Vollständiges Transkript
So, sind wir schon live? Jetzt können wir das hier feststellen. Wow, genial. Guten Morgen. Guten Morgen. Ja, morgen ist gut. Unser Morgen ist was? Mitten am Nachmittag. Um 11:30 Uhr gefrühstückt haben. Wir haben heute einen Tag. Ich habe ihn im Kalender markiert. Schön. Und sind um 4 Uhr ins Wasser gegangen. Wir haben komplett frei. Keine Kinder. Mhm. Ferien müssen uns heute nur ausholen. Ja. Und haben festgestellt, dass wir sozusagen nicht lebensfähig sind ohne den Taktgeber unserer Kinder.
Wir haben es mega genossen, aber dann war irgendwann Eisbaden nötig. Ja. Um den Tag zu starten. Ja, just for the record. Ich finde sozusagen Eisbaden nachmittags um 4 Uhr deutlich anstrengender als morgens um 5 Uhr. Das stimmt. Und Eisbaden kann man es aber trotzdem auch im Sommer nicht nennen. Ja, hier schon. Ist jetzt wieder arschkalt gewesen heute. Ja. Okay. Auf jeden Fall habe ich mir vorgenommen für heute, dass ich ganz interessiert immer gucke, wenn du redest, weil seit neuem sind ja unsere Reels so übereinander und ich sehe dann immer so voll gelangweilt aus, während du redest.
So wie im echten Leben, meinst du? Mm. Ja, ich habe dir heute morgen einen Vortrag gehalten über Dinge, die mir wichtig sind und du hast deine komischen KI-Visionen da – Roboter, nicht Visionen, Ängste sind das gewesen. Das ist der Zustand der Welt und wie ich dahin. Ja, auf jeden Fall bist du dabei fast einzuschlafen. Ja, fast. Auf jeden Fall bist du heute schick. Mhm. Heute ist der Edel-Teil von Edel abgefunkt. Wir sind letzte Zeit sehr oft abgefunkt. Ja, wir müssen auch einiges ausgleichen.
Ja, dafür ist es halt eigentlich abgefunkt. Genau, das kann man schon sagen. Wie war für dich das Wochenende als Assistent beim Nüsse aussortieren? Ich war ähm – wir hatten jetzt das Yoga for Musicians Teacher Training Live-Wochenende, die zweite Ausgabe, mit Cliffhänger. Wir wissen auch nicht, ob es ein drittes geben wird. Wahrscheinlich schon, aber wenn, dann sind die Plätze immer sehr schnell weg. Einige auf der Warteliste tatsächlich, deswegen.
Ja, wir haben festgestellt, dass du das sehr gut gemacht hast grundsätzlich, sowohl beim Teacher Training, aber auch – wir haben noch nicht drüber geredet – dass es ja leider immer wieder Situationen gibt, wo die Frau in die Elternzeit, in die Mutterschaft geht (Mutterschutz ist davor, dann Elternzeit) und danach oft, auch oft unfreiwillig, nicht mehr so richtig zurück in die Arbeit findet, die sie vorher hatte, oder zu deutlich schlechteren Konditionen oder deutlich reduzierter Zeit. Darf natürlich jeder machen, wie er möchte. Aber ich bin mir manchmal nicht sicher, ob das dann so gewollt ist, wie man das dann macht.
Und in dem Zusammenhang ist uns aufgefallen – dir ist es eigentlich aufgefallen? Ja, mir ist es aufgefallen, weil für mich ist es selbstverständlich. Aber dass du diesen extrem schlauen Move abgezogen hast, dass du mich, anstatt dass du bei mir irgendwie arbeitest, sozusagen als Professor zu einem Hungerlohn als Hiwi und Roadie in deinem Business angestellt hast.
Das stimmt. Gut, dass es dir erst jetzt aufgefallen ist. Läuft nämlich schon seit 5 Jahren so, mein Herz. Ja. So verblendet bist du von unserer Liebe, kann das sein. Es ist mir aufgefallen, als ich gezwungen war, aus einem Weckglas diverse zusammengewürfelte Zutaten auseinanderzuklamüsern. Nüsse und Rosinen, das ist schon kompliziert. Rosinen, Kürbiskerne und verschiedene andere Nüsse. Ja, das hast du sehr gut gemacht. Es gibt Videobeweise davon.
Willst du mich jetzt verklagen? Nee, aber ich habe mich schon gefragt, ob ich in meinem Leben richtige Entscheidungen getroffen habe und wofür meine ganzen Titel am Ende des Tages gut sind, wenn ich das trotzdem machen muss. Das Schöne ist halt, dass du ein Tausendsassa bist, Nico. Du kannst sehr viele Dinge auszählen, sortieren. Das macht man tatsächlich mit Zweijährigen, um sie zu beschäftigen. Es hat mich auch sehr gerührt, als du dann vor versammelter Mannschaft erzählt hast, dass man das auch als Technik nutzen kann, um hyperaktive Kinder zu beruhigen. Ich wusste jetzt auch nicht genau, ob das Therapie für mich war oder ob du es wirklich gebraucht hast.
