte ich irgendwie keinen Platz, das war so, hat sich alles schon so besetzt angef�hlt, ich glaube, da w�re ich null gl�cklich gewesen, weil irgendwie alle Fotos schon an den K�hlschranken hingen und so. Da war ich nicht Pers�nlichkeit genug, als dass ich so mich da hineink�mpfen h�tte wollen.

Und ich habe es auch gemocht, alleine zu wohnen und ich glaube, ich habe sehr viel dabei gelernt und ich glaube schon, dass es ganz, also eben ist eine Behauptung, klar kann man auch genau so in Frage stellen, aber quasi dieses so aus der Familie in die Beziehung und dann l�st sich die Familie auf und dann l�st sich die Beziehung auf und dann sch�tzt man sich in die n�chste Beziehung, das ist ja schon auch eine Abh�ngigkeit, die man hinterfragen kann, obwohl man nicht sagen kann, hey, ist es nicht gut, auch mal alleine gut klar zu kommen und ich kann f�r mich sagen, f�r mich war das glaube ich sehr, sehr wichtig, nochmal alleine zu sein, um auch nochmal viel mehr zu sp�ren, was brauche eigentlich ich, wie m�chte ich das eigentlich gestalten, was m�chte eigentlich ich im K�hlschrank haben und so weiter und so fort.

Aber klar, vielleicht geht es auch anders und vielleicht ist es auch ges�nder, konstant mit jemandem zusammen zu sein, ich wei� nicht, ob es da Studien dazu gibt.

Ich wei� auch nicht, ob man das wieder alles ausoptimieren muss, aber verstehst du, das sind ja schon S�tze der Generation unserer Eltern, also diese Meinung haben meine Eltern auch, dass das gut ist.

Aber ich habe auch gesagt, das ist auch meine Meinung, dass ich sage, ich glaube auch, dass es wichtig ist, alleine sein zu k�nnen. Das �bernehme ich nicht, sondern das ist tats�chlich meine �berzeugung.

Ich bin mir da nicht mehr so sicher, muss ich ganz ehrlich sagen, weil ich kann mir auch vorstellen, dass sozusagen diesen Effekt, den man sich davon erwartet, dass du das auch, je nachdem wie du dein Familienleben gestaltest und wie du Aufteilungen in der Familie lebst, wie du �ber Finanzen redest, wie viel Teilhabe man sozusagen abgibt, also ich glaube schon, dass es da sehr viele Modelle gibt, auch wie man ein Familienleben organisieren kann, wo du sag ich mal, du kannst ja auch komplette Aufgabenbereiche wirklich abgeben mit der Erwartung, dass sie dann halt einfach auch sozusagen erf�llt werden.

Zwei Gegenbeispiele. Erstens hat man in einer Familie, in die man hineingeboren wird, nimmt man ja gewisse Rollern ein. Das kennen wir aus unserer Hierfamilie, das kennen wir aus unserer Herkunftsfamilie.

Ich glaube, das ist schwierig, das in diesem Gef�ge abzulegen, wenn man denn �berhaupt m�chte. Vielleicht ist es auch, okay gut, das ist meine Rolle, ich bin der wichtigste, ich bin irgendwie die Gr��te, ich mach das, ich bin hier vern�nftig, ich bin da vern�nftig, kann man hinterfragen. Und das zweite Gegenbeispiel, wir waren damals in Bosnien, haben da unsere Tochter bekommen.

Das hat mir pers�nlich schon sehr gut getan und ich glaube uns beiden gut getan, auf uns alleine gestellt zu sein. Und das war schon der physische Abstand.

Nat�rlich, aber warum? Weil unsere Familien waren, wie sie waren. Wenn unsere Familienkonstellation anders gewesen w�re, h�tten wir das vielleicht so in der Form nicht gebraucht.

Und Gegenargument? Nein, aber ich finde es ja wirklich interessant.

Aber ich finde, das wird ja unseren Familien nicht gerecht. Also wenn ich jetzt Oma werde, dann, oh Gott, das macht mich jetzt schon ein bisschen alt, dann h�tte ich ja auch ein Bed�rfnis, da zu sein und zu sehen und nah zu sein und zu unterst�tzen und so weiter. Aber das meine ich doch gar nicht.

Oder was meinst du? Sondern? Das h�rt sich so an, als ob irgendwie wir so voll die Klettenfamilie haben, die so...

