Vollständiges Transkript
Samstagabend, wir schauen aufs Wasser und sind dankbar und demütig über Sonne und Sommer und Leben. Erster Ferienentag. Auf Folge sechs. Wir hatten uns ihre Kost vorgenommen für heute Abend. Mhm.
Tot. Das Thema tobt. Es ist leider sehr aktuell gerade, weil mein Papa gestorben ist vor zwei Wochen und ich glaube, noch nie war das Thema Tod nie in meinem Leben als jetzt. Wie ist das bei dir? Ja, ich hab mit dem Tod ja schon sehr viel Berührung gehabt, Mhm.
Beruflich, muss man sagen. Und natürlich sind auch in unserer Familie von schon Menschen von uns gegangen, aber nicht in der Altersklasse, muss man sagen, und auch nicht in der Nähe, glücklicherweise. Mhm. Und irgendwie auch nicht so unerwartet auch nach, ne? Ja.
Ja. Und also Du erzählst natürlich nur so viel wie für dich Ja, klar. In Ordnung ist. Natürlich. Ja, aber es beschäftigt mich gerade sehr, es beschäftigt die Kinder sehr, ne.
Ich ich möchte immer wieder darüber sprechen und ja, irgendwie das das so greifen, wo denn ein Mensch ist nach dem Leben, wo dann die Seele ist, ja, was was irgendwie real ist und was nicht, aber das ist ja irgendwie eine totale Entscheidung, die man selbst trifft als Traummander. Ja, also Du meinst jetzt sozusagen bezogen auf das Afterlife. Mhm. Weil, also, es ist natürlich real, dass er nicht mehr da ist. Genau und das ist Das ist nicht so sehr eine Entscheidung, sondern das ist ja schon ein Fakt.
Mhm. Und wie Du sagst, das ist halt, ja, der Versuch, das Unfassbare Greifbare zu fassen. Mhm. Und Was vielleicht gar nicht gelingen kann, ja. Vielleicht kann man auch nur Dinge fassen, die man selbst erlebt hat?
Ja, wobei es natürlich wenig Menschen gibt, die tot erlebt haben und wiederkamen. Genau, vielleicht kam Na ja, es gibt ja es gibt ja Nahtod Nahtoderfahrungen oder Berichte von von Menschen, die lange in in Narkose beziehungsweise kürzlichem Koma oder so was waren und da gibt's ja teilweise dann schon auch Ähnlichkeiten und so. Also insofern, ja. Nee, aber ich stelle einfach die Frage in den Raum, ob ob's vielleicht gar nicht möglich ist, diese Komplexität der Komplexität und ja, also ob man das überhaupt fassen kann, ob man das überhaupt begreifen kann, ne? Also ob jemand, der jetzt zehn Jahre jemanden traut, ob man das dann besser verstehen kann oder greifen kann oder oder besser, ja, realisiert, akzeptiert und so weiter, frage ich einfach, ob's überhaupt begreifbar ist.
Es ist wahrscheinlich Ja, so, also der Mensch gewöhnt sich ja an alles leider und zum Glück. Mhm. Und wahrscheinlich gewöhnt man sich einfach zunehmend dran. Also, wenn man jetzt einfach an unsere Großeltern denkt, dann ist das ja auch jetzt nicht etwas, als womit man sich jetzt tagtäglich auseinandersetzt. Es gibt Momente, Erinnerungen, Situationen, vielleicht Gerüche, besonders Gerüche oder Bilder oder Redewendungen, die einem dann einfallen.
Genau, die sozusagen diese Erinnerung triggern und dann denkt man dran Voller Liebe im Idealfall. Genau, im Idealfall ist ja auch nicht jedem gegeben, dass man sozusagen an alle Menschen, die von einem gehen, besonders aus der Familie mit positiven Emotionen zurückdenkt. Ich würde sagen, bei uns ist das ja der Fall, aber ist ja nicht ist ja nicht gesetzt. Aber das ist ja, glaube ich, auch diese dieses Absurde oder das, was es so schwer zu fassen macht, ist ist ja diese Gleichzeitigkeit der Tatsache, dass Stimmt. Die Banalität des Lebens einfach weitergeht.