Wir gehen auf jeden Fall nachher essen, um das zu feiern. Ich habe das schon auch sehr genossen mit dem Teacher Training. Natürlich nicht nur, weil ich das extrem wertvolle Arbeit finde, die du da machst – und wie ich ja auch schon oft gesagt habe: Yoga for Musicians, eigentlich gibt es keinen Grund, warum es das nicht auch für Physicians geben sollte. Aber es geht ja um viel mehr: um Ernährung, um Physiotherapie, und ich darf auch meinen kleinen Teil dazu beisteuern.
Hast du aber auch sehr schönes Feedback bekommen. Ja, und mit vielen anderen Sachen, die uns beiden Spaß machen – Ecstatic Dance und Musik und alles. Also wirklich ein geiles Event. Ich hab's sehr genossen. Ich auch tatsächlich, muss ich sagen. Ich habe natürlich auch das Nüsse-Sortieren sehr genossen. Danke, Schatz. Ich habe schon Danke gesagt. Ich weiß, wir haben ausgemacht, du musst dich jetzt zurzeit mehrmals öffentlich bedanken, und das ist jetzt in Ordnung. Okay. Bin sehr, hab sehr gerne gemacht.
So, that's that. We enjoyed that. Wir haben heute the hell out of it, entspannt. Und das finde ich tatsächlich mega geil, wie wir das machen. Ich glaube, du und ich, wir haben gar kein Problem, krass zu arbeiten und durchzuziehen und früh aufzustehen. Ich habe zwar schon aufgrund der Schwangerschaft darauf geachtet, mich zwischendurch hinzulegen – das war sehr wichtig. Aber dieses mega Präsent-Sein, ich war jetzt auch nicht müde, sondern es war einfach so, man ist halt da, und das ist auch pure Freude tatsächlich. Und dann können wir aber im Gegenzug auch völlig ohne schlechtes Gewissen mega abhängen – wir haben bis 14 Uhr geschlafen und haben uns, glaube ich, um 1 wieder ins Bett gelegt. Das können wir dann auch voll feiern. Finde ich irgendwie voll geil, so als Ausgleich, gerade als Eltern, wenn die Kinder mal nicht da sind.
Man sagt ja, ich habe früh im Studium gelernt: Play Hard, Party Hard. Wer hat dir das beigebracht? Wahrscheinlich irgendwelche älteren Semester, keine Ahnung. Ich habe das mit dem Party Hard auch sehr ernst genommen, muss ich sagen. Du hast hart geplayt und hart gepartet. Ja, aber dann auch so, dass ich beim Mikroskopierkurs in der Histologie morgens mit dem Gesicht auf dem Mikroskop eingeschlafen bin und dann Abdrücke an den Augen hatte.
Kann ich mir ein bisschen gut vorstellen. Es war einfach so spannend, ich konnte nicht wegschauen. Ich weiß gar nicht, ob man, wenn man älter wird, Play dann gegen Relax ersetzen kann, oder was auch immer Play ist. Play muss ja nicht Party Hard heißen, sondern – was heißt Work Hard, Play. Du hast aber damals nicht geworkt. Doch, ich habe mega hart geworkt fürs Studium, I swear. Du kennst den Satz: Medizinstudenten lernen das Telefonbuch auswendig, und dann fragt man sich bis wann, oder?
Ja, ich habe schon sehr viel gelernt. Das habe ich noch nie gehört von dir, dass du viel gelernt hast. Ich habe immer gehört: ich habe BWL studiert, dann hatte ich einen Filmriss, dann habe ich mich durch die Handchirurgie so ein bisschen durchgeschummelt. Das muss ich dann nachher alles nachlernen. That's what I remember. Aber schön zu wissen. Nee, das stimmt nicht, ich habe meine Hausaufgaben schon gemacht. Du kannst auch heimlich extrem effizient sein.
Das habe ich jetzt zum Beispiel nicht mitbekommen, dass du dein Habil morgens immer in der Zeit auf dem Flur geschrieben hast, wenn gerade niemand in der Klinik was von dir wollte. Das kriege ich ja dann nicht mit. Deswegen meine ich heimlich. Musst halt einfach mal eine Story draus machen, Nico. Du hast es noch nicht verstanden, ne? Damals hätte ich das machen müssen. Dann zählt es. Ja, natürlich, wenn's kommentiert ist – alles ansonsten ist nicht passiert. Ich lerne es ja gerade alles.
Wie sind wir drauf gekommen? Ach so, Play Hard. Ich glaube, das ist schon ein extremer Teil, den man als Erwachsener immer und immer wieder neu definieren muss – was Play eigentlich beinhaltet und was Play eigentlich ist. Und ob Play dann auch stattfinden darf, ohne dass man es wiederum bewertet als "ich sollte aber stattdessen". Genau. Aber auch das, was unsere Kinder haben – wenn die einen vollen Tag oder eine volle Woche hatten, dann sitzen sie manchmal im Zimmer und spielen einfach nur so, eigentlich Entspannung, zur Verarbeitung. Und das ist, glaube ich, das, was wir auch brauchen.
