edelabgefunkt.de · Episode 68 · Transkript

Stress, Schweigen, kaum Paarzeit – und plötzlich Scheidung im Umfeld?

Edel Abgefunkt · Folge 68 · mit Katharina Giegling und Nicco Krezdorn
Veröffentlicht: 19. Dezember 2025 · Dauer: 49:15

Edel Abgefunkt mit Katharina Giegling und Nicco Krezdorn — Musikerin und Arzt, zwei Jobs, mehrere Kinder. Alltag und Partnerschaft kommen oft zu kurz: wenig Paarzeit, viel Mental Load, kaum echte Pausen. Darüber reden sie so, wie es ist — ohne Hochglanz.

Kurzantwort

Nach einer Pause sind sie zurück – mit einem Thema, das ins Leben getreten ist: Scheidung im Umfeld. Folge 68 fragt, warum sich viele trennen, obwohl Liebe da war – und wie Nähe trotz Arbeit, Stress und Mental Load nicht im Schweigen untergeht. Kein Hochglanz-Paar-Tipp, sondern ehrlich: Pause machen dürfen, ohne die Beziehung und den Podcast zu verlieren.

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Häufige Fragen zu dieser Folge

Worum geht es in Edel Abgefunkt Episode 68?

Nach einer Pause sprechen Katharina und Nicco über Scheidung und Paar-Alltag: Warum trennen sich Menschen, obwohl sie sich eigentlich lieben – und wie bewahrt man Nähe trotz Stress und Arbeit?

Warum dieses Thema jetzt?

Scheidung sei in ihr Leben getreten; die Kinder seien in einem Alter, in dem das Thema präsenter werde. Es geht ums Umfeld und die eigenen Ängste und Muster.

Was hat Pause mit Burnout und Beziehung zu tun?

Katharina erinnert: Menschen brennen aus, weil sie sich keine Pause erlauben – aus Angst, nie wieder anzufangen. Gleichzeitig wissen sie um das Risiko, Habits schleifen zu lassen.

Welche Rolle spielt Stress?

Sie sprechen darüber, dass Stress additiv wirken kann – körperlich, mental, sensorisch – und wie Enttäuschung und lange Arbeitstage Nähe belasten, wenn man nicht drüber spricht.

Gibt es die perfekt geführte Beziehung ohne Krise?

Nein – zu erwarten, dass Coaching und „richtig führen“ Krisen ausschließen, halten sie für unrealistisch. Nähe heißt auch, Enttäuschung und Stress ansprechbar zu machen.

Vollständiges Transkript

Automatisches Transkript (Deutsch). Kann Hörfehler enthalten. Quelle: Episode-Audio / lokales Transkript.

Wir sehen so aus, als ob wir ein Haus kaufen wollten. Ähm, tun wir das? Nach dieser langen Pause, ist das unser Start? Wir sind zurück, unser Comeback. Wir freuen uns mega hier zu sein.

Wer hat uns alles vermisst? Wir. Wenn auch alle. Schön.

Ja, ich freue mich tatsächlich. Ich weiß, du hattest wahnsinnig Angst, dass wenn wir pausieren, dass wir dann nie wieder anfangen würden. Ja, das war tatsächlich meine Angst.

Deswegen brennen Menschen aus, Nico. Weil sie sich nie erlauben, Pause zu machen. Weil sie immer Angst haben, dass sie dann nie wieder anfangen würden.

Ja, erfahrungsgemäß wissen wir aber auch, dass halt schon ein nicht unwahrscheinliches Risiko besteht, wenn man es mit Habits sein lässt, dass sie dann auf den Punkt fallen. Nee, das stimmt nicht. Meine Erfahrung ist, dass wenn man Habits sein lässt, dass man dann realisiert, was einem fehlt und deswegen umso überzeugter ist, es nach wie vor zu tun.

Ja, wenn das die Überzeugung ist. Richtig, ja. Aber natürlich kann man auch rausfinden.

Genau, natürlich kann man auch realisieren, ah nee, war doch nichts. Ja, dann ist ja auch okay. Du darfst ja nichts machen, wo du nicht dahinter stehst.

Insofern, das passt schon alles. Aber das Problem ist ja, wenn man, zum Beispiel, es ist ja eine partnerschaftliche Aktion hier. Und wenn der eine das halt sehr viel da rauszieht und es als Habit weitermachen möchte und der andere halt nicht, du meinst die andere.