Das Leben geht einfach weiter mit all seinen kleinen und großen Problemen und Und Schönheit kann auch. Die Sonne scheint und Menschen lachen, man selber lacht. Ja, so wie ich jetzt neulich gesagt hab, ich wusste gar nicht, dass im Juli auch Menschen sterben, ne, dass nach dem Motto so surreal ist, dass irgendwie Sommer ist und ja, letztendlich sone Leichtigkeit eigentlich in der Luft liegt und gleichzeitig so viel Traurigkeit da sein kann. Und ich erleb ja diese Gleichzeitigkeit schon seit Wochen, dass man gleichzeitig eben im Alltag sein kann und superviel in Sorge sagen kann, dass man auf eine Art auch gleichzeitig glücklich und sehr, sehr traurig sein kann.
Ne, und so haben wir das jetzt auch erlebt, finde ich, in dieser Zeit der Beerdigung, wo wir aus allen Richtungen die ganze Familie und Großfamilie und und Freunde zusammenkamen, einfach sich so nah zu sein und so viel Zeit zusammen zu haben und sich die Zeit zu nehmen, diese Liebe zu teilen, diese, ja, diese Trauer zu teilen, die Erinnerung zu teilen, dass es auch was ganz Schönes und Tröstens sein kann im all in aller, ja, in allem Schock und in aller in allem Nicht begreifen.
Das fand ich faszinierend. Son bisschen wie dieses in dem Inside out Film.
Das finde ich 'n ganz schönes Bild dazu, wo diese Emotionserinnerungskugeln quasi am Anfang ja noch so ganz klar irgendwie, entweder ist man nur glücklich oder nur traurig, also das ist ja eine gelbe Kugel oder eine blaue Kugel und wo dann sozusagen Riley, diese Person, irgendwie reift oder das Gehirn reift oder wie man das nehmen soll, werden diese Kugeln mehrfarbig und komplexer, so wie das Leben halt ist, dass man halt mehrere Emotionen entweder gleichzeitig haben kann oder direkt nacheinander oder pendeln sozusagen, aber dass das ein Moment quasi mehrere Emotionen sozusagen auch gespeichert haben kann und dass es halt mehr sein darf als halt, es ist halt nicht nur schwarz weiß oder gelb oder blau, sondern es ist halt eine Mischung.
So, und das ist jetzt, wenn man so möchte, eine neue Farbkomponente in unserem Leben, die wir auf eine Art, ja, erfreulicherweise bis jetzt nicht haben mussten. Was wir auch gesagt haben, dass wir da echt dankbar sind, dass wir bisher wirklich gesunde Eltern hatten.
Von der man aber sagen muss, dass sie zwangsläufig zum Leben dazugehört. Ich weiß. Es ist ja keine keine Farbe sozusagen, die nie in nie in seinem eigenen Leben vor, also außergewöhnlich vor allen anderen natürlich dann. Das hat meinem Papa einmal gesagt, dass es Sterbend zum Leben dazugehört. Ja.
Warum hast Du vorgeschlagen, heute über Tod zu sprechen? Ich glaube, weil das so präsent ist bei uns. Also ich kann natürlich über tausend andere Sachen sprechen, aber warum nicht das Sprechen, was sozusagen Oder besprechen, was für uns momentan so so relevant ist auch. Also was mich irgendwie zum Teil wundert, ist, mit welcher Selbstverständlichkeit Menschen auch leben und davon ausgehen, dass so was wie Krankheit und auch Tod nicht auch ins Leben treten kann. Das, glaube ich, empfinde ich anders und hab's auch sehr Ja, irgendwie bin da schon reflektiert darüber, dass man dass es eben nicht selbstverständlich dass es nicht selbstverständlich ist, nicht krank zu werden und für immer zu leben so.
Und das haben wir ja schon seit, ja, seit, ich weiß nicht, seit Jahren, dass wir dass wir irgendwie versuchen, sehr, sehr viel im Jetzt zu leben. Wer weiß denn schon, was ist Universum so für ein Solidarität, dass wir in der Partnerschaft, ne, sozusagen sehr bewusst sind und und auch einfach verbal total wertschätzen und Liebe aussprechen, dass wir das mit unseren Kindern machen und so.
Das kann ich einfach nur sagen, dass es für mich irgendwie so tröstlich ist, wenn man so lebt und auch auf eine Art dieser Realisierung, ja, ich hab manchmal auch sorgevolle Gedanken meinen Kindern gegenüber und ich kann mir vorstellen, dass es wirklich das Allerallerschlimmste ist, wenn den Kindern das zustößt und man möchte auch überhaupt gar nicht darüber nachdenken.