Unsere jetzt? Ja. Unsere Herkunftsfamilien?

Nein, ich meine das gar nicht im Sinne von Kletten, aber also sozusagen in Richtung sozusagen auch Gegenargument. Du sagst Rollen, ja, aber sozusagen ich habe jetzt keine, und ich werfe das meinen Eltern nicht vor, aber wir haben jetzt nicht da gesessen und die Rollen, die wir in den Familien hatten, hinterfragt und das sozusagen als Familie diskutiert, als Erwachsene und gesagt, Moment mal, lasst uns mal diese Dynamiken angucken. Klar, wahrscheinlich ist Selbstgespr�chen sehr �berblickend.

Verstehst du, du k�nntest theoretisch eine Familienaufstellung machen, w�hrend alle noch in der Familie sind und nicht hinterher, wenn sich alle ums Erbe streiten. Stimmt.

Also diese ganzen, ganz viele von den Sachen, die dann hinterher alle wieder aufr�umen irgendwie, inklusive mir auch sozusagen, und ich werfe das niemandem vor, weil alle, das ist schon auch eine Erkenntnis, die mit dem �lteren Sein f�r mich gekommen ist, dieses, ich glaube, alle tun das Beste mit den besten Absichten, mit den M�glichkeiten, die sie haben, und dass das nicht immer den Effekt hat, den man sich w�nscht oder man bei manchen Sachen schlicht und ergreifend einfach auch nicht dr�ber nachdenkt, weil man keine Zeit hat, dar�ber nachzudenken oder weil es einem nicht aufgeht oder, das ist ja auch alles okay und sei dahingestellt.

Ich stelle mir das immer so vor, irgendwie so, kennst du noch Rasmus, der Landstreicher? Das war so eine Kinderklassette. Das ist auch so eine schwedische Kindergeschichte irgendwie, auf jeden Fall.

Ich glaube, heutzutage w�rden auch alle einen Schreikampf kriegen, wenn ein Kind mit so einem Landstreicher abh�ngt. Der hat, der hat auch mal so lustige Lieder gesungen. Egal, auf jeden Fall, da habe ich mir das immer so vorgestellt, das ist ja dieses Bild von damals, die haben so einen Stock, an dem so ihr B�ndel h�ngt hinten, wo ihr Hab und Gut oder die Jause, die Brotseite irgendwie drin ist.

Und ich hatte die �berzeugung, wir kommen alle aus unserer Kindheit raus, ins Erwachsenenleben, wo wir alle ein St�ckchen haben und wir haben hinten unser P�ckchen. Das ist unser Gep�ck von der Schulzeit, von der Familie, von der Gro�familie, den Nachbarn, also allem, wie wir aufgewachsen sind. Und da sind unsere ganzen Traumata drin und unsere ganzen, kannst wegen mir noch die ganzen generationalen Sachen mitnehmen.

Und dann kannst du jetzt sozusagen, entweder l�ufst du mit dem Ding einfach so durch dein Leben, oder du setzt dich halt irgendwann hin, weil du merkst, es wird schwer oder es nervt oder es belastet dich und packst es halt aus und versuchst sozusagen, das einmal sauber zu machen und aufzur�umen. Aber ich sehe kein Argument daf�r, warum das zwingend au�erhalb der Familie passieren muss, also jetzt mit dem Inhalt, der die Familie betrifft, irgendwann zwischen 25 und 30 oder 25 und 40, wenn alle ihre First-Midlife-Crisis, Quarter-Life-Crisis kriegen. Warum kann man das nicht w�hrenddessen schon machen?

Da m�ssen wir aber jetzt schon anfangen. Ja, nat�rlich. Aber das ist ja ...

Ja, mir hat neulich ein befreundeter Kollege erz�hlt, die haben ein Kind adoptiert und, ich rede nur so gerade so ein bisschen, dass ich nicht irgendwie zu viel erz�hle, aber ich habe mich mit ihm dr�ber unterhalten, wann man dem Kind dann sagt, dass es adoptiert ist. Und die haben das so gelernt und ich habe das so voll auf eine Art, also ja, best�tigt klingt so doof, aber also habe ich genauso gef�hlt, dass du halt von Anfang an das benennst mit dem Kind, auch wenn es eben drei Monate alt ist.

Ja, also ohne dass das so ein Stigma wird.