Weil dem oder der anderen vielleicht nicht so viel das gibt. Das stimmt überhaupt nicht. Dann hat man ein Problem.

Gut, dass wir jetzt hier über unseren Podcast diskutieren. Und dann müssen wir uns scheiden lassen. Und das soll auch das Thema heute sein.

Aber nein, wir werden uns nicht für den Podcast scheiden lassen. Wir haben eigentlich nur deswegen geheiratet, muss man natürlich ehrlicherweise auch sagen. Du? Ja, weil es sonst steuerlich keinen Sinn gemacht hätte.

Also, ich ziehe sehr viel aus diesem Podcast. Ich habe nur gesagt, dass es mir sehr wichtig ist, an unseren wenig freien Abenden und wenig freien Zeiten, dass wir uns erst mal zu zweit haben, um dann Zeit hier mit der Kamera zu verbringen. Das macht schon auch Sinn.

Ich weiß, ich scheine so, als ob ich nur für Instagram leben würde, aber es stimmt nicht. Es klappt nur wieder. Auch TikTok.

Das stimmt. Ich kenne damit gar nicht aus. Was? Wir sind ja mitten im Thema.

Eigentlich haben wir gesagt, wir haben jetzt Zeit gehabt zu reflektieren. Wir machen jetzt eine Struktur. Wir reden erst mal fünf Minuten einleitend.

Wie geht es dir? Wie geht es mir? Wie war unsere Woche? Um dann uns auf ein Thema zu fokussieren, was wir auch recherchiert haben, wo wir dann hardcore 20 bis 25 Minuten reden. Und dann enden wir mit einer Publikumsfrage oder einem Quiz oder irgendwas anderem. Wir sind alle voll enttäuscht, dass da plötzlich Struktur hinterher kommt.

Aber wir sind ja wir, von daher keine Sorge. Ja, das ist der Plan. Und dann schauen wir mal, wo wir enden.

Also wie geht es dir? Mir geht es gut, vielen Dank. Ich habe heute frei. Mir geht es aber auch gut, wenn ich nicht frei habe.

Ja, das stimmt. Aber da merkst du, wie gut meine Energie ist, dass ich jetzt am helllichsten Tage einfach einen Podcast machen kann. Und nicht um halb zehn Uhr abends.

Ich sehe schon, da gibt es noch Diskussionsbedarf. Auf jeden Fall. Wir reden ja über alles.

Das unterscheidet uns ja von manchen. Tatsächlich. Ja, also warum wir das Thema heute gewählt haben, Scheidung, ist das Thema, weil es jetzt in unser Leben getreten ist.

Ich glaube, die Kinder sind in einem Alter, wo das nicht mehr richtig ist. Ja, und es ist ja jetzt nicht das erste Mal, dass das passiert. Aber es war jetzt, das kann man ja konkret sagen, ohne dass man jetzt irgendjemand raushängt oder so, aber konkret sozusagen ist in der Klasse unsere Tochter, eine ihrer Freundinnen, hat jetzt erzählt, dass ihre Eltern sich trennen.

Und wir, du und ich, sind eigentlich aus allen Wolken gefallen, weil wir gedacht haben, krass, das ist mega, das coole Paar, so wirkt es zumindest. Die sind so voll zusammen. Also ich hätte nicht damit gerechnet.

Du auch nicht, oder? Ja, was aber auch natürlich, wir können nicht in Leute reingucken. Das ist ja auch nicht, dass das unsere beste Freunde wären. Und dann würden wir es auch nicht hier breittreten.

Wir werden aber auch so das nicht breittreten. Nein, aber das hat uns dann schon nochmal, weil wir natürlich in der Familie auch drüber geredet haben. Also, was das heißt oder wie das ist, auch mit unserer Tochter, wie es ihrer Freundin geht, wie sie das so erzählt.

Und dann haben unsere Kinder eigentlich ausgepackt und haben gesagt, in der zweiten Klasse, unserem Sohn in der zweiten Klasse, da sind fünf Eltern geschieden und bei unserer Großen in der vierten Klasse sind zwölf Eltern geschieden. Und das fand ich jetzt schon, also bei, weiß ich nicht, einem Klassenschritt von 26 Kindern oder 24, 26, so was, finde ich das jetzt schon eine Nummer. Ja.

Also man muss ja auch nicht verheiratet sein, um Kinder zu haben, das muss man ja auch. Ach so, das hat sich so gebracht. Ich weiß nicht, ob es sich hinein... Du hast mich mal wieder reingeschwätzt.

