edelabgefunkt.de · Episode 67 · Transkript

Erwartung platzt – und der Familienalltag fühlt sich trotzdem schief an?

Edel Abgefunkt · Folge 67 · mit Katharina Giegling und Nicco Krezdorn
Veröffentlicht: 20. November 2025 · Dauer: 41:38

Edel Abgefunkt mit Katharina Giegling und Nicco Krezdorn — Musikerin und Arzt, zwei Jobs, mehrere Kinder. Alltag und Partnerschaft kommen oft zu kurz: wenig Paarzeit, viel Mental Load, kaum echte Pausen. Darüber reden sie so, wie es ist — ohne Hochglanz.

Kurzantwort

Alles läuft anders als geplant: Abholung, Timing, kleine Frustmomente. In Folge 67 üben Katharina und Nicco, Erwartung von Realität zu trennen – warm, sicher, zusammen reicht oft schon. Eine Folge über Motzen dürfen, Durchatmen und die Kunst, nicht alles so ernst zu nehmen, wenn der Alltag zwischen Jobs und Kindern wieder anders kommt.

Jetzt hören

Spotify / Podcasters Audio (RSS Enclosure)

Häufige Fragen zu dieser Folge

Worum geht es in Edel Abgefunkt Episode 67?

Über verpasste Abholungen, Frustmomente und Erwartungen, die nicht erfüllt werden – und wie man trotzdem kleine Glücksmomente findet. Loslassen, Durchatmen, nicht alles so ernst nehmen.

Was war das konkrete Alltagsbeispiel?

Unter anderem die Erwartung, am Flughafen abgeholt zu werden – und dann die Wendung, dass zu Hause gewartet wurde, gebadet und eingecremt: am Ende megaschön, obwohl anders als gedacht.

Was ist „eigentlich schlimm“ an solchen Momenten?

Oft nicht die Situation selbst, sondern die Erwartung. Warm, sicher, angekommen – das bleibe. Die Bewertung mache den Frust groß.

Dürfen Deutsche (und Dänen) motzen?

Ja – sie spielen mit dem Klischee des Beschwerens (Wetter inklusive) und nutzen den Podcast bewusst auch zum gründlichen Motzen, ohne dabei stecken zu bleiben.

Was hilft gegen Erwartungsfrust im Familienalltag?

Schnell merken: In wenigen Minuten seid ihr wieder zusammen und gesund – Sehnsucht und Realität wieder zusammenführen statt nur am Plan festzuhalten.

Vollständiges Transkript

Automatisches Transkript (Deutsch). Kann Hörfehler enthalten. Quelle: Episode-Audio / lokales Transkript.

Guten Abend zu einem sehr traurigen Podcast heute.

Du darfst heute allein sprechen.

Ja, das muss ich wahrscheinlich. Eigentlich hatten wir vor, einen deutschen Podcast heute zu machen, weil man sich einfach mal so gründlich beschwert über alles.

Ich weiß gar nicht, ob Deutsche das so gerne hören.

Wir sind ja auch Deutsche, dürfen das ja. Dänen glauben nämlich, also witzigerweise glauben Dänen auch, dass sie auch so sind, dass sie auch so Beschwerer sind. Das stimmt.

Das sehe ich eigentlich gar nicht so. Aber vielleicht habe ich es einmal bisher noch nicht verstanden, was sie gesagt hat.

Ja, die können auch gut motzen.

Aber schimpfen die über das Wetter? Ich dachte immer, die fahren da immer so tapfer in ihren Regenhosen.

Ja, schon. Aber Wetter ist auch schon so ein Standardthema, wo man...

Das finde ich sehr enttäuschend.

...wo man schon mal so eine gemeinsame Grundlage, das sich beschwerend finden kann.

Ich dachte, die sind ja so mehrhistorisch.

Die sind sie auch. Das ist schon mehr als in Deutschland. Aber die können sich schon auch sehr gut beschweren.

Nicht so gut wie in Deutschland, aber...

Also fluchen können sie auf jeden Fall.

Ja, das stimmt. Da haben wir neulich drüber geredet, dass jedes zweite Wort... Aber es ist schon im normalen, auch akademischen und sonstigen Umfeld...

Echt? Ja, es wird schon viel geflucht.

Interessant. Jetzt weiß ich ja, woher die Kinder all diese Wörter kennen.

Das stimmt. Die sind ziemlich oft...

Ja, wie gesagt, ich kenne die Worte nicht, die sie da haben. Oh, schön, hast du wieder ein neues dänisches Wort gelernt?