Und das Einzige, was auf eine Art sone Lösung für den Moment sein kann, ist, jetzt zu leben und jetzt zu genießen, ne und sich tatsächlich über Alltägliches und irgendwie auch, ja, Beschwerliches und so so so wenig wie möglich davon Energie rauben lässt und so wenig wie möglich auch davon, ja, irgendwie so sich diesen diesen Moment, diesen guten Moment auch nehmen lässt.
Weißt Du, als ich im Krankenhaus war mit allem unserer Kinder, da dachte ich einmal nur so, ich seh nämlich nach unserem Alltag, ich seh nämlich nach danach, weiß ich nicht, noch irgendwas einzukaufen, irgendwas, weißt Du, so dieses Alltägliche, Simple, wo man vielleicht im Alltag manchmal denkt, ah, ist jetzt aber nervig, dass man jetzt irgendwie noch echt zu lapidar zum Supermarkt gehen muss, es zu Essen zu kaufen und dann auch noch was zu Essen zu machen und dann muss man noch irgendwie abräumen oder whatever.
So und das ist aber genau das, diese unglaublich schöne Normalität, wo man sich dann in diesen Extremsituationen auch zurücksehd. Ja. Ja, ist ja dieses, Du weißt nicht, was Du hattest, bis es weg ist. Die Japan gekommen ist, ja. Ich, also, Du sagst, Du sagst, dass Du einen Moment genießt, ich, also, ja, ich gebe dir rechts auf der einen, also, aber ich, man kann nicht jeden Moment genießen und es auch nicht.
Ich weiß. Also, ich glaube, es ist mehr son bewusstes, also es geht wieder bewusster oder bewusstes Wahrnehmen, weil auch die auch die unangenehmen Sachen, also so wie Du sagst, das, was man eigentlich als unangenehm finde, empfindet, ist also ist dann angenehm, wenn man's mit noch was schlechterem vergleicht, ne. Also das ist ja Stoizismus pur quasi, aber, ja, aber also den den Wert im Bananen oder im Alltäglichen oder dass man überhaupt so was wie so was Alltägliches oder was Banales erleben darf irgendwie. Natürlich kannst Du dich immer mit Menschen, die sehr, sehr, sehr viel schlechter gestellt sind als wir oder die im Krieg sind oder wie gesagt, krank. Oder wenn man's dahingehend vergleicht irgendwie, dann und da, ne, das ist ja auch Also diese Dankbarkeit eigentlich, ne, darum geht's ja auch.
Ja, und ich glaube, darauf finde ich hinaus, also jetzt jede Sekunde sozusagen im in Glückseligkeit zu schweben, ist sicherlich also vielleicht erleuchtet, vielleicht auch einfach unreal. Aber worauf ich hinauswill, ist, dass es schon, finde ich, jeden Tag absolut Grund zur Dankbarkeit gibt, weißt Du? Und zum Sehen, krass, was haben wir? Was was was was haben wir einfach heute Schönes erlebt? Ne, wo wo haben wir uns geliebt?
Und also das, ne, wo natürlich, es ist jetzt nicht nur familiär, sondern einfach, was hatt ich für schöne Begegnungen? Was, ne, hatt ich irgendwie für gute Erfahrungen im Beruf? Und also einfach so das wirklich auch zu benennen und sich anzuschauen, ist, glaub ich, sehr, sehr wichtig, glücklich und zufrieden zu sein. Ja. Natürlich auch das mag ich ganz gern.
Ja, das mag jeder gern. Ich glaube, es ist natürlich auch einfacher, wenn Oder sagen wir mal, andersrum ist es in unserem Leben, wie es aktuell ist, einfacher. Weil es gibt ja auch viele Menschen, die unglücklich sind oder die Also man kann ja immer sagen, ja, ihr habt's leicht. Genau. Aber ja, wie Du sagst irgendwie, ne, haben wir jetzt 'n akuten Todesfall quasi gerade hinter uns, auch nicht leicht.
Mhm. Und wie Ja, das ist ja auch dieser der sicheren Zweck von diesen Dankbarkeitstagebüchern, dass man Zeit darauf verwendet, sich den Tag anzuschauen. Und selbst wenn man der Meinung ist, dass man das beschissenste Leben von allen hat, darin den Moment zu finden, der gut war, in der und sei ja noch so klein. Wie ist der Film mit dem mit dem Vater und dem Sohn im Krieg? Das Leben ist schön.