Ja, es geht nur, ich würde wahnsinnig gerne Kinder mit dir haben, aber es geht leider nur, wenn du dich heiratest. Du kannst das ziemlich gut. Ja, das ist, weil ich eigentlich ein Erbschleicher bin.

Worauf willst du hinaus? Auf unser Segelboot. Genau. Damit du es dann in die Südsee verfrachten kannst.

Genau. Das ist ein langer Plan, der jetzt leider hier gerade öffentlich breitgetreten wird. Du weißt schon, dass dein Vater dich sehr geliebt hat.

Ja, aber Spaß beiseite. Ich finde es tatsächlich, also das ist schon was, was mich auch, oder was uns ja auch beschäftigt hat. Also diese Frage, warum passiert es, und es geht jetzt überhaupt nicht darum, mit den Fingern drauf zu streichen, weil natürlich passiert es.

Im Englischen kann man das schöner sagen, fall in love and fall out of love. Aber warum? Aber warum? Ich glaube, wir haben das ja auch schon mal angesprochen gehabt, dass es in Filmen ja auch immer wieder so gezeigt wird. Es gab in diesem einen deutschen Film One Million Minutes.

Eine Million Minuten. Stimmt. Wo ja auch so Familiendynamiken am Anfang gezeigt wurden, die ja nicht unbekannt sind.

Einer ist viel unterwegs und beruflich erfolgreich, und die andere auch will eigentlich, wie auch immer die Konstellation ist, aber sehr klassischerweise schon immer der Mann der Harro und die Frau, die dann das Gefühl hat, dass es nicht gesehen wird zu Hause. Und beide eigentlich erschöpft sind. Genau, aber auch einer mit seinen beruflichen Ambitionen definitiv zurücksteckt.

Und diese ganze Dynamik und dann auch ein Satz, den wir jetzt auch bei uns durchaus schon mal gehört haben, das ist ja, was soll ich denn machen? Ja, oder was wir auch bei uns gehört haben, ist dieses, hä, aber ich reiße mir doch schon den Arsch auf. Genau, und beide reißen sich den Arsch auf, und beide haben das Gefühl, es ist nicht genug. Und wenn man dann aber halt sozusagen nicht redet, und dieses Schweig, also wie sagt man das? Sprachlose, das ist das Wort, was ich meine.

Dann lässt man das so stehen. Dann ist diese Frustration draußen, und dann dreht man sich um, oder einer schmeißt die Tür ins Schloss und geht raus und joggen, und dann schläft man in getrennten Betten, oder der eine muss dann auf dem Sofa schlafen, das ist ja noch so ein klassisches Bild, was ich irgendwie ganz furchtbar finde. Aber der schleicht dann wahrscheinlich morgens wieder zurück, damit die Kinder erstmal nichts mitbekommen.

Und gefühlt auch in dem Film jetzt zum Beispiel, dann sind die um die Welt gefahren, da haben sie gesagt, er arbeitet dann remote, und sie fahren um die Welt, um dann sozusagen mehr Zeit miteinander zu verbringen. Genau, und die Tochter war glaube ich auch krank. Die Ärzte haben gesagt, die braucht irgendwie Zeit mit der Familie, sonst wird es irgendwie schlimm, und dann hat man das priorisiert, und dann fahren sie um die Welt, und dann entstehen da trotzdem, ich glaube er hört dann sogar auf mit seinem Job, damit sie sich dann ausleben kann im Island oder so, und irgendwie es braucht ein Jahr, bevor sie überhaupt erstmal gescheit miteinander reden.

Unglaublich. Also ich glaube, er wird dann eifersüchtig, weil sie mit einem Isländer zusammenarbeitet, auch wenn da gar nichts ist oder so, und dann entstehen so Dynamiken, und er sagt aber auch nichts. Er sagt, nee, nee, ist alles okay, nix ist okay.

Und das ist glaube ich so, wirklich pathogenomonisch für ganz, ganz, ganz viele Partnerschaften, dass man einfach dann nicht redet, und wahrscheinlich auch diese Verpflichtung, jetzt sind wir verheiratet, wir haben Kinder, man fühlt sich ja allen verpflichtet. Das stimmt ja auch. Man ist ja auch verpflichtet.