Genau. Es ist einfach so, die haben das dann irgendwie so aufgeteilt, du warst in dem Bauch von einer anderen Frau und wir sind deine Eltern. Aber so eben, weil die Frage ist ja schon, wann erz�hlst du es?

Also vielleicht ist es ja schon ein kleines Trauma, wenn du es mit drei erz�hlst, weil, wei�t du, also wenn wir unsere Kinder anschauen, wir sind ja schon mega bewusst und sind ja immer �berzeugt gewesen, dass die uns sowieso verstehen. Auch wenn die ein Tag alt sind, verstehen die, was wir sagen, in der Art, wie wir sagen, genau. Und so weiter.

Nat�rlich, klar, mit Grenzen, aber wie du sagst, die Intention. Und dann finde ich das so voll sch�n, wenn das so quasi total homogen und ja, einfach so in-tune ist. Und, wie kam ich da jetzt drauf?

Darf ich das jetzt schon dazu sagen oder hast du noch was? Wie kam ich da drauf? Von einem Freund?

Genau, wegen, ja, sozusagen dieses, letztendlich dieses Meta-Ebene sprechen. Also, deswegen k�nnen wir auch jetzt schon mit unseren Kindern dar�ber sprechen, welches P�ckchen vielleicht bei Ihnen so hinten drauf ist. Ich finde, das ist auch ein sch�nes Bild.

Also, theoretisch. Entschuldigung, jetzt sag mal.

Ich finde das gro�artig, dass sie das so machen. Also ich meine, wie viele Filme oder Serien haben wir gesehen, �ber sozusagen, wo dann, also, ja, wo das dann sozusagen auseinanderklam�sert wird sp�ter. Und dieses, was mir dazu einf�llt, also zwei Sachen.

Das eine m�chte ich sagen, ich finde das gro�artig und ich finde das ganz wichtig, dass wir mit unseren Kindern �ber Tod reden, dass wir mit Kindern �ber Sex reden, dass wir �ber Geld reden, dass wir �ber, also theoretisch auch schlimme Sachen, die irgendwie passieren k�nnen, reden in einem ad�quaten Setting. Wir haben jetzt sozusagen auch �ber k�rperliche Ver�nderungen und was wei� ich, was sozusagen fraulich alles kommen kann, irgendwie angefangen. Es ist halt Teil des Lebens.

N�mlich wir, wer dann aber auch. Ja, es ist ja auch Teil des Lebens.

Also ich meine, Geld spielt eine Rolle. Unsere Kinder wissen, dass wir irgendwie Miete bezahlen m�ssen, dass wir arbeiten, auch weil wir Geld verdienen. Und Tod hat sich in unser Leben sozusagen geschlichen, ob wir es jetzt wollten oder nicht.

Aber sozusagen, und das bringt mich zu meinem eigentlichen Punkt, wenn ich dir so zuh�re und wir dar�ber reden, was ja auch ein Streitthema war zu einem Zeitpunkt, mal mit deiner Mutter und mir, dieses jemanden besch�tzen wollen. Und das, ich glaube tats�chlich, wenn ich so dr�ber nachdenke, dass das ein gro�er Teil des P�ckchenschn�rns ist. Das ist falsch verstandene Liebe.

Ich glaube nicht, wir sollten unsere Kinder, also wir sollten unsere Kinder vor Tod besch�tzen, keine Frage. Es soll nicht auf die Stra�e ran, wenn ein LKW angebrettert kommt. Gar keine Frage.

Aber wir haben auch proaktiv gew�hlt, dass die Ecken und Kanten in unserer Wohnung nicht gummigepolstert sind. Dass wenn du gegen eine Ecke l�ufst, dann tust du dir weh, dann lernst du, dass du nicht mehr gegen diese Ecke l�ufst. Wir haben unsere K�che nicht abgez�unt.

Ich finde, oder kann man alleinstehen damit oder auch nicht, spielt keine Rolle, aber ich glaube, es ist ein Fehler, jemand anderen vor einer Erfahrung sch�tzen zu wollen, weil es steht uns nicht zu. Und das ist genau das Gleiche in der Partnerschaft, ehrlich gesagt. Wenn ich beschlie�e, dir etwas nicht zu sagen, um dich zu sch�tzen, ist es der Anfang vom Ende unserer Beziehung. Mhm. Stimmt.

Weil ich liebe dich sehr und ich liebe unsere Kinder sehr.