edelabgefunkt.de · Episode 61 · Transkript

Immer Everybody’s Darling – und selbst unglücklich?

Edel Abgefunkt · Folge 61 · mit Katharina Giegling und Nicco Krezdorn
Veröffentlicht: 10. Oktober 2025 · Dauer: 32:37

Edel Abgefunkt mit Katharina Giegling und Nicco Krezdorn — Musikerin und Arzt, zwei Jobs, mehrere Kinder. Alltag und Partnerschaft kommen oft zu kurz: wenig Paarzeit, viel Mental Load, kaum echte Pausen. Darüber reden sie so, wie es ist — ohne Hochglanz.

Kurzantwort

Wer immer nur nett ist, verliert die eigenen Kanten – und oft sich selbst. In Folge 61 reden Katharina und Nicco über Everybody’s Darling, warum Haltung unbequem sein darf, wie man Kindern Grenzen zeigt und warum „sich selbst treu bleiben“ mehr ist als ein Instagram-Slogan: Nein sagen, Ecken feiern, nicht für jede Jury leben.

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Häufige Fragen zu dieser Folge

Worum geht es in Edel Abgefunkt Episode 61?

Katharina und Nicco sprechen über Ecken und Kanten: Warum es auf Dauer unglücklich macht, allen gefallen zu wollen, wie man sich selbst treu bleibt und was das mit Erziehung, Beziehungen und dem Mut zur eigenen Haltung zu tun hat.

Was meinen Katharina und Nicco mit „Ecken und Kanten“?

Sie fragen sich, ob Ecken etwas Gutes oder Schlechtes sind – und landen bei Selbsttreue: nicht glattpoliert für alle zu sein, sondern Haltung zu zeigen, auch wenn es unbequem wird. Nicco reflektiert, ob er überhaupt genug Kanten hat oder sich zu oft für „unkompliziert“ hält.

Warum macht „allen gefallen“ unglücklich?

Weil man dann für eine Jury im Kopf lebt – Kollegen, Instagram, Erwartungen – statt für sich. Sie betonen: Die meisten bewerten ohnehin stärker sich selbst; gleichzeitig heißt Selbsttreue nicht, als Geisterfahrer gegen alles zu schwimmen, sondern bewusst Grenzen zu setzen.

Was hat das mit Erziehung zu tun?

Sie verknüpfen das Thema mit Alltag und Kindern: klare Haltung statt Dauer-Gefallen, Motto und Jahresziele, und die Erkenntnis, dass geschlossene Türen im Nachhinein oft Sinn ergeben – wenn man sich selbst treu geblieben ist.

Was nehmen sie am Ende mit?

Einen Freibrief, Kanten mehr zu feiern: Man kann vieles tun, was man will – solange man wahrhaftig bleibt. Wichtig ist der Unterschied zwischen „nicht so wichtig“ und „egal“, und Menschen um sich, die den Rücken stärken.

Vollständiges Transkript

Automatisches Transkript (TurboScribe/Whisper-Quelle). Kann Hörfehler enthalten. Quelle: Episode-Audio aus dem RSS-Feed.

Top, die Wette geht. L�nger soll nicht werden. Wir machen gerade einen Podcast.

Ich muss noch Aktien kaufen. Fr�her war auch, fr�her war mehr Lametta, muss ich sagen. Ja, hattet ihr fr�her Lametta?

Nee, aber L'Or�al hat es auch immer gesagt.

Ich kenne keine L'Or�al Pizzeria. Nee? Ich wei� nicht, was er hier drin ausspricht. L'Or�al. Doch, das mit den S�ugew�sten, ne?

Ja, genau. Und mit der Nudel. Klar kennt sie den.

Mein Lieblingssketch, den habe ich, glaube ich, gezwungen irgendwie 28 Mal anzugucken. Ich bin, glaube ich, der Einzige nach wie vor, der einfach lacht wie ein Kind irgendwie.

Nee, ihr lacht euch dann immer �ber diesen bayerischen Komedien.

Ja, das ist auch eine traumatische Erfahrung meines Lebens gewesen, als ich... Nee, das war meine traumatische. Was? Erz�hl mal deine Version.

Nee, dass ich das angucken musste und ich hab nichts verstanden. Und ihr habt die ganze Zeit auf den Arsch geplatzt.