Ja, genau. Ja. Wo die sich dann irgendwie auch die Blümchen am Straßenrand anschauen. Ja. Aber das ist ja auch das Das ist eine Tugend und natürlich eine Qualität und und und weil Du gesagt hast, das möchte jeder irgendwie, ne, zufrieden und dankbar und glücklich sein.
Also ja, mag sein, aber ich glaube dennoch, dass es eben auch eine Entscheidung dafür oder dagegen ist. Und Du hast natürlich völlig recht, also so in soner privilegierten Situation, in der wir sind, kann man das natürlich superleicht behaupten, also Ja, es ist auch eine Übung natürlich, ne. Und aber wie wie auch wieder 'n Mindset oder eine Art und Weise oder eine Brille, die Welt zu sehen, wie man macht. Aber das ist ja auch eine der Kernbotschaften von Viktor Frankl, ne, dem. Ja, wie Du halt einfach jedes Mal irgendwie ab zitierst schon.
Ja, ist doch schön. Also wir sind ja nicht die Ersten, die irgendwelche schlauen Gedanken hatten. Und das ist ja Aber dem dem KZ Überlebenden ja auch sozusagen auch da gesagt hat, auch in der Situation sozusagen kann man Kraft daraus schätzen schöpfen, dass Du Wahnsinn. Ja, das Schöne in der Natur siehst oder sich dran freust, dass da 'n Schmetterling vorbeiflattert oder und dass das halt die Dinge sind, die dir Kraft geben können, weil also dich rum sozusagen die schlimmstmöglich vorstellbaren Sachen passieren. Mhm.
Aber wenn das das Einzige ist, wo Du deinen Fokus drauflegst, dann kannst Du nur verzweifeln. Und ja, weit sind wir gekommen. Ja, ich wollt Ach so, genau. Das ist mir vorher noch eingefallen, weil Du's Ja, weil wir's von von sozusagen Todeswald in der Familie und und sozusagen Trauern und schwer daran tragen. Und wir hatten, ich weiß gar nicht mehr, wann das war, über diese über die Geschichte von Buddha auch mal geredet gehabt.
Na ja, das finde ich, das habe ich neulich meiner Mama erzählt, ja. Kannst ja noch mal erzählen?
Ja, ich, also ich versuch gerade sozusagen, das gut genug wiederzugeben, weil ich's natürlich nicht mehr ganz genau hinkrieg, aber ist die Geschichte von einer Frau, die ihr Kind verloren hat, Säugling und es nicht wahrhaben möchte und mit dem Säugling auf dem Arm rumläuft und alle sagen, Du, der ist gestorben, möchte mich begraben, das ist, ne, sie sagen, nein, nein, der schläft nur, der ist der ist nicht gestorben und ist quasi völlig in diesem, ja, in diese in dieser selbst gewählten Wahrnehmung gefangen und niemand kann ihr helfen und nichts hilft ihr und sie ist natürlich trotzdem unglücklich und dann kommt sie irgendwie zu Buddha und und fragt ihn, ob er ihr helfen kann, irgendwie ihren Sohn wieder aufzuwecken, weil der schläft und irgendwie nicht nicht nicht wach wird irgendwie.
Und er sagte, ja, also er braucht Sesamsamen von einer Familie, in der noch niemand gestorben ist. Und dann voller Vorfreude, dass sie jetzt sozusagen ein ein ein Weg hat, den sie gehen kann, geht sie sozusagen von Tür zu Tür und klopft und fragt, habt ihr habt ihr Sesamsamen?
Sagt, ja, klar, gerne, kein Problem. Ja, ist bei euch irgendwie in letzter Zeit jemand gestorben gewesen? Dann sagt ihr, ja, Großvater irgendwie vor zwei Monaten gestorben ist, ja, nee, dann kann ich den Sesam nicht nehmen, geht zur nächsten Tür irgendwie. Ist bei euch jemand gestorben? Ja, irgendjemand irgendwie vorgestern und so.
Geht sie irgendwie zu mehreren Türen, bis sie realisiert, dass es niemanden gibt, in dessen Familie nicht irgendjemand irgendwann gestorben ist. Und das der Moment ist, wo sie sozusagen realisiert, dass das zum Leben dazugehört und dass das schmerzhaft, aber leider die Realität ist und dass das auf eine Art, kann man sagen, also so so morbide sich das anhört, ja auch 'n verbindendes Element ist. Das ist etwas, was wir alle gemeinsam haben. Wir haben alle gemeinsam, dass wir irgendwann geboren wurden, uns Eltern haben und dass wir alle jemanden haben, der gestorben ist. Mhm.