Aber das heißt ja nicht, dass man das alles für sich behalten muss. Ich glaube, uns beiden tut es ja immer, immer, immer gut, sich einander mitzuteilen. Oder? Und wir haben das jetzt auch gemerkt, das war jetzt auch so eine Zeit von, es war dunkel draußen, es wird früh dunkel, es war sehr viel zu tun, wir hatten so ein paar, jetzt letzte Woche, wo du dann irgendwie doch spontan ein bisschen länger in der Arbeit bleiben musstest, also so ein paar, sechs Stunden oder so.

Passiert selten, aber ich muss halt nochmal reoperieren. Genau, ich habe diese Enttäuschung vergessen gehabt, dieses Gefühl von Enttäuschung, weil ich jetzt seit dem DNA-Maxim, finde ich, hast du ja schon einen sehr vielverlässlichen Arztberuf als in Deutschland, und das mussten wir alles extrem durchgehen. Ich konnte dir das relativ gleich sagen, finde ich, meine Enttäuschung.

Und dann, ja, kann ich ja auch immer ganz gut so relativieren, aber dennoch trennt uns ja in diesem Moment was, finde ich. Und dann brauchen wir einfach, und deswegen meine ich auch, wenn wir dann am Abend einen Podcast aufgenommen hätten, das wäre ja dann falsch gewesen. Also natürlich müssen wir erstmal ganz klar, und das braucht Zeit, also extrem viel Zeit und auch ehrlich gesagt Open-End-Zeit, dass wir sagen, entweder wir gehen um zehn ins Bett oder es wird halt eins, weil wir noch nicht fertig geredet haben, weil wir noch nicht beieinander sind und wir reden ja, haben wir ja auch schon oft gesagt, wir reden einfach so lang, bis wir wieder beieinander sind.

Und ich glaube, in dem Fall war das letzte Woche so, und dann Wir haben trotzdem drei Tage gebraucht. Am zweiten Tag ging es ja wieder so. Also es kamen sozusagen zwei Tage hintereinander Frustration sozusagen.

Also eins auf das andere. Aber trotzdem. Und ich glaube, das ist schon so ein, das kann man schon pauschalisieren, dieses Gefühl von, man selbst wird nicht gesehen in dem, was man tut, aber auch in den eigenen Bedürfnissen.

Ich glaube, das ist schon so ein Klassiker, dass du mir natürlich sagst, ich sage mal, ich reiße mir mega den Arsch auf, ich beeile mich wahnsinnig, ich habe schon ein schlechtes Gefühl, und ich reiße mir aber halt auch mega den Arsch auf und muss dann trotzdem hier alles abdecken und so. Also wieder auch, worauf es ja immer wieder zurückführt ist, dieses Gefühl von, eigentlich will man nur in den Arm genommen werden. Genau.

Und statt dass Sie sagen, nehme ich in den Arm, wird man dann zickig. Und feuert zurück und dann ist es so ein gegenseitiges Feuern. Habe ich auch schon irgendwann mal gesagt, dieses Gefühl von, ich freue mich auf dich, ich freue mich auf die Zeit mit dir, das wird enttäuscht und dann münzt es irgendwie um in, ich finde dich total kacke und jetzt kannst du wegbleiben und so.

Warum eigentlich? Was für ein Schwachsinn. Aber das ist ja auch dieses Faszinierende, also warum dann Menschen, die man extrem geliebt hat, also wenn du vielleicht Kinder bekommen hast, also auf jeden Fall diese extreme Offenheit, das münzt ja dann oft um einen Rosenkrieg in absolutem Hass und jetzt muss man dem noch eins reinwürgen und irgendwie alles rausholen, der soll finanziell bluten und da darf nichts mehr gut sein. Es muss alles dann also der oder die finanziell bluten.

Also nicht immer nur die Frauen, die Rosenkriege machen. Nein, überhaupt nicht. Aber weil halt diese, also ich glaube die Emotion ist, die Sensation ist die gleiche und die Interpretation ist die andere.

Aber die Gefühlsstärke ist auf eine Art die gleiche, man interpretiert sie einfach nur anders. Und das ist ja schon irgendwie fatal, also gerade wenn es auf Autopilot läuft. Bevor wir noch mal auf das Grundsätzliche sozusagen, also auch bei diesem Beispiel zur Entscheidung zurückkommen, ich glaube einer der Elemente ist ja schon auch, also jetzt zum Beispiel in unserem Beispiel letzte Woche gewesen und das sehen wir auch oft an manchen von unseren Kindern, aber also dieses Gefühl von Hilflosigkeit ist ja auch eins, was unglaublich viel Frustration schafft.