Ja, genau, das meine ich ja. Das ist eine traumatische Erfahrung meines Lebens. Warum?

Weil ich das sozusagen, als ich das Studium angefangen habe... Ja, er darf gerne ein bisschen n�her. Weil ich im Studium sozusagen auch nach Frankfurt gezogen bin und dann meinen Studienkollegen auch sozusagen diesen bayerischen Komedien pr�sentiert habe.

Und es ist schon sozusagen ein wenig... Ich will nicht sagen peinlichere Erfahrung, aber es ist schon einfach ein peinlicher Moment, wenn du sozusagen auf dem Boden liegst vor Lachen und einfach komplett eisiges Schweigen irgendwie anguckst. Und dann so, da findet ihr es nicht lustig, also findet ihr den Witz nicht lustig?

Nee, wir haben es einfach nicht verstanden. Genau.

Wie komisch, oder? Dass man Bayerisch nicht versteht.

Ja, wei�t du, ich fand das nicht mal... Das ist nicht nur so Hardcore-Bayern, kann ich pers�nlich sagen. Ja gut, wie auch immer.

Man h�rt jedem Schwaben auch an, wenn er versucht, Hochdeutsch zu sprechen.

Ja, schon nur lache ich halt auch �ber schw�bische Komedien. Und �ber hessische und �ber... Was sind schw�bische Komedien?

Aber wenn ich einen h�ren w�rde, w�rde ich... Du meinst so die Nachbarschaft, oder?

Keine Ahnung. Ja, gut, auf eine Art sind alle mit den Dialekt-Komediens, aber...

Ja. Wird das jetzt hier so ein Gebettel, oder? Ja, jetzt kann man sozusagen... Der Bayer gegen die Schw�ben.

Wieso kennst du einen... Ihr habt doch immer... Was habt ihr, Mundstuhl geh�rt? Oder? Oder ist er eher hessisch?

Ich kenne Mundstuhl, aber sonst... Also ich konnte jetzt kein Sketch von ihm h�ren. Ist das nicht eine Band?

Nee. Okay, wir stoppen jetzt hier einfach damit.

Wir haben fr�her immer Comedian Harmonists geh�rt. Das war sch�n. Ihr wart aber auch eine progressive... Ja, mein Papa hat das so gemacht.

...wilde Familie. Also mich sagen schon. Also wirklich politische Outdater.

Also Comedian Harmonist ist ja... 100 Jahre alte...

...Band. Ja, aber was hat das mit politisch zu tun? Nichts.

Also bin ich korrekt, oder was? Hab ich das nicht mitbekommen.

Nee, weil es einfach so harmlos ist, dass du... Mein kleiner gr�ner Faktor. Du kannst einfach...

Gro�artig. Das haben wir auch im Grunde geh�rt. Das war sch�n. Jetzt muss ich wieder einmal...

Ja, mach das mal. Okay, ich verspreche dir, der Song zu dieser Folge wird im Style von Comedian Harmonist sein. Cool. Wunderbar. Stimmt.

Was gibt's denn noch? Dein kleiner gr�ner Faktor ist was noch? Veronika. Der Mai ist da. Der Lenz.

Der Lenz, mein ich ja. Gut, ich glaube, das ist jetzt keine Acapella. Ist da jemand auf den Karaoke-Hund gekommen jetzt? Nein, aber endlich kenne ich mein Lied. Karaoke mit Katharina.

Wirklich? Okay. Oh, da k�nnte ich jetzt voll drauf abgehen.

Das h�ren wir dann einfach nach. Und Udo J�rgens nat�rlich.

Das stimmt. Das kann man aber erst besprechen. Naja, dass ich ihn erkannt habe.

Ja, schon, aber das ist ja auch sozusagen die f�nf CDs, die es bei euch zu Hause gab.

Das stimmt. Und Reinhard Maien. Die sind aber auch richtig gut.

Nee, sind ja echt auch Musiker. Ich finde, Udo J�rgens war voll der gute Musiker. Reinhard Maien auch.

Nicht so wie heute. Eben. Wo alles k�nstlich ist. Don't get me started.

Das ist nicht auf mich bezogen. Ich meine nur so generell diese ganzen jungen Volkhausentage, die nur noch mit Autotune singen k�nnen. Wenn damals, da hat man noch eine Musik mit Hand gemacht.