Was heißt das? Ach, Fresse. Schön.

Heutigen Keft. Ja, genau. Heißt das Fresse?

Ja.

Also Kiefer eigentlich.

Aber wenn man das als Mond sagt, dann ist es nicht ganz so, aber auch schon nicht so nett.

Ja, dann wird es...

Dann wird es noch schlimmer.

Wenn du das so offiziell ins Gesicht sagst, dann ist es schon mehr... Heutigen Keft ist eigentlich mehr so ein Ausdruck, wo du eigentlich gar nicht mehr so richtig über das Wort nachdenkst.

Falls sich jemand mal gefragt hat, wie das so dänisch war.

Ist ja in Deutschland glaube ich ähnlich, auch wenn man Flugausdrücke, wo du eigentlich nicht mehr so richtig... Ja, okay, worüber wollten wir uns noch beschweren? Bahn, muss ich sagen, hat auch nachgelassen in den letzten Wochen in Dänemark.

Ich bin öfter mal zu spät gekommen. Zug ist ausgefallen, Zug ist nicht gekommen.

Naja, du bist immer zu spät zum Zug gekommen.

Das ist auch mal was anderes.

Hi mein Schatz, ich habe leider wieder den Zug verpasst, weil wir haben uns so lange geküsst.

Aber auch, weil sie die Zugfahrzeiten heimlich geändert haben.

Ja, das frage ich mich echt manchmal, stimmt das?

Ja, natürlich.

Die verschieben sie einfach von 7.50 Uhr auf eine Minute nach.

Von 7.06 Uhr auf 7.03 Uhr.

Das ist ja echt mega arschig.

Und für jemanden wie mich, der halt quasi kommt, wenn die Tür aufgeht...

Nee, eigentlich wenn der Zug losfährt.

Ja, kurz davor noch. Ist halt drei Minuten einfach tatsächlich...

Relevant.

Ist wirklich relevant.

Da bist du gerade losgefahren.

Die Hälfte meines Weges quasi.

Genau. Respekt.

All for the family. Ist mein Beitrag.

Ja, und dann?

Das ist alles, was ich rauslocken kann an...

An Wertschätzen?

Nee, an Reaktionen. Versuche dich ein bisschen aus der Reserve zu locken. Aber du übst dich in deinen Stochen-Yoga-Übungen des Wegatmens.

Stimmt, das glaube ich ziemlich gut.

Du warst mit einigen Sachen sehr unzufrieden heute.

Also ja, apropos dänische Bahn. Bei mir ist neulich auch in Dänemark ein Zug ausgefallen.

Siehst du?

You won't believe.

Sehr gut.

Aber ich habe mich nicht aufgeregt. Ich habe kurz gedacht, ob ich dann lieber fliegen soll.

Das ist die Klimaschützerin hier. Was macht man, wenn die Bahn ausfällt?

Bin ich doch.

Dann hast du dir doch einen hochmotorisierten Sportwagen.

Schön wär's. Stimmt. Nee, dann bin ich doch mit dem Zug gefahren.

Bin nur eine Stunde später angekommen. Musste nur zweimal umsteigen. Und habe mich den ganzen Tag gar nicht aufgeregt.

Das ist nämlich, ehrlich gesagt, der Trick. Wenn man sich aufregt, dann verliert man so unglaublich viel Energie. Genauso wie wenn ich im Zug sitze und so, hoffentlich fährt der Zug jetzt schneller, damit ich auf jeden Fall schneller zur Probe komme.

So, that's not gonna happen.

Hast du das früher gemacht?

Ich glaube, ich habe relativ, also bestimmt mal, aber ich weiß noch, dass ich irgendwann mal im Zug war, Verspätung hatte und einfach realisiert habe, es bringt einfach nichts um jemanden. Wenn ich mich jetzt doppelt anstrenge, dass ich auf jeden Fall pünktlich komme. Ich muss quasi vertrauen, also beziehungsweise einfach akzeptieren, dass ich ankomme.

Natürlich kann man eben zwischendurch Taxen nehmen und hier und da und sich dann, sobald man wieder am Bahnhof ist, finde ich, dann hat man wieder...

Dann kann man sich aufregen.

Nee, dann hat man wieder die Möglichkeit, eben aktiv sich ein bisschen mehr zu beeilen oder nicht. Aber ansonsten ist es vergebene Lebenskraft, Liebesnühe.

Wow. Ja, also jetzt mal ohne Witz, wann ist dir das aufgegangen?

Ich glaube, ich bin Richtung Köln gefahren, von Hannover aus und war halt spät. Also schon ein paar Jahre her.