So dieses Gefühl, es wird dir einfach übergestülpt. Ich glaube, als Kind hast du das ja auch oft, da wird einfach Sachen entschieden. Basta ist so irgendwie.

Oder es fühlt sich zumindest so an. Es ist auch wieder die Frage, wie kommuniziert man miteinander und nicht jeder braucht die gleiche Art der Kommunikation, bla bla bla. Aber das war ja auch dieses, diese Frustration auch von dir.

Ich sage, ich muss bleiben, weil ich muss noch mal operieren. Ich habe ja keinen Handlungsspielraum. Genau, es ist halt dann so, okay, ich will aber nicht, dass du das jetzt machen musst.

Du hast ja auch nicht gesagt, hey, es ist okay, wenn ich länger bleibe, weil ich muss noch, sondern so, okay, so ist es, was ja der Situation absolut gerecht wird, entspricht. Die Situation verlangt das. Und dennoch eben, das stimmt, ich glaube, das ist das dieses ohnmächtige übergestülpt Gefühl.

Aber jetzt mal in dem Zusammenhang tatsächlich, ist ja auch eine gute Reflexion für mich. Also wäre es besser gewesen, wenn ich dich gefragt hätte, ist es okay? Vielleicht. Also es ist ja schon auch die Frage der Präsentation.

Es gibt eines unserer Kinder, wo man Sachen vielleicht ja anders formulieren muss. Ja, stimmt. Vielleicht ist es ja auch.

Dienstag hast du normalerweise einen langen OP-Tag, wo ich ja immer damit rechne, dass es länger dauern kann. Ich hatte tatsächlich an dem Mittwochabend eben ja dann auch noch nicht nur sowieso eine Gruppensession online, sondern waren eins zu eins davor. Also habe ich mich auf eine Art darauf verlassen.

Ich glaube, wahrscheinlich wäre es besser gewesen, man würde mich schon hören, Nico, wenn du gesagt hättest, ey kacke, so und so sieht es aus, ich muss bleiben, was können wir tun? Was sollen wir machen? Wie können wir es lösen? Ja. Ich glaube, dieses wie, wie kriegen wir es hin? Ja. Und du hast es im Nachhinein auch gesagt, hey, soll ich unsere Nanny fragen, ob sie noch kommt? Aber es war erstmal mein Problem.

Ja. Und es klingt dann immer so megalieblos, so oh Gott, warum sollen Kinder ein Problem sein? Und so, verbring doch gern Zeit mit deinen Kindern. Ja, ich glaube, wir lieben es, Zeit mit unseren Kindern zu verbringen.

Und dennoch ist es manchmal so einfach eine andere Energie, wenn man das allein tragen darf, halten muss. Ja, vor allem, wenn du danach noch beruflich was hast. Genau.

Einfach wo der Plan war, dass ich ja da bin. So. Und der Ball lag komplett bei mir.

Und ich verstehe auch wiederum, wenn das heißt, okay, wir müssen jetzt in halben Stunden eine OP, dass du dann dich darauf fokussierst. Ich verstehe das. Jetzt.

Und dennoch, glaube ich, ist es eine Kommunikationsfrage zu sagen, ähm, weiß ich nicht. Ja, man kann das ja mitnehmen. Ja, also so nach dem Motto, hey, mein Schatz, ich liebe dich sehr.

Schreib mal kurz mit. Vor allem, was du heute schon alles gemacht hast. Folgendes Problem.

Könntest du dir vorstellen, dass ich heute nicht nach Hause komme? Wie können wir, ähm, nein, wie auch immer, aber nee, aber vielleicht tatsächlich so, hey, ich weiß, du hast nachher noch was vor. Ähm, ist jetzt, keine Ahnung. Und dann wiederum kann ich jetzt auch mit Abstand kann ich sagen, so, macht's wirklich den Unterschied? Aber ja, vielleicht macht er lieber mal den Unterschied.

Ja. Weil wir wissen ja schon, ich meine, du und ich, ähm, also Kommunikation ist ja tatsächlich das A und O. Genauso wie, hey, wollen wir noch einen Tee machen? So, das heißt ja eigentlich, kannst du mir noch einen Tee machen? Ja, ja. Und dann nehmen wir uns ja eigentlich immer wieder auf den Arm damit, oder? Ja.