Ja, man kann trotzdem ein bisschen dr�ber lachen.

Ja, sicher. So, das war jetzt eigentlich nicht das, wor�ber wir heute sprechen wollen.

Wir wollen heute �ber... Ecken und Kanten. �ber Ecken und Kanten sprechen.

Findest du, du hast Ecken und Kanten genug? Wei�t du noch, wo du dich selbst portr�tiert hast? Ich kann die Lieder nicht mehr sprechen.

Portr�tiert hast in New York. Da hast du dir doch so voll gespielt.

Also ich habe mich so gut selbst gezeichnet, wie ich konnte.

Das war schon gut. Das war beeindruckend. Da hattest du ziemlich ecke Kanten.

Da hatte ich auch eine sehr eckige Brille damals. Die ist jetzt runder geworden. Und ich hatte das, was auf dem Bild sieht ein bisschen aus wie ein Sch�deltumor.

Ich habe die Perspektive an der Ecke... Alles war super, wirklich gut. Aber das an der Ecke war irgendwie die Perspektive falsch.

Das sah so aus, als ob mir da irgendwas... Als ob ich irgendeine Sch�deldeformit�t h�tte. Und das vermisst du sozusagen, diese Ecken und Kanten? Ich wollte nur kurz die L�cke fremden. Achso.

Ich meine, die Wahrscheinlichkeit, dass Nico nichts zu sagen hat, ist sozusagen G-Null. Aber...

Daf�r sitzen wir ja hier. Also wenn wir nichts zu sagen h�tten, dann...

Ich meine nur, dass du mal eine Denkpause machst. Das kommt dir quasi nicht vor.

Ja, frei nach deinen N�ssen. Obwohl, ich wisse, was ich denke, bevor ich h�re, was ich sage. Stimmt.

Ja. Ja, finde ich pers�nlich, ob ich genug Ecken habe.

Sch�n, dass du mein Newsletter gegessen hast.

Immer. Das ist das Erste, was ich morgens mache. Auch noch.

Katharina Neum�ster, danke sch�n. Ist so. Sorry.

Ist so. Das ist eine spannende Frage. Zuerst habe ich gedacht, habe ich �berhaupt Ecken?

Die Frage ist erstmal, was ein Ecken und Kanten sind. Ist das jetzt was Gutes, was Schlechtes? Genau. Oder? Ja.

Und dann habe ich gedacht, wahrscheinlich habe ich schon ein paar Ecken. Das ist ja wieder dieser Gedanke, dass man so unkompliziert ist. Ich halte mich ja immer f�r wahnsinnig unkompliziert.

Und dann versuche ich mit mir in den Caf� zu gehen. Dann merke ich selber, wie kompliziert ich eigentlich bin.

Da sind leider die Gerichte. Schon drau�en fotografiert. Da kannst du leider nicht rein.

Ja. Das ist eine WMF-Kaffeemaschine, da k�nnen wir auch nicht reingehen.

Nee, ich habe mir die Frage gestellt, hast du genug Ecken und Kanten, womit ich ja wahrscheinlich indiziere, dass ich glaube, dass Ecken und Kanten gut sind.

Ja, das h�rt sich so an. Wir hatten ja mal eine Tradition, die nicht vollst�ndig weg ist, aber sie ist vielleicht nicht mehr so scharf, wie sie mal war, wo jedes Jahr ein Motto bekommen hat. Nervensystem. Ist das das Motto f�r 25? Meins, ja. Nervensystem.

Gute f�r im Oktober dr�ber reden, was das Motto f�r das Jahr ist. Das habe ich dir neulich erz�hlt.

Ja, aber das war nicht im Januar. Egal. Naja, es macht ja Sinn, ein Motto f�r ein Jahr zu haben am Anfang des Jahres.

Achso, ich dachte, man hat ja den Namen, ne? Wie, wir hatten das... R�ckblicken.

Nee, wir hatten das vorausschauend. Was ist das Motto f�r das Jahr? Wie ein chinesisches Sternzeichen.

Sozusagen das Jahr des Schweins. Sind wir im Jahr der Ratte? Ich wei� es gar nicht.

Ich bin Feuerschwein, f�r den ist es sehr interessant. Ich finde es sehr attraktiv.

Sau, vielleicht Feuersau, keine Ahnung. Eber, ein Feuereber. Das ist dein Geduldsrucksack mit mir am Ende. Ist ja aufgebraucht f�r heute. Ja, ich glaube schon.

Du hast nachgeschaut und keine Geduld mehr gefunden.

Ich wei� gar nicht, ob ich den heute �berhaupt aufnehme.

Hast den vergessen und keiner hat in dir nachgefahren.

Na doch, ich habe schon ein bisschen gehabt. Aber der wurde schon so ein bisschen belehrt. Sp�testens als ich immer so die Sporttasche hinterher getragen habe.

Deswegen, darauf habe ich ja hinreferenziert.

Wie ich vorhin mit einer sehr feinen Freundin festgestellt habe, das sind die Dinge, wo man fr�her dachte, so was w�rde man niemals tun. Den Kind eine Lehre erteilen.

Ja, oder auch so, ich habe doch richtiges zu tun, als ich diese Sporttasche dahinter gelegt habe. Und dann guckt er mich mit seinen s��en, traurigen Augen an und erz�hlt mir, dass er nicht im Sport teilnehmen darf. Und dass er letzte Woche auch schon nicht teilnehmen durfte.

Was ja nat�rlich auch meine Schuld ist und nicht nur seine, finde ich. Wei�t du? Und dann habe ich das ganz gut in meinen Tag integriert.

Ja, du bist eine gute Mutter. Da war ich, was auch immer, da wollte ich aber gar nicht drauf hinaus eigentlich. Wir sind vom Thema abgesprochen. Von Feuer, Schwein zum Sohn.

Genau, Feuer, Eber, bitte sch�n. Wir sind �ber das Jahr, genau, das Motto des Jahres, deswegen wie chinesisches Sternzeichen. Und du hast gesagt, es nervt uns jetzt hin f�r 25.

Wusste ich noch nicht, m�ssen wir nochmal im Nachgang dar�ber reden. Aber wir hatten ja auch immer einen Song f�r das Jahr, der dann sozusagen f�r das Jahr steht. Da war ich so eine sch�ne Hitliste an Songs, die uns begleitet haben.

Es gab ja immer einen Song, den wir besonders oft geh�rt haben in dem Jahr. Der ist dann sozusagen� Free.

Ja, definitiv. Free Teachings by The Chaperone. Ein bisschen Schleichwerbung am Rande.

Und wir hatten auch ein Jahr, wo unser Motto war, Kante zeigen. Und so komme ich drauf. Krass.

Da haben wir uns vorgenommen, dass wir in dem Jahr mehr Profil entwickeln wollen. Mehr Kante zeigen, mehr Nein sagen, klarer sein in dem, was wir wollen. Klarer sein in dem, was wir nicht wollen.

Und auch klarer sein in der Kommunikation zwischen den beiden. Haben wir das durchgezogen?

Ja, was hei�t durchgezogen? Ich glaube schon, dass wir besser geworden sind. Ich wei� nicht mehr, ob wir das definiert haben.

Viel f�r das Jahr 2022 ist ja reicht, wenn man so und so viel machen kann. Wir definieren ja keinen messbaren� Das ist ja eher eine Intention.

Genau. Das ist eine Intention. So wie du deine Yoga-Intentionen setzt am Anfang des Morgens. Und das dann auch nicht abhackst.

Genau. Es geht ja um den Mindset, wo wir uns vielleicht hinentwickeln wollen. Where attention goes, energy flows.

Und insofern ist das schon eine spannende Frage. Haben wir genug Ecken und Kanten? Es zieht ja ein bisschen darauf ab, dass man nicht so glatt gesp�lt ist. Nicht so weich.

Oder wie ich vorhin gesagt habe, diese Idee und so eine Sehnsucht, oder so ein Wunsch, allen gefallen zu wollen, was ja eben nicht aufgeht. Es ist nicht m�glich. Wenn man jetzt einfach nur mal an die Gesellschaft denkt, dass eine Gesellschaft mit allen repr�sentierenden Menschen�

Ich mich zum Beispiel gut finde, warum soll das so sein? Also die einen finden dann, du bist zu so, du bist zu so, du bist whatever. Allein schon in allen Ansichten, Lebensweisen, Aussehen, Religionen.

Wei�t du, es geht nicht. Und ich glaube, das hilft, dass es schlicht und ergreifend unm�glich ist. Es sei denn, man ist vielleicht nicht durchsichtig und redet nicht und sieht nicht aus.