Und alle sterben werden. Also sowohl physisch wie auch figurativ. Gibt ja auch Menschen, die sozusagen Beziehungen abbrechen und sagen, der ist für mich gestorben oder also, ne? Also Du kannst ja auch jemanden Du kannst auch irgendwie jemanden trauen, der aus deinem Leben gegangen ist, ohne dass der sozusagen physisch tot ist. Ja?
Mhm. Und dass also, dass wir alle jemanden haben, der gestorben ist und dass wir alle auch sterben werden. Ist das Kindwort? Fürchte, ja. Glaubst Du, daran dass die Zeit unten heilt, Schmerzen heilt?
Das ist eine gute Frage. Was Also was was meinst Du mit Heilung? Was erhoffst Du dir davon, dass es quasi Also wenn wir, also wenn wir jetzt mal bei 'ner Wunde bleiben, so rein physiologisch, dann verbleiben eine Narbe, wenn sie geheilt ist. Mhm. Mhm.
Ich les einfach immer wieder Texte, ja, zum Thema Trauer, wenn Menschen irgendwie einfach jetzt schon Jahre, Jahrzehnte auch Elternteile verloren haben und hab mich jetzt auch, ja, dass irgendwie manchmal auch diese Traurigkeit und Trauer und das Vermissen manchmal eher mehr werden können. Und und für mich zum Beispiel ist es total wichtig, ja oder was heißt wichtig, aber es hat mir geholfen, Dinge auch noch mal so aufzuschreiben, die ich die ich erinnern möchte und wahrscheinlich werden die sowieso im Herzen verbleiben.
Und auf eine Art vielleicht vielleicht wünscht man sich eigentlich als Hinterbliebender gar nicht, dass es komplett geheilt ist im Sinne von, man möchte ja immer den Menschen auch weiter, ne, den Menschen gedenken und und Also ich find's für uns total schön, dass wir jetzt, was man Papa betrifft, einfach, dass er in uns weiterlebt, rein genetisch und faktisch. Aber ich glaube, in in so Momenten der ganz großen Trauer und der Verzweiflung und des ganz großen Schmerzes ist es es fragt man sich ja schon, wann hört es auf? Hört es denn auf?
Kann ich denn wieder, hab ich denn wieder Kraft? Ja, also ich glaub, das kann man mit 'nem ganz eindeutigen Ja beantworten. Das definitiv, außer Du wählst es, dass das der Rest deines Lebens dein Schicksal ist, jetzt sozusagen der vom Schicksal gestrafte Trauernde zu sein. Aber das sagen wir oft, das ist schon sehr viel eine Entscheidung ist. Und ich glaube, was man halt auch berücksichtigen muss, wenn man sagt, Heilung, dann geht man davon aus, dass es also zurück jetzt ziemlich chirurgische, dass man wieder an den Zustand kommt, der so ist wie vorher.
Das ist natürlich nicht so. Kannst Du nicht, per Definition nicht. Aber es ist halt 'n neuer Zustand, mit dem Du Leben lernst, und das glaube ich schon. Ich glaube persönlich viel mehr, dass wir als Gesellschaft und das hört sich dann immer so global an, aber vielleicht auch als Familie und Individuen. Ja, mit unserer, wie soll man sagen, Säkularisierung und weg von Religion und Kirche und alles sozusagen halt, da das Kind vielleicht teilweise auch mit dem Bade ausgeschüttet, viele Leute dann doch anfangen zu beten oder dann irgendwie Kirche und Beerdigung und so was dann doch irgendwo dann auch bei bei vielen, sage ich mal, Atheisten wieder hochploppt.
Aber Du musst ja Beerdigt werden, oder nicht? Nee, aber nicht zwingend in der Kirche. Hab ich mir dann eine tolle Dinge. Aber was ich eigentlich meine, ist sozusagen, dass halt, also dass wir viele Traditionen weggeschmissen haben, rausgeschmissen haben oder einfach nicht übertragen haben, in unsere neue Art zu leben. Vielleicht auch wir halt nicht alle in 'nem Dorf leben mit 'ner Kirche, wo das halt dann einfach vielleicht mehr traditionell Bestandteil des öffentlichen Lebens ist, so wie das, also deine Eltern leben jetzt nicht in 'nem Dorf, aber es ist jetzt doch keine Groß Großstadt.