Das ist ja so ein Pseudo, wie er ist. Ja. Nee, und dann kam ja sozusagen, und dann Donnerstag hatte ich ja eigentlich geplant, dass ich dann einen halben Tag Homeoffice machen kann.

Daraus wurde dann halt nichts, weil ich nochmal operieren musste. Schade. Und jetzt glaubt ihr, also jetzt wundert ihr euch, dass ich schon lange vermute, dass ich eine Kundin geliebt habe.

Sie heißt Arbeit. Geiler Name. Herzlichen Glückwunsch.

Mit Y. Roboter. Arbeit. Arbeitl.

Nee. Arbeitl? Arbeitl. Arbeitl, geil.

Okay. Ja, aber zurück sozusagen zu dem eigentlichen Aufhänger. Das sind ja sozusagen, das sind ja die kleinen Frustrationen.

So. Und man kann natürlich, man kann das wegwischen und sagen, ja, mein Gott, das ist nicht so wichtig. Aber ist halt mega wichtig.

Wenn diese, ich hab neulich irgendwo gewesen, ich hab's nicht verifiziert, dass Stress, also dass Stress additiv ist, also alle Formen von Stress, also körperlicher Stress, mentaler Stress, sensorischer Stress, dass das sozusagen sich aufsummiert. Bin ich noch nicht hundert Prozent sicher, aber... Wie, also macht es nicht Sinn, dass Stress zusammenkommen kann? Ja, nee, schon, dass es zusammenkommen kann, aber es kann ja auch sein, dass es sozusagen trotzdem, je nachdem, wo der Stress auftaucht, dass Unterschiede... Ich wüsste die Theorie noch nicht. Naja, also sozusagen, da ist die Theorie, dass es auch über Jahre summiert.

Ach so. Naja, also wenn's nicht abgebaut wird, ja. Nicht nur im Moment, sondern halt... Ja, wenn's nicht abgebaut wird, ist doch klar.

Ja, übertragen macht das schon Sinn sozusagen, aber rein physiologisch kann ich das noch nicht, kann ich das in der Sekunde zumindest nicht beantworten. Ich kann mir das schon vorstellen. Ich sag ja nicht, dass ich es mir nicht vorstellen kann.

Okay, also du hast es nicht nach recherchiert. Nein, aber ich finde es eine interessante Theorie, die jetzt gerade in unsere Diskussion passt. Es macht ja insofern Sinn, weil es braucht ja einen Breakdown.

Also entweder du reliest Stress, indem du rennen gehst, schreien gehst, schütteln gehst, Yoga machst, Meditation, Breathwork, whatever, also um quasi den kleinen, die kleine Menge von Stress abzubauen oder der Stress häuft sich an, häuft sich an und häuft sich an, bis du irgendwann, weiß ich nicht, armarkt läufst oder ein Wandscheibenvorfall hast oder einen doofen Unfall baust oder eine Panikattacke bekommst. Das ist ja alles eine Art von Stress Release, was nicht mehr gehalten werden kann. Ja, wie dieses Beispiel mit diesem Video, was wir für dein Teacher Training... By the way, you can still sign up.

I guess it's like one or two spots still for you. Eine kleine Steilvorlage. Aber dieses Stress Release System ja auch, wo man das lernen kann, dass so gewisse Muskelübungen, das ist eine Art von progressiver Muskelrelaxation, noch ein bisschen extremer, ein bisschen angeleiteter, wo du große Muskelgruppen anspannst, damit du dann eben den angespannten oder angebauten Stress entladen kannst, wie diese Beispiele, wo sie gezeigt haben, im Tierreich diesen Eisbär, der von Menschen, also die schießen ihn mit einer Betäubungsspritze nieder und der ist ein Apex Predator, also ein Top of the Food Chain.

Wie sagt man das denn auf Deutsch? Der hat keine natürlichen Feinde. Es gibt niemanden, der einen Eisbär ans Leder kann. Wenn du den niederstreckst, sind wir bei dem gleichen Gefühl, das Gefühl der absoluten Hilflosigkeit.

Und der baut das ab, nachdem der aufwacht, sieht man richtig, wie der ganze Eisbär sozusagen zittert und schüttelt und diese ganze Panik, dieser ganze Stress sozusagen rausgeschüttelt wird, dann pennt er und dann ist gut. Dann steht er auf und geht weiter und dann passt es. Und wir machen das halt nicht mehr.