Okay, krass. Das war im ICE 752 von Hannover nach Köln. Wir sind gerade an Hamm vorbeigefahren.

Ich hatte neulich zwei Stunden Verspätung, als ich mit den Mäusen unterwegs war. Auch da habe ich mich eigentlich nicht drüber aufgeregt, muss ich sagen. Hilft ja sowieso nix.

Und dann war ich aber wirklich nabenlos genial. Dann habe ich dieses Fahrgastrechte eingereicht. Ich habe die falsche Uhrzeit draufgeschrieben.

Ich habe die Antwort gelesen, dass du kein Geld zurückbekommst.

Wieso die Antwort?

Die haben einen Brief geschickt gehabt.

Nein, aber den habe ich gar nicht gehört.

Achso.

Also das ist echt ein bisschen dämlich.

Ich sage ja selten. Sie sind berechtigt für null Euro Ersatz.

Ich sage ja selten, das war dumm von mir oder bin ich dumm.

Weil die Argumentation war, dass der Zug rechtzeitig angekommen ist.

Und ich habe halt aber auch tatsächlich, ich habe es halt falsch gelesen, weil ich es ausgefüllt habe, während die Kinder neben mir saßen, was natürlich nicht gut ist. Da habe ich es ausgefüllt und habe die geplante Uhrzeit draufgeschrieben. Ich dachte, die sind vielleicht so schlau und gucken dann, wann er wirklich ankommt.

Bestimmt.

Und ich konnte es natürlich nicht noch mal ausfüllen. Dammit. Es war wirklich Geld.

Ich habe dann versucht, mich nicht darüber aufzuregen, weil es bringt ja nichts.

Aber ist es wirklich so oder ist es dann unterdrückt?

Du weißt jetzt, wenn ich mich dann versuche, mich aufzuregen.

Also ist es sozusagen dann weggedrückt und das sitzt dann irgendwo anders in den Muskeln oder es bricht dann fünf Minuten später raus, wenn die Stifte runtergefallen sind und das Sitzkissen vom Nebenmann das 28. Mal runtergezogen wird oder so?

Ich glaube, ich versuchte es dann schon wegzuatmen. Tatsächlich, also tatsächlich physisch zu atmen. Also wie gesagt, ich finde, wenn ich dann zwei Stunden mit den Mäusen später ankomme, dann ist es anstrengend, das spüre ich.

Dann werden wir vielleicht knapp an Essen oder Getränken oder Aktivitäten. Dann bin ich vielleicht müde. Aber dieses Aufregen, das habe ich dann nicht.

Also ich bin ein Erschöpfter.

Also ich frage mich wirklich, auch weil du sagst Heck und so, dass wir das ein bisschen ins Lächerliche ziehen, aber eigentlich ist es ja ein Megaskill, sich nicht aufzuregen, weil alle regen sich auf. Immer und ständig. Über alles.

Aber zum Beispiel, bestes Beispiel, das kann man ja erzählen. Ich bin tatsächlich neulich zurückgeflogen, um früher bei meiner liebsten Familie zu sein.

Der anderen Familie.

Ja, bei der anderen. Wir hatten zwei oder drei Tage vorher darüber gesprochen, dass wenn ich dann um halb fünf ankomme, dann ist es ja voll schön, wenn ihr mich im Flughafen abholt. Dann haben wir noch überlegt, willst du dir dann ein Auto mieten oder könntest du mit der Bahn oder irgendwie so.

Haben wir darüber gesprochen und dann war das in meinem Kopf so, ja geil, dann nehme ich ab um halb fünf. Dann machen wir uns gemütlich auf den Weg nach Hause und so. Und dann bin ich wirklich buchstäblich aus dem Flughafen.

Ich bin wirklich gerannt. Weil ich so dachte, dann ist mal noch so ein Shuttlebus und so. Dann bin ich gerannt und dann habe ich das so richtig, weil wir uns jetzt, ich war ja dann eine Woche lang nicht da und zwischendurch war ich aber da und du warst noch zwischendurch weg.

Und ich habe mich so richtig auf diesen Moment gefreut, wo wir einfach zusammen sind, wieder alle auch gesund.

So dieses Filmreifen, wie du sozusagen in Zeitlupe aus dieser Schleuse raus rennst. Genau, natürlich. Und alle Kinder so.

Genau, das ist jetzt in deinem Kopf gerade entstanden. Aber ja, also ich feiere das ja schon immer extrem oder wir feiern das glaube ich beide extrem, wenn wir sicher wieder zusammen ankommen. Wir sind ja da schon auch sehr demütig.