Aber auch dann gef�llt man eben niemandem. Ja, genau.

Und das nochmal so f�r sich zu realisieren, dass das eben okay ist. Ja, auch eine Meinung zu haben.

Eine Meinung sowieso zu haben, aber auch so, dann sind sie halt nicht einverstanden. Und ich rede jetzt schon auch von Beruf. Von meiner Meinung, meiner Ansicht, meiner Ann�herung.

Eigentlich w�re es geiler, vielleicht muss ich noch st�rker polarisieren, damit ich dann mehr Gegenwind bekomme. Ich finde es ja eigentlich immer, wenn ich jemanden triggere, dann denke ich so, ja gut, dann habe ich es richtig gemacht, dann war die Aussage klar.

Ja, sicher auch eine Art, dar�ber nachzudenken. Ich sehe auch den Spruch, there is no publicity. Also, there is no bad publicity.

Deswegen, sonst gibt es keinen Sinn. There is no publicity. Genial. Geiler Spruch, musst du mal nachdenken.

Wenn du so einen Buchtitel sagst. Es gibt eben keine schlechte.

Genau. Ja, nat�rlich, du musst nat�rlich auch ein St�ck weit ein dickes Fell entwickeln. Oder das dann auch abk�nnen, wenn Leute nicht...

Es ist ja ein Unterschied, ob jetzt jemand das, was du sagst, einfach nicht gut findet. Oder egal ist. Es fasziniert mich ja auch immer wieder, wenn man irgendwas doof findet, dann �berhaupt die Energie aufzubringen, einen Kommentar zu schreiben, finde ich doof. Das ist ja faszinierend. Also schlechte Bewertungen.

Ungemein, sozusagen. Wie viel Energie man darin reinstecken kann, und das gibt es ja auch im Medizinsystem, die Patienten, die unzufrieden sind, haben viel mehr Energie, ihre Unzufriedenheit, im Internet Luft zu verschaffen, als diejenigen, die, sag ich mal... Wenn du zufrieden bist, dann setzt du dich nicht hin und schreibst zwei Seiten, die wunderbar gro�artig alles waren, sondern dann freust du dich deines Lebens und besch�ftigst dich mit deinem Leben.

Aber auch f�r die, die den Dampf ablassen, ist auch die Frage, es wird ja dadurch nicht besser. Nein, nat�rlich nicht.

Du findest halt Geh�r, oder du findest auch Best�tigung manchmal. Es gibt ja dann auch dieses, wo sich alle gegenseitig hochpushen, wie sehr sie einer Meinung sind, wie schlecht irgendwas ist. Oder du willst jemanden damit bestrafen.

Ja, genau. Und dann geht es in Richtung von Shitstorm und solchen Sachen.

Und dann ist aber die Frage, nur weil man negative Energie empfangen hat, erfahren hat, die es weiter gibt, hei�t es nicht, negativ, negativ, gleich, ah geil, danach geht es mir gut. Nein, �berhaupt nicht.

Und das ist, glaube ich, eigentlich die Sehnsucht.

Ja, das ist ja wieder dieses Gift trinken und hoffen, dass der andere stirbt. Also ich wei� nicht, ob ich genug Ecken und Kanten habe. Wei�t du das nicht? Habe ich?

Ich glaube, wir k�nnen beide noch klarer sein. Ja, bestimmt. Kann man immer.

Noch mehr Nein, noch mehr Ja sagen. Aber wir haben schon auch klare Haltungen.

Ja, also ich finde auch gerade so in Sachen Beziehung, Erziehung, das kann man auch alles ziehen.

Und ich finde, ich wei� gar nicht, dann denkt man schon wieder so, okay, aber wenn du eine Haltung hast, dann bist du ja mega unflexibel und dann ist man ja vielleicht so ein bisschen stubborn.

Aber du sagst ja keinem Menschen, dass du deine Haltung nicht �ndern kannst.

Genau. Und ich glaube, wir haben schon eine gewisse Flexibilit�t.

Ja, kann man einem auch wieder vorwerfen. Genau. Also wie du es machst.

Und das habe ich ja in meinem Newsletter geschrieben, dass es keinen richtigen Weg gibt. Also man kann ja noch so viele B�cher lesen. So wie finde ich den richtigen Lebensweg?

Du liest ja irgendwie Zeitschriften. Welche Ern�hrung ist die geilste Ern�hrung und so weiter. Das kann einem ja niemand sagen, weil jeder hat eine Meinung.

Doch, die Schr�del und Korn kann das sein.

Genau. Alle haben eine Meinung. Aber diese Meinung muss ja eben nicht auf dich gelten.

Und deswegen gibt es eben nur den eigenen Weg. Und ich finde es schon mega spannend, wie gerade unsere Generation und auch die Generation unserer Kinder, wie krasse Wege sich da auftun k�nnen. Also ich glaube schon vor 30, 40 Jahren waren ja die Berufe irgendwie so, okay, du bist halt Zimmermann, Schreiner, Lehrerarzt.

Das waren so klare, definierte Berufe. Dann wohnst du halt entweder im Ausland oder wohnst im Dorf oder wohnst in der Stadt. Und heute ist es so, okay, also ich m�chte jetzt erstmal mal Geschlecht umwandeln.

Ich will das jetzt auch gar nicht bewertend sagen, sondern einfach so, es gibt so, du kannst ja wie so ein V leben. Du kannst jegliche Berufe kreieren. Und ist das jetzt was Gutes?

Ich finde es erstmal gar nichts. Ich finde es erstmal nur ein Teil.

Du hast aber keine Haltung. Also du kannst es nicht gar nichts finden. Also zeig mal ein bisschen mehr Kante.

Ja, jetzt lass mich halt mal reden. Es ist eben eine Feststellung erstmal. Und deswegen ist es vielleicht auch schwieriger, eben einen Weg zu finden.

Dann guckt man nach links, dann guckt man nach rechts. Der links, der macht das so, der rechts macht das so. Dann will man imitieren, merkt aber hoffentlich, dass es f�r einen nicht passt und so weiter.

So, das ist ja erstmal eine Herausforderung, glaube ich. Also eine Haltung ist schwierig.

Ja, das ist kompliziert. F�r uns als Generation, wie gesagt f�r die Generation unserer Kinder, die auch noch mit so einem Schrott wie Bildschirmen und KI aufw�chst, so herzlichen Gl�ckwunsch. Aber deswegen, es macht gar keinen Sinn, f�r jemand anderen zu leben.

Das hat es ja nie gemacht. Das hat es auch vor 100 Jahren nicht gemacht. Es war, glaube ich, nur viel schwerer.

Fr�her waren ja die Schubladen sehr viel enger.

Ja, es gibt ja auch diese, haben wir schon mal in einer Folge, kann ich jetzt gerade nicht referenzieren, aber �ber das Pendel sozusagen gesprochen, zwischen Individuum und totaler Gemeinschaft sozusagen. Wo man jetzt sozusagen ja schon auch sagen kann, unser Pendel ist sozusagen am Maximum der Individualisierung angekommen. Und ob das jetzt nur, dar�ber kann man sich streiten, ob das jetzt nur ein Vorteil ist, dass du alles entscheiden kannst.

Dar�ber kann man streiten. Ich finde zum Beispiel die Tatsache, dass du 17.000 oder 32.000 verschiedene Studieng�nge ausw�hlen kannst. Wer zum Teufel soll das denn k�nnen?

Also verstehst du, dann kannst du wieder, um es einfacher zu machen, hast du dann irgendwie wie so ein Valomat f�r Studieng�nge. Das ist genauso effektiv wie sozusagen die Software von 1998, wo ich im Arbeitsamt mit der Schule einen Ausflug gemacht habe und ich Chorleiter werden sollte. Das ist �hnlich aussagekr�ftig irgendwie. Weil du leitend sein m�chtest?

Musik gerne machen? Ja, weil Musik, genau so. Singen findest du ganz gut.

Sie sollten sich �berlegen, ob sie Chorleiter werden m�chten. Was ist das f�r ein Beruf?

So weit w�chst sie davon jetzt nicht mehr.

Ja, das stimmt. Ich habe auf jeden Fall viele Stimmen, die koordiniert werden m�chten. Und?

Und �berhaupt. Jetzt sagst du es auch nicht mehr.

Doch. Also dass ja vieles uns auch verkauft wurde als Individualisierung und Wahlm�glichkeit, aber eigentlich ja sozusagen eine Abw�lzung von Service auf die einzelnen Personen wieder geworden ist. Du bist zum Reiseb�ro gegangen, wenn du irgendwohin fliegen wolltest.

Da hast du eine halbe Stunde erz�hlt, was du willst. Dann hat jemand nachgeguckt und dir einen Vorschlag gemacht. Jetzt kannst du theoretisch nat�rlich, zu jeder Tages- und Nachtzeit kannst du einen Flug von irgendwo nach irgendwo buchen.

Aber dann sitzt du da und kannst dann ausnerden, welche Flugkombination die beste ist. Ich finde es manchmal, diese ganze Freiheit, alles zu k�nnen, finde ich tats�chlich eher belastend. Dann kommt man auch in den Zustand, hat sicher auch was mit Alter zu tun und mit der Tatsache, in welchem Verh�ltnis tradest du Geld und Zeit?

Wenn du jung wirst, hast du Zeit und kein Geld. Also tradest du deine Zeit f�r Sachen, um Geld zu sparen. Und je �lter du wirst, im Idealfall, hast du ein bisschen mehr Geld, aber gef�hlt weniger Zeit oder nicht so viel Zeit f�r solche Sachen, dass du dann bereit bist, auch Geld daf�r zu investieren, dass dir jemand diese Sachen abnimmt. Ich wei� wieder, was ich sage. Sehr gut.

Apropos Alter. Das finde ich n�mlich faszinierend, dass ... Sorry, dass ich jetzt noch mal ...

Also ja, ich stimme dir zu, hier auf dich ein. Ich f�hle mich geh�rt, vielen Dank.

Mega interessant. Das Kind in mir f�hlt sich geh�rt. Auf jeden Fall.

Wir sind schon alt. Und ich finde es schon faszinierend, was jetzt pers�nlich aus unseren Wegen so geworden ist. Und jetzt im Nachhinein kann ich sagen, es macht schon Sinn, dass die T�r damals zugegangen ist.

Diese eine T�r. Es macht total Sinn im Nachhinein. Und w�hrenddessen man so vor der T�r steht ... Welche T�r meinst du?

Also ich denke jetzt auch gar nicht an irgendwas Spezifisches, aber jeder hat ja diverse T�ren, glaube ich, verschlossen bekommen im Leben. Und w�hrenddessen f�hlt es sich halt so an, also bitte, das war mein hohes Ziel. Ich habe das mega angestrebt.

Ich habe mich mega darauf vorbereitet. Wie unfair ist das bitte? Ist ja wohl einfach schlecht.

Oder auch irgendein Fluchwort dahinter, dass es jetzt nicht geklappt hat. Und im Nachhinein macht schon sehr vieles auch sehr viel Sinn. Und dann pl�tzlich entwickelt sich dadurch, durch diese ge�ffneten T�ren und diese geschlossenen T�ren und durch dieses Idealfall ein bisschen zu sich hinh�ren und sich selbst treu bleiben, entwickelt sich dann schon auch oft ein geiler Weg.

Und das ist doch mega faszinierend, oder nicht? Mhm. Nicht? Doch, total. Das w�re halt mal faszinierend.

Ich bin mega fasziniert. Das ist ja dieses ... You remember the speech, diese Idee mit diesen connected doors. Genau, disconnect, ja.

Ja, aber das ist ja im Endeffekt das Gleiche. So ein Labyrinth aus offenen und geschlossenen T�ren. Ja, dass man die ... Something happened for you.

Ja, aber dass man quasi die Punkte eben nur im Nachhinein verbinden kann.

Die Punkte deines Lebens geben im Nachhinein mehr Sinn. Oder du kannst den Sinn in sie reinlegen. Also du kannst deine Biografie, du kannst auch Teile deines Lebens ausw�hlen und immer sagen ...

Also du kannst es sozusagen als Heldengeschichte wieder erz�hlen, warum das und das und das passiert ist, damit du jetzt hier bist, weil das total Sinn macht. Du kannst aber auch die Sachen rauspicken und sagen, ja, ich bin nicht da, wo ich eigentlich sein sollte, weil das und das und das und das ... Ich bin ein Loser, Loser, ja.

Genau, das ist deine eigene Interpretation. Wie sind wir jetzt da drauf gekommen? Ja, �ber Individualit�t. �ber Alter und ... okay.

�ber Ecken und Kanten zeigen. Sich selbst treu sein.

Also du meinst auch Kanten einfach, weil man oft genug gegen den T�rstock gelaufen ist.

Und du wei�t ja, wie schnell ich blaue Flecken bekomme.

Ecken und Kanten sp�ren auch. Also gezeigt bekommen. Also Ecken und Kanten zeigen und auch gezeigt bekommen. Alles gut heute. Alter Schei�e.

Das ist der Titel der Folge. Und jeder so, �h, grad.

Ecken und Kanten gezeigt bekommen. Die Baumarktedition. Ja.

Ja, sind ... Was machen wir jetzt damit? Was machen wir jetzt daraus?

Also jetzt haben wir ja sch�n dr�ber geredet. Was ziehen wir daraus?

Vielleicht ist das jetzt ein Freibrief f�r uns und f�r alle, die zuh�ren.

Dass man seine Kanten mehr feiert, oder?

Ja, dass man eigentlich alles machen kann, was man will. Also erstens interessiert es sowieso niemanden. Also jetzt, ja.

Ja, ist doch so. Jeder k�mmert sich nur um sich selbst. Und dieses Glauben, dass dann andere interpretieren und irgendwie das jetzt bewerten und dass ich jetzt f�r die voll die gro�e Rolle spiele, nee, ist denen halt einfach egal.

Also ist ja noch ein Unterschied, sag ich mal, zwischen Guru, Fanboy, Dom und sozusagen, ist es egal. Also egal ist es ja nicht. Also ich finde, es ist ein Unterschied zwischen, es ist nicht so wichtig, aber es ist trotzdem wichtig.

Also ich finde, es ist nicht so wichtig, ist nicht das gleiche wie egal.

Das stimmt, das stimmt. Du hast v�llig recht. Und dennoch bin ja ich diejenige in dem Fall, und jeder, der zuh�rt, er oder sie, derjenige, der f�r sich selbst Dinge erlauben kann und auch nicht, oder wei�t du, was ich meine?

Also diese st�ndige Irrglaube, dass da immer so voll die Jury da sitzt, das ist ja jetzt egal, ob das jetzt bei Instagram ist oder ob das im Leben ist, dass so, oh Gott, was sollen meine Kollegen denken?

Ach so, ja, das ist sowieso nur im eigenen Kopf.

Also ob da jetzt, wie gesagt, so eine Jury sitzt und die machen dann so 10, 9, ja eher so eine 1 und so, ja klar, Menschen bewerten, aber so, muss das was mit dir machen? Klar, wir wollen geliebt werden, wir wollen dazugeh�ren und ja.

Und das h�ngt sicher auch von deiner Biografie ab, weil, also wir leben in einer Gesellschaft, in der man das alles machen kann. Es gibt auch Gesellschaften, wo sozusagen diese Bewertung sehr wohl Konsequenzen f�r deine Art zu leben hat.

Ja, und sicherlich macht das auch einen Unterschied.

Wenn du rausgehst und deine Ecken und Kanten zeigst und daf�r eingebuchtet wirst, das �berlegst du dir dann zweimal, ob du das machst. Und das hat dann sicher eine Konsequenz auch f�r dein Leben, wenn du woanders hinkommst und so. Also insofern glaube ich, das ist schon verbunden mit der Freiheit, die wir auch in dieser Gesellschaft, in der wir leben, leben d�rfen.

Und wahrscheinlich braucht es ja auch Menschen um uns herum, die trotzdem einem den R�cken st�rken. Also das ist nat�rlich ein gutes Gef�hl, wenn du jetzt immer sozusagen mich auf minus neun bewerten w�rdest und alle, die mir lieb sind, wei� ich nicht, ob das dann, also ja, ob es dann so leicht w�re.

Ja, also ich, ja, also wenn du immer sozusagen, also wenn du der Rebell bist, der gegen alles schwimmt, die ganze Zeit und also ein Geisterfahrer, hundert Geisterfahrer irgendwie. Also ob das so ein erf�llendes Leben ist, das wei� ich jetzt nicht. Einfach nur in dem Bewusstsein zu leben, dass man der Einzige ist, der recht hat und alle anderen sind...

Das Gute ist ja, dass wir zusammen Geisterfahrer werden. Wir zwei. Ja, total.