Und Kinder haben ja ganz viel Breakdowns in dem Leben, weil es zu viel ist. Und wir unterbinden das immer, also als Gesellschaft. So, wirf dich nicht auf den Boden, steh auf und sinnere.

Eigentlich müsste man sagen, es war super. Hier im Supermarkt. Man hat ja auch das Bedürfnis, sich einfach daneben zu legen und auch zu schreien.

Genau. Das wäre eigentlich super, wenn wir das hinkriegen, wenn der Kleine im Supermarkt einen Breakdown hat, wenn die Mama sich daneben legt und auch rumschreit und rumzappelt. Dann sind alle destressed.

Und dann kann man weiter einkaufen gehen. Kann man auch ausprobieren. Du kriegst die Schokolade nicht.

Waaah! Waaah! Bisschen ins Ladens verwiesen. Naja, das sind ja auch wieder Formen des Zusammenlebens. Aber grundsätzlich ist es ja schon eigentlich ein gutes System.

Und ich glaube, was man ja lernen können darf, ist, dass man halt Möglichkeiten hat, wie du schon gesagt hast, das dann kontrolliert oder kontrolliert, unkontrolliert, aber das sozusagen rauszulassen. Womit wir wieder bei Paaren sind. Weil das ist ja, also was ist das Ventil als Paar? Weil es kommen ja immer Frustrationen.

Da braucht man sich ja nichts vormachen. Egal wie sehr man sich liebt. Man wird enttäuscht.

Das hat ja nichts damit zu tun, ob man sich liebt oder nicht. Das ist ja das Interessante. Als ob das von der Liebe abhängig wäre.

Ich glaube, wenn ich so auch jetzt zurückdenke, und das habe ich neulich auch schon gesagt, zu dir, ich glaube, es hat nicht mal was mit dem anderen zu tun. Sondern es hat was mit den eigenen Bedürfnissen zu tun, die gerade nicht erfüllt werden. Und mit der eigenen, also wie wir gesagt haben, Ohnmacht.

Mit den eigenen Grenzen, die übergangen werden. Und auf eine Art, das ist ja vielleicht auch evolutionär ganz sinnvoll, das zu verteidigen und zu sagen, Moment mal, bis hierhin und nicht weiter. Tu mir nicht weh, das macht ja schon Sinn.

Die Frage ist, müssen wir uns gegeneinander kämpfen? Und ich glaube, da sind wir ja so, dass wir das auf keinen Fall wollen. Wir wollen nicht, dass der eine rechter hat als der andere, sondern wir haben beide Bedürfnisse und wir wollen beide in diesen Bedürfnissen gesehen werden und dann müssen wir die uns so lang versuchen klarzumachen, zu erklären, bis man es versteht. Ja, und das, ich glaube auch, dass sicher ist, dass evolutionärer Schutzmechanismus, aber es wird ja trotzdem immer wieder kommen, dass deine Grenzen überschritten werden.

Genau. Und dass deine Bedürfnisse überschritten werden. Genau.

Und dass deine Erwartungen nicht erfüllt werden, weil so ist life. Genau, ich wollte gerade sagen, vielleicht Beschreibung von Eltern, aber vielleicht auch Beschreibung von Leben. Genau.

Und zu erwarten, dass man, wenn man seine Beziehung nur richtig genug führt und hier das richtige Coaching gemacht hat und bla und hier das richtige und da, dass es dann nicht vorkommt, ist einfach eine krasse Illusion. Und das Wichtige ist ja eher damit, also, zu lernen, damit umzugehen, wenn es kommt, nicht zu vermeiden, dass es kommt. Und, also man kann natürlich auch lernen, dass es, sag ich mal, kommt, also, dass es klein bleibt.

Genau. Und dass man nicht so lange wartet, bis es riesig ist, weil es dann natürlich schwerer ist, zu handeln. Aber grundsätzlich also mehr dieses Umgehen zu lernen und das, wir hatten ja auch schon darüber gesprochen, dass es manchmal ja einfach auch ausreicht, da zu sein und zuzuhören, ohne, dass man es gleich fixen muss.

Stimmt, das ist spannend. Und das ist ja schon auch so eine männliche Tendenz, ohne da jetzt irgendwelche Klischees abzudriften, aber du sagst, du beschreibst eine Frustration und dann sozusagen das einfach nur zu hören und festzustellen, okay, da ist eine Frustration, das heißt aber nicht sofort, dass es deine Erwartung ist, dass ich jetzt losgehe und das fixe. Das ist dann deine Daseinsberechtigung an sich.