Das stimmt.

Und dann habe ich mich halt, ich habe das wirklich so, ich war so krass voller Vorfreude so, oh klar, ich nehme mich denen ab, komme so raus, große Augen, gucke nach links, nach rechts, gucke gerade aus und sehe meine Familie nicht. Natürlich war das dann eben sehr enttäuschend. Da habe ich dich angerufen, so seid ihr vielleicht zu spät, seid ihr gerade auf Toilette gegangen, wie auch immer.

Hast du gesagt, achso, ja, wir warten zu Hause. Und das war ja dann letztendlich megaschön. Ich krieg mal kurz Voispern.

War nicht so überzeugend, ne? Warte. Schade, dass wir eigentlich nichts rausschneiden aus diesem Foto.

Aber ja. Es war ja dann letztendlich megaschön. Du hattest schon mit den Boys gebadet und die waren schon eingeölt und einmassiert und im Schlafanzug.

Und du hattest eine mega leckere Suppe gemacht und mega leckeren Tee und mega schön den Tisch gedeckt und die Kerzen und alles. Es war wirklich sehr, sehr schön. Und ich konnte ja in dem Moment wirklich zu dir sagen, also so krass enttäuschend gerade.

Und auf eine Art habe ich so das Gefühl, du, ich weiß nicht, ob man sagen kann, vorwerfen, aber manchmal steht so ein bisschen, würde ich sagen, der Vorwurf im Raum, dass ich ja so eine Queen bin, eben sich vorfreuen und dann vielleicht eben doch schon so ein bisschen Bilder im Kopf zu haben und dass dieses Vorfreuen eben manchmal auch enttäuscht werden kann. Und das war tatsächlich eben, es war so. Ich hatte diese konkreten Bilder im Kopf.

Ich wurde enttäuscht, konnte das aber auch, finde ich, bei dir am Telefon so benennen, habe gesagt, hey, ich fand es jetzt gerade mega enttäuschend. Gut, ich setze mich ins Taxi. Ich bin tatsächlich, das ist ja bei uns ziemlich geil, ich bin in zehn Minuten da.

Und dann hast du dich mega entschuldigt per SMS, was ich dann aufgelegt hatte. Und dann habe ich dir einfach so geschrieben, hey, also, das kann ich, glaube ich, schon sehr oft, nicht immer unmittelbar, aber ich kann das sehr oft, das zu relativieren. Zu sagen, hey, Moment mal, wir sind jetzt gerade, also, wir sind jetzt in ein paar Minuten glücklich zusammen, gesund zusammen, all das, was ich mir gewünscht habe.

Wir verbringen noch einen Nachmittag zusammen. Meine Sehnsucht ist, ich nehme euch in den Arm, ich will mit euch zusammen sein. Und manchmal entsteht dann auch so eine Sehnsucht, so eine absurde Abneigung.

Natürlich kenne ich das auch, dass ich dann zumache, wenn es irgendwie in manchen Situationen ist, dass man dann plötzlich von diesem eigentlichen Dürfnis so komplett auf 180 Grad geht und dann plötzlich, obwohl man eigentlich in den Arm genommen werden will, ist man abweisend. Das ist ja schon auch ein bisschen absurd, dieses Reagieren. Ich weiß, das kennst du von dir gar nicht.

Also, ich bin ...

Du bist eigentlich per se emotionslos.

Genau. Ich bin eigentlich eine gleichgültige, neutrale Wand.

Ja, das ist für mich sehr angenehm. Auf jeden Fall habe ich dir dann eben geschrieben, also eben, es gibt Schlimmeres. Und ich glaube, das sehr oft zu realisieren, es gibt Schlimmeres.

Ich habe auch dann zu meiner Mutter gemeint, als wir da ankamen, dann diese zwei Stunden später, wo dann auch nicht klar war, soll ich jetzt in Mannheim aufsteigen, soll ich in Stuttgart aufsteigen? Ich war die ganze Zeit so ein bisschen busy mit, was ist dann das Beste an Verbindung? Ich sage es mal, also, was ist daran jetzt eigentlich schlimm?

Es ist ja nur die Erwartung schlimm. Aber ansonsten sind wir immer noch warm, wir sind immer noch sicher. Wir sind sicher angekommen.

Und ich glaube, das hilft so sehr. Wir reden alle davon, ja, wir haben irgendwie First-World-Problems. Erste-Welt-Probleme.

Ja, total.

Die haben wir, aber das zu realisieren, macht halt schon Sinn.