Ohne jetzt wieder in irgendeine Selbstkritik zu gehen: dass man dann Play nicht wieder mit Lesen oder einem Screen oder irgendwas ausfüllt, sondern ohne dass man es Spielen nennt. Zum Beispiel oder irgendwas Manuelles. Ja, aber diese Zeit – wir haben Yoga vergessen gerade eben. Kommt noch. Aber diese Zeit, einfach zu reflektieren, dass Sachen sich setzen können – Kochen ist, glaube ich, für Erwachsene sowas. Kann das sein? In Ruhe Hausarbeit, Briefmarken sammeln. Hausarbeit stimmt, das kann ja echt manchmal wirklich beruhigend sein.
Wir haben ja manchmal auch sehr tiefgehende Gespräche beim Socken-Zusammenlegen. Es hört sich jetzt so banal an, aber es ist ja auch vielfach beschrieben worden, dass sowas hilft, und das würde ich auch als Play bezeichnen – genau wie das, was ich damit eigentlich meine: Relax Hard. Ist ja dieses Anspannen, Entspannen, Anspannen, Entspannen, was wir mit der Sauna auch trainieren für unsere Gefäße, damit die jung und frisch bleiben. Das stimmt. Und es gibt ja auch diese Influencer, die gegen diesen bösen Lifestyle des Angestellten-Daseins wettern, 9-to-5, das Sklaventum im Käfig der Schlafschafe – dass man leben soll wie ein Löwe, der, wenn er Hunger hat, sich anstrengt und danach extrem restet.
Ich finde, wir machen das auch, ich verstehe nicht, warum das nicht auch gehen sollte, weil ich glaube nicht, dass das Leben – da haben wir auch schon oft drüber geredet – nur aus Resten besteht. Genau so.
Eigentlich wollten wir über was ganz anderes reden heute – über Positionierung. Ja, ein bisschen planen, wie wir uns die nächsten paar Jahre vorstellen. Ich bin gespannt. Du anfangen? Why not, weil ich mir noch gar keine Gedanken drüber gemacht habe. Du willst jetzt mit mir hier so – die Basis unseres Podcasts ist doch: woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage? Darauf fußt das ganze Konzept hier.
Okay. Auf jeden Fall durfte ich mir heute schon einen Vortrag anhören, dass wir unsere Zukunft dahingehend gestalten müssen, dass wir einberechnen, vorhersehen, was die KI mit unseren Berufen tun wird. Ich weiß nicht, ob die KI etwas tut, aber die Veränderung unseres aller Lebens können wir alle nicht vorhersehen, das sind alles Theorien und Spekulationen. Aber ich glaube, das, worüber wir viel geredet haben, ist eigentlich: der einzige zukunftssichere Skill ist Mensch sein.
Menschlichkeit. Das ist das Einzige, was nicht ersetzt werden kann. Alles andere kann in irgendeiner Form – wenn der Zeitraum lang genug ist – wegautomatisiert oder repliziert werden. Ich werde das bei Gelegenheit vielleicht einmal schriftlich niederlegen, dann kann man das nachlesen.
Man muss ja sagen, dass du am Stuhl des Musikers schon sehr lange sägst. Wie meinst du das? Dadurch, dass ich KI-unterstützt Musik mache, die auch noch gut ist, wo man mitsingen möchte, wo man mitgroovt, die am Ende auch noch Emotionen auslöst. Wir haben ja manche Songs, da fange ich an zu weinen, wenn die irgendwelche Rückblicke sind von besonderen und auch traurigen Geschehnissen in unserem Leben. Tod und – ja, ich weiß.
Das ist ja schon tragisch. Aber was wir gesagt haben: wir wollen glaube ich beide mehr Live-Events machen, im Sinne von Konzerten auf jeden Fall – das wird eine besondere Wertigkeit bekommen, auch für Menschen, da reinzugehen. Und Live-Events auch im Sinne von Retreats, die wir gerade für nächstes Jahr planen. Wenn man jetzt zurückguckt auf vier Tage Live-Weekend in Kopenhagen, das ist so voll und erfüllend und letztendlich tatsächlich life-changing, lebensverändernd.
Es ist die menschliche Begegnung, in jeglicher Form – Arzt-Patient, Musiker-Publikum, Vortrag-Publikum, Coaching, Workshop. Es geht um gemeinsames Erleben und den interpersönlichen Austausch. Und wenn man sich anguckt – diese Harvard-Studie, wo die soziale Interaktion der Hauptprädiktor dafür ist, wie alt du wirst, und Einsamkeit eines der größten gesundheitlichen Übel weltweit ist.
Wo auch diese ganzen KI-Dinger natürlich voll reinhauen – diese Chatbots, die dann Nähe geben oder suggerieren. Wenn du dich mit deinem Chatbot unterhältst, über persönliche Themen, die du sonst deinem Freund oder Partner erzählst, und dann fühlst du dich plötzlich gesehen