Genau, weil, also, und dann kommt nämlich die Frage, ja, was soll ich denn noch machen? Da steckt ja dahinter, wie soll ich es denn fixen? Also dann muss ich aufhören zu arbeiten, dann müssen wir irgendwas grundsätzlich anders machen, dann müssen wir woanders hinziehen, dann müssen wir, keine Ahnung, zu deiner Mutter ziehen oder dann müssen wir... Wenn das das ist, was du möchtest, Bernhard. Auch darüber können wir reden. Vielen Dank.

Aber jetzt Klischee, also betragen gesehen so. Und natürlich kann es sein, dass da auch ein Bedürfnis ist, dass man grundsätzlich was anders macht. Dass man grundsätzlich die Art und Weise, wie man lebt, überdenkt.

Wir hatten auch solche Situationen, wo wir gesagt haben, dass diese Art der Arbeitsbelastung für mich und der Arbeitsbelastung für dich in Kombination mit unseren Kindern und allem möglichen, ist okay für den Moment, aber wir möchten nicht, dass das so ewig weitergeht. Du meinst, ich war jetzt auch in Hannover. Ja, zum Beispiel.

Und es ist ja irgendwie schon auch emanzipiert. Manzipiert. Ja, also, nein, aber vor 10, 20 Jahren, glaube ich, ist für Männer sehr viel undenkbarer gewesen, 75 Prozent zu arbeiten.

Weißt du? Und das ist ja jetzt, das ist ja möglich, dass beide vielleicht weniger arbeiten. Also wir arbeiten ja beide eigentlich eher mehr. Das ist so unsere Lösung von allem.

Einfach lass uns noch das anfangen und hier noch dieses Projekt. Zwei Berufe reichen nicht aus. Also zwei pro Person.

Das ist ja unsere eigene Wahl. Ja, aber ich glaube, was wir zum Beispiel auch gesagt haben, so, wir brauchen feste Offline-Zeiten, wir brauchen feste Offline-Tage, wir brauchen feste Off-Tage, die auch nicht diskutabel sind. Das heißt, es sei denn, Katharina kriegt die Anfrage schlecht hin, dann ist es immer diskutabel.

Oder wir brauchen feste Ferien, haben wir uns für nächstes Jahr mehr vorgenommen. Also ich glaube daran, Sachen, die vielleicht für andere Leute normal sind. Ja, das könnte ja, das sind ja auch schon Lösungen, finde ich, oder? Aber ich glaube, das ist ja das Eigentliche, dass man darüber redet, auch über die eigenen Bedürfnisse.

Also wenn man Sätze hört wie, man hat sich halt voneinander wegentwickelt oder man hat das Gefühl, man hatte irgendwie das Gefühl, der andere braucht mehr Zeit und Space und dann hat man ihm das gegeben oder der anderen Person. Und währenddessen hat derjenige sich komplett entfernt. Ja, aber sozusagen, es war eine Annahme.

Man hat nicht drüber geredet, brauchst du mehr Zeit, brauchst du mehr Space? Ich merke, dass du dich irgendwie entfernst. Ist was? Was ist? Wo hakt's? Sondern dieses in den anderen reininterpretieren, und das haben wir auch schon ganz oft drüber geredet, ist ja im Endeffekt auch, obwohl wir uns ziemlich gut kennen, keine Ahnung, was in dem Kopf von dem anderen los ist. Aber so gar nicht.

Das stimmt. Das ist eigentlich immer lustig, wenn du uns gegenseitig fragen wirst, was denkst du gerade, und das ist halt so völlig random, nicht das, was wir glauben, was der andere gerade denkt. Oder fühlt.

Ja, genau. Und das ... Das braucht schon Zeit, also es ist ja schon so, wir genießen das sehr mit den Kindern und wir feiern dann auch, wenn sie schlafen. Und dann ist es auch eigentlich heilig, dass wir sagen, hey, jetzt haben wir zu zweit Zeit.

Weil mit Kindern, also im selben Raum, geht das ja nicht. Ja, geht schon, aber halt anders. Ja, aber eben nicht im Zusammenhang.

Da kann man reden, aber ... Du kommst hier auf eine gewisse Tiefe. Also ich fand das schon, wir haben ja tatsächlich dann auch zur Vorbereitung für heute ein bisschen nachgelesen, also Scheidungsraten.