Und da hat es, also wenn man guckt, wie viele Leute da bei der Beerdigung waren, dann ist dann hat es schon einen viel zentraleren Teil, als wenn Du jetzt, sage ich mal, hier bei uns sterben würdest. So, also er würde jetzt auch nicht irgendwie, also weiß nicht, wie viele Leute sozusagen das Käseblatt hier, was ja eigentlich ein Werbemagazin ist, lesen, wenn man da eine Traueranzeige reinsetzt. Ja, aber das können wir ja nur bedingt beurteilen, weil wir leben jetzt halt alle. Nein, richtig, ja gut, aber Wir haben noch nicht so viel Menschen uns, als wenn Du vierzig Jahre im selben Das ist richtig, aber wenn ich dich jetzt fragen würde, wo würden hier die Traueranzeigen geschrieben stehen oder wo würdest Du eine reinsetzen? Wüsstest Du nicht so, ne?
Das läuft halt, es läuft sich ja auch anders anders, weil wir auch anders leben, aber was ich eigentlich meine ist, dass sozusagen wir einen Riesenfokus aufs Leben haben und gesund leben und möglichst langen leben und schön leben und schön alt werden und eigentlich alles sozusagen auf auf möglichst schön und gut und aber sozusagen der Fokus ja auf das Leben ist und der Tod eigentlich keine Rolle spielt. Man auch Angst hat vor dem Tod verständlicherweise, Angst vor Krankheit, vor eklig Altwerden, grauwerden irgendwie. Das möchte man am liebsten einfach alles gar nicht sehen, so. Und deswegen, jetzt mal ganz blöd gesagt, sperren wir unsere Alten im Pflegeheim ein. Das ist natürlich völlig überspitzt, das ist viel komplexer natürlich, weil wir einfach nicht mehr so leben wie früher.
Und auch da muss man aufpassen, dass man nicht, ja. Aber es ist die Herne. Genau, dass man das nicht romantisiert, wie schön es war, wenn der Opa irgendwie in der Einliegerwohnung gewohnt hat und meistens die Ehefrau sich dann gekümmert hat und von dem beschimpft wurde und sonst irgendwas. Also das war jetzt nicht, ich glaube einfach, da haben sehr viele Generationen, insbesondere von Frauen, ein sehr, sehr beschissenes Leben geführt für längere Zeiten so, ne. Und das, ja, aber worauf ich eigentlich hinaus möchte, ist, dass wir sozusagen, wir haben keine Alternativ mit dem Thema Tod umzugehen irgendwie und da haben wir ja auch also schon oft darüber gesprochen irgendwie ich mein, ich kann mich erinnern als Kind, wie viel Leichenwagen ich noch gesehen habe, weil ich das einfach, was weiß ich, wenn wir mit meinen Eltern im Stadtverkehr unterwegs waren, ist ein Auto, das halt auffällig ist.
Das sieht ja komisch aus. Fragt mal, was ist das für ein Auto? Ich würde behaupten, unsere Kinder haben so was noch nie gesehen in ihrem Leben. Die wissen schlicht und ergreifend nicht, wie so was aussieht überhaupt. Nachtsfahren, ne?
Genau, weil die einfach nur noch in den frühen Morgenstunden fahren. So, also man hat auch den Teil quasi ausgeklammert. Man sieht das nicht mehr irgendwie, ne. Wir haben wir haben darüber geredet, so jetzt bei der Beerdigung von deinem Vater, ja, wird der noch mal aufgebahrt sozusagen. Also, sieht man sieht man noch mal den Toten, wo er mehr Tradition hatte, dass man halt am offenen Sarg noch mal vorbeigegangen ist, irgendwie sich verabschiedet hat.
Also halt auch, dass, wie soll ich sagen, den Tod aber einen toten Menschen gesehen hat und dadurch ist es auch wieder greifbarer oder man kann auch vielleicht anfassen greifbarer machen. Also ich finde, das sind alles Sachen, das ist auf eine Art irgendwie Es ist weg und wir haben keinen Wir haben keinen Das ist halt nicht das Gleiche. Und dann so Also auf eine Art ist tot auch marginalisiert worden irgendwie. Du hast halt Was weiß ich, dann hast Du irgendwelche Leute im Alter von von unseren Kindern, die Grundschulalter sind, die irgendwie Counter Strike Ornaments liefern irgendwie und was weiß ich, wie das alles heißt. Ah ja.