Es ist nicht so, ja, der Zug ist zu spät, aber der Zug ist gekommen.

Genau.

Die Heizung funktioniert.

Ja, und ich meine, es gibt auf dieser Welt auch Unfälle. Es ist nicht so, dass man irgendwie gewappnet oder davor gefeiert ist, dass nicht auch etwas Schlimmes passieren kann. Und deswegen ist es so, ja, mein Gott, also so ist es wirklich schlimm.

Und ich finde, das hilft schon.

Ja, I agree, it does. Kam das dann nochmal hoch?

Was jetzt, gestern? Nee, ich habe dir dann, weil ich nochmal heute Morgen ein Tagebuch geschrieben habe, habe ich dir dann nochmal, oder habe ich es dir gesagt? Doch, ich habe es dir heute Morgen dann gesagt.

Danach habe ich dir gesagt, hey, ich fand es voll schön, wie du mich so willkommen geheißen hast.

Das stimmt.

Also von daher nie, gar nicht. Aber haben wir dann eigentlich auch das nochmal so alles gesprochen?

Ja, natürlich. Ja, machen wir immer.

Wir haben auch gestern Abend noch viel gesprochen, weil wir ja schon auch eine gewisse Diskrepanz hatten an Energien.

Ja, das haben wir auch schon mal thematisiert, dass der, der reist und nach Hause kommt, mit einer anderen Energie nach Hause kommt, als der, der zu Hause ist.

Da war ich auch sehr, ich würde sagen, vielleicht angemessen am Arsch.

Ja, das stimmt.

Oder?

Du warst nicht überdreht.

Genau. Aber es waren halt trotzdem, also ich hatte eigentlich das Bedürfnis, auch natürlich, es hört sich dann immer so an, als ob ich nicht mit den Kindern Zeit verbringen will, ich hatte dennoch das Bedürfnis, als sie dann auch geschlafen haben, einfach ungestört mit dir Zeit zu haben und dann kam eben doch noch so eine kleine süße Maus und dann ist man irgendwie doch nochmal abgelenkt und dann hast du diese kleine süße Maus doch nochmal ins Bett gebracht und so weiter. So ist es halt manchmal. Und auch das wieder finde ich so, okay, aber es gibt Menschen, die wünschen sich Kinder.

Genau.

So, ist das wirklich ein Problem, für seine Kinder da sein zu müssen? Eigentlich nein.

Genau. Und dann auch, das ist ja immer dieses, auch wenn du Menschen fragst, die irgendwie zum Beispiel ins Krankenhaus, ins Krankenbett gefesselt sind oder ins Sterbebett oder so. Das ist ja, alle durch die Bank sagen ja immer, das ist das, was ihnen fehlt, das ist das, was sie vermissen, das ist das, was sie gerne zurück hätten, diese Normalität.

Genau. Das hatten wir auch schon mal thematisiert, dass dieses scheinbar Banale eigentlich, und das ja dafür auch, also,

ja das oder,

das ist natürlich jetzt auch nicht immer leicht, das ist dann schon, sag ich mal buddhistisch 2.0, wenn du halt angeschrieben wirst, dass du halt mal wieder die Reihenfolge irgendwie nicht eingehalten hast, in der Milch und Sirup eingefüllt werden sollen oder so, dann dafür sozusagen dankbar sein, in dem Moment, das muss man vielleicht nicht, aber dass man es halt schafft, dass es einem nicht so unter die Haut geht, dass man sich deswegen jetzt aufregen muss und eine Grundsatzdiskussion vom Zaun reißen muss, wer hier in dem Haus eigentlich die Schuhe anhat und ob noch alle Tassen im Schrank sind, wenn man sich so aufführen muss und solche Sachen irgendwie. Also, das kommt bei uns ja nie vor, aber was ich halt von Freunden und Nachbarn gehört habe.

Ich habe gerade überlegt, das hat ja auch was damit zu tun. Also auf eine Art ist es ja ein Luxus, sich mit diesen Milch, Ergabensirup, Problematiken auseinanderzusetzen. Solange wir noch dafür Zeit haben, sowohl die Kinder als auch wir, solange wir noch dafür Zeit haben, sich zu überlegen, was steht in so einem Kalender, was kommt als nächstes, also ist es wirklich ein Problem?