Wahrscheinlich schon auch, weil das von dir Alles ist das ist die Boomer Aussage. Ist nicht Counter Strike, sondern das ist jetzt irgendwas völlig anders. Kein Scheiß. Aber im Endeffekt, ja, also Du ballerst halt einfach Leute ab, die liegen dann halt tot rum irgendwie oder Du siehst Nachrichten mit irgendwelchen schlimmen Explosionen oder weiß der Henker was, aber es ist so, es ist halt eine Nummer, es ist eine Zahl bei Bombenangriff da zweihundert Leute umgekommen. Ja, gut, das sollte Ja, ja, ich weiß.
Nee, natürlich. Ja, ich hab ja auch 'n ich hab ja auch 'n Text, glaube ich, gelesen. So, alles wird enttabuisiert, ne, seien's Geschlechter, sei es Sexualität, sei es irgendwie jegliche Art zu leben, aber der Tod wird tatsächlich nicht enttherapisiert und vielleicht geht es aber auch nicht. Also, ne, quasi wir reden täglich davon, dass es jetzt an uns liegt, zu akzeptieren und zu begreifen und ja, zu irgendwie eine Antwort zu finden, wo dieser Mensch, diese Seele denn jetzt ist und so weiter, aber es ist einfach so abstrakt und es ist einfach, es gibt ja keine Erklärung, ne.
Es gibt natürlich diesen Glauben und das fand ich jetzt schon total schön, in der Kirche zu hören, dass es sozusagen ja, für die Kirche zumindest total klar ist, dass es ein Weiterleben gibt und so weiter und wir nehmen uns einfach Aus diesen kirchlichen nehmen wir ja uns uns unsere, sag ich mal in Anführungszeichen, Wahrheiten raus und ich mach zum Beispiel sehr oft, wenn wir beten oder oder wenn's dann an was über über Natürliches, an was so Göttliches, wenn's darum geht, dann ersetz ich so sehr oft die Worte, weil ich ich Gabe total ans Universum und an sone total große Kraft, aber es ist für mich zum Beispiel dann nicht Gott.
Und aber so darum zu wissen, dass es schon diese diese unerklärlichen Kräfte gibt, also was heißt zu wissen, aber daran zu glauben, ist natürlich 'n unheimlich großer Trost und trotzdem bleibt es einfach abstrakt und komplex das Thema, ne? Also wie soll man das begreifen? Natürlich. Du kannst es nicht Also das Du kannst uns mit dem Kopf nicht lösen so, ne? Du kannst es Aber wir können's irgendwie auch mit dem Herzen nicht lösen Oder womit sollen wir's denn lösen?
Ich glaub, Du kannst es nicht lösen. Ich glaub, das ist eine von den Dingen, mit denen Du einfach leben musst. Ich glaube, das ist keine Kann dieser Sehnsucht sozusagen, diesen Schmerz nicht spüren zu müssen oder ja, das irgendwie auszuoptimieren, dass das halt eine Antwort gibt, die das alles erklärt. Das gibt's nicht so, das ist dahinter gibt. Ja, eins unserer Kinder hat sich heute gewünscht, dass der Opa wieder lebt, also was ein Wunschverein, ne, wenn's denn so leicht wäre, wieder also quasi Finales rückgängig zu machen.
Ja, und ich glaube, es ist schon, wie die Frage nach dem Sinn des Lebens, also entweder zweiundvierzig ist oder gemäß Buddha, die falsche Frage ist, ist gleichzeitig Also wenn man das einfach umdreht, dann ist ja sozusagen Tod einfach nur die andere Seite in der Medaille. Dann ist auch die Frage nach dem Sinn des Todes genauso die falsche Frage. Das stimmt. Ja, das ist eine sehr schöne, ein sehr schöner Gedanke. Vielleicht verlassen es da mal.
Ja, sehr gerne. Ich bin jetzt traurig und nachdenklich und es ist schön, dass wir jetzt unsere Gedanken geteilt haben. Ja, sagt euren Liebsten, dass ihr sie liebt, lebt jetzt, liebt jetzt. Vielen Dank fürs Zuhören.