Und ich weiß, worauf ich eigentlich hinaus will, nicht, dass es sozusagen gering geschätzt wird, das Problem, sondern eher, es darf auch, ich sage mal, eine Herausforderung sein, aber man darf auch sehen, dass es auf einem anderen Niveau noch ganz andere Herausforderungen gibt und das, was du gesagt hast mit irgendwie Krankenbett oder auch dann am Ende des Lebens oder so, also da wünschen sich ja die Menschen nicht nur Normalität, sondern das einzige Problem, was sie haben, ist nicht gesund zu sein.

Genau, Zeit.

Und allein deswegen könnten wir schon auch tatsächlich in unseren jungen Jahren, weil ich glaube, wenn man ein gewisses Alter hat, weiß man das schon mehr zu schätzen, weil man auch weiß, ja, es gibt Menschen, die werden 120, aber ...

Klar, aber du schaust zurück und du siehst, dass sozusagen der größere Teil der Zeit abgelaufen ist und halt weniger zurück ist. Und das ist ja auch das, warum man dann sagt, also warum man gerade als Erwachsener so viel mehr leidet, wenn Kinder sterben zum Beispiel. Weil man sagt, alles das, was sie nicht mehr erleben können, alles dieses ...

Ja, und das ist auch sehr unnatürlich.

Natürlich, aber sozusagen, wenn du ... Es trifft nur ein bisschen in eine Richtung ab, wo ich eigentlich gar nicht so hin wollte, aber wenn du ... Ich habe ja auch eine Zeit lang auf einer Kinderkrebsstation mal gearbeitet.

Wenn du mit denen ... Das ist jetzt auch nicht alle, man muss es nicht pauschalisieren, aber ... Die sind schon teilweise echt brutal abgeklärt, so, wo sie dann auch sagen, ja, es ist schlimm für Mama, schlimm für Papa, aber für die selber ist es nicht so schlimm, weil ...

Also auch abhängig, in welchem Alter natürlich, aber weil du gar keine Ahnung hast, was du verpasst. Also sozusagen, es ist ja ... Also das ist ja, glaube ich, insofern auch ein Unterschied, auch was wir vielleicht gesellschaftlich von ...

Also ob du jetzt traurig wärst, deine Rente zu verpassen, weil es jetzt, glaube ich, auch in vielen erlebten Beispielen jetzt nicht das Dream-Zeitalter ist irgendwie. Muss nicht heißen, dass es schlecht ist irgendwie, und ich finde, unsere Elterngeneration lebt ein sehr viel attraktiveres Rentenleben vor als, glaube ich, die Generationen davor auch, oder wie auch immer, aber ich glaube, es ist trotzdem nicht so, wo man jetzt hinfiebert, vielleicht wie auf ... Also auf die jetzige Zeit.

Vielleicht haben aber auch Kinder nicht dieses Anspruchsdenken.

Genau, das kommt damit sicher auch noch dazu. Ja, ja.

Und deswegen, also das haben wir, ich finde, wir sagen das schon relativ oft in dem Podcast, und ich glaube, das ist schon auch so eine Lebenshaltung von uns, zu leben.

Ja.

Also klingt irgendwie vielleicht ein bisschen unzureichend, aber es bleibt nichts anderes. Weißt du, dass wir so ... Also ich finde schon, wir lieben und leben und sind so ...

so intensiv auch, ich will das gar nicht sagen, aber dass es auch jetzt schon sehr, sehr gut ist.

Das ist ja im Endeffekt auch wieder eine Form von Dankbarkeit.

Ja. Und ich glaube, das kann man lernen. Also genau so, wie ich auf den Spiegel geschrieben habe, you can't focus on the unexpected, but expect ...

Unwanted?

Ja, genau. You can't focus on the unwanted, but expect the wanted. So dürfen wir immer wieder quasi diesen ...

also quasi den Fokus zum ... ja, was ist der Gegenteil von Mangel? Fülle?

Zur Fülle? Richten. Ich glaube eben, das ist ja ...

haben ja auch schon tausend Millionen Menschen vor uns gesagt, aber dieses eben morgens sich fragen, wofür bin ich dankbar, abends sich fragen, wofür bin ich dankbar. Ja.

Ich hätte noch ... ne, ne, ich massage natürlich. Massagiere?

Massiere. Geil. Ich kurz überlegen musste, wie das jetzt heißt.

Du hast auch mit deinem Freund telefoniert und hast, glaube ich, auf drei verschiedenen Sprachen versucht, ihn zu entspannen.

Ja. Ich glaube, ich habe da noch ein bisschen dänischen Wörter in unsere deutsche Konversation mit ihm reingemischt.

Ja, du hast gesagt, der Ing ... Oh Gott. Der Ignor ...

Modest Keks? Keks, du denkst?

Ja. Keks. Keks.

Ja. Das habe ich aber nicht zu meinem Freund gesagt, sondern zu meinem Sohn. Ich weiß.

Ich gebe alle keinen Keks mehr für dich. Was ich aber eigentlich, worauf ich noch hinaus wollte, ist wegen Problemen, weil ich daran denken musste, dass wir, also egal wo wir sind, egal auf welchem beruflichen Niveau, auf welchem ... Also ich glaube schon auch, dass eine menschliche Fähigkeit ist, Strategie, überlegen, Strategie, was auch immer, irgendwie angeboren, aber dass wir sozusagen Problemlöser sind.

Ich glaube, wir haben automatisch sozusagen ganz oft den Fokus auf Probleme. Also es kann Herausforderungen sein, auch natürlich, um uns zu beschützen vor Gefahren und allem Möglichen, aber auch vor Problemen.

Ich habe das jetzt gerade versucht, ganz langsam abzustellen. Und du machst so ...

Ich dachte, du hast versucht, mir einen Hinweis zu geben, dass du mehr Tee möchtest. Deswegen habe ich dir meinen angeboten. Und natürlich, weil ich ein Statement machen wollte.

Und ich glaube, dass deswegen, also was mich, ich hatte auch ein Erlebnis, wo ich in einer der Unikliniken, wo ich gearbeitet habe, mit dem Fahrstuhl, irgendwie, ich weiß nicht mehr, im Untergeschoss, irgendwo unterwegs, und habe dann einfach das Gespräch von der Gruppe Reinigungskräfte irgendwie überhört. Ich kannte die ja teilweise auch alle. Aber irgendwie habe ich das einfach überhört.

Und das war, was mich irgendwie geflasht hat zu dem Zeitpunkt war, du hättest einfach dieses Gespräch nehmen können und einfach auf sozusagen Ärztenniveau übertragen können. Du tauschst die Namen aus, du tauschst paar Begriffe aus, aber grundsätzlich war das genau, genau das Gleiche. Es kann doch nicht sein, jetzt hat bla bla bla so und so die Schicht geplant irgendwie und XY ist immer krank und bla hier ist, genau der Gleiche.

Also deswegen auch diese Gedanke, also du musst irgendwo hinkommen, damit du sozusagen keine Probleme mehr hast oder diese Probleme alle verschwinden. Das ist einfach eine Illusion. Also wenn du nicht lernst, wie du sagst, den Fokus auf was anderes zu legen.

Also wenn du den Fokus immer auf Probleme legst, dann hast du natürlich immer Probleme oder du findest einfach genug Probleme in deinem Leben. Wenn du den Fokus auf was anderes legst, heißt nicht, dass du keine Probleme hast, aber das ist halt nicht das dominierende Thema in deinem Leben. Und das ist egal, auf welchem Niveau oder in welchem Lebensbereich du das machst.

Wir können auch, wir können die Schul-App aufmachen und können uns auch prima sozusagen, können wir einen Abend damit verbringen, uns darüber zu beschweren, wer wieder was irgendwie da reingepostet hat, wer sich wieder für was Besseres hält, wer irgendwie hier irgendwas markieren muss, wer irgendwas bla bla bla. Ich weiß gar nicht, ob du die Schul-App überhaupt runtergeladen hast. Ich habe die runtergeladen.

Ich mache die ab und zu auf in großen Notfällen, wenn ich muss. Dann sehe ich die 895.000 nicht gelesenen Nachrichten und mache sie gleich wieder zu.

Ja, man muss daher auch, ein bisschen filtern, muss man sagen. Und das konnte ich am Anfang nicht. Ich musste ja zuerst alles übersetzen und dann checken.

Ja, das ist auch ein bisschen lustig. Es gibt tatsächlich, es gibt tatsächlich auch, also so wie es in Deutschland gibt es ja auch, glaube ich, irgendwelche Kanäle, wo so Eltern-WhatsApp-Gruppen irgendwie verarschen.

Ach so, da durften wir gar nicht rein. Mega.

Nee, einfach teilweise auch so verarscht werden oder beziehungsweise so Konversationen gepostet werden, echte, wo du einfach denkst, es kann nicht wahr sein, ernsthaft, dass Leute sozusagen so miteinander reden. Und das haben wir hier auch, habe ich heute gelernt. Hat mir jemand im OP erzählt.

Das ist so eine, also Aula heißt ja die App, das ist so, auch irgendwie so Online-Kanäle gebucht, diese Aula-Konversationen irgendwie auch. Und das ist genau das Gleiche, wie wenn man denkt, in den Dänemarksten alle so chill, zum Anfang unseres Gesprächs, hier ist alles fit, das ist genau das Gleiche.

Weil sie sich darüber streiten, welche Farbe jetzt die Turnbeutel haben dürfen oder was?

Ja, es gibt genau die gleichen, die gleichen Diskussionen. Es gibt ja auch die gleichen Diskussionen hier mit Helikopter-Eltern. Und irgendwie, ich habe irgendwie, letzte Woche habe ich irgendwie so ein Gespräch auch gehabt über...

Habt ihr alles beim Operieren, ja?

Ne, das war nicht beim Operieren, das war am Abendessen. Du warst eine Woche lang nicht da.

Ich dachte, wir machen uns darüber am Einen.

Ja, ja. Aber worauf ich hinaus wollte...

Du musst jetzt nie wieder ein Mikrofon streichen, um irgendwas wieder gut zu machen.

Deine Faust bist du. Wir hatten jetzt von früheren Generationen, was ja auch ein klassisches Thema ist, dass man sich darüber beschwert, dass die jungen Generationen, dass die alle, keiner will mehr lernen, alle sind faul, alle sind irgendwie, alles ist anders und früher hätte es das nicht gegeben, früher war sowieso alles besser. Und dann haben die erzählt von so einem dänischen Kinderbuch, Lotte oder so heißt es, wo, und da gibt es offenbar auch einen Kanal, der sich darüber lustig macht, ein bisschen, wo diese auch so in einfachem Dänisch so Kindergeschichten irgendwie.

Lotte war heute im Kindergarten. Lotte ist auf den Kopf gefallen und hat sich dabei ein Loch in den Kopf gemacht. Lotte und der Erzieher fahren zusammen ins Krankenhaus, wo eine kranke Schwester das Loch näht.

Lotte und der Erzieher fahren wieder zurück in den Kindergarten. Am Nachmittag kommt die Mutter und sagt, was ist denn da passiert? Ah ja, Lotte, du hast ein Loch im Kopf gehabt.

Naja, nicht so schlimm. Und Lotte geht nach Hause. Also okay, try this today.

Aber echt? Lotte fällt auf den Kopf und blutet und muss ins Krankenhaus. Wehe, du hast nicht alle Eltern eingerufen.

Das aber auch für nichts Sinn macht.

Wobei auf der anderen, man kann das ja schon hinterfragen.

Nico, du würdest dich so krass drüber aufregen. Weiß ich nicht. Wenn irgendjemand mit deinem Kind ins Krankenhaus fahren würde, ohne dir Bescheid zu sagen.

Gerade du als Arzt.

Ja, vielleicht in meinem Fall. Aber wenn man das jetzt mal abstrahiert.

Also ich wollte auf jeden Fall bei meinem Kind sein.

Lotte hat einen Streit und Lotte muss zum Anwalt.

Zum Anwalt?

Keine Ahnung, damit wir das im Medizinbereich rausnehmen. Egal.

Das ist total süß.

Ich würde mich nicht aufregen, wenn Lotte mit ihrem Erzieher akut zum Rechtsanwalt fährt, um ein paar Sachen zu klären, die einfach falsch gelaufen sind in der Kommunikation mit einem anderen Kind.

Fände ich super. Lotte hat falsch gesungen. Sie muss jetzt nachsitzen im Orchester.

Das fändest du total okay, oder?

Ja, solange sie sozusagen rechtzeitig wieder zurück ist beim Abholen, ist ja alles gut.

Das fände ich wieder eine Katastrophe. Also es gibt ja eine Mischung. Ich finde zum Beispiel, ich finde es immer sinnvoll, wenn wir angerufen werden, wenn die, weiß ich nicht, eine Beule haben.

Wobei tatsächlich bei unserem Kleinsten rufen sie nicht an, wenn er nur eine Beule hat. Dann kommen wir und dann sagen sie, sie hat eine Beule, wir haben es gekühlt. Die gucken natürlich.

Also wenn es nicht besser wird, dann würden sie ja agieren. Und das finde ich total sinnvoll. Lass uns darauf einigen.

Ich meine nur, wie sich das verändert hat.

Wir sind früher Auto gefahren, ohne dass wir uns angeschnallt haben. Und da haben wir uns alle im Kofferraum versteckt. So Geburtstagspartys.

Man hat einfach fünf Kinder im Kofferraum. Und als wir, glaube ich, aus dem Krankenhaus...

Das ist ja furchtbar, das kann man nicht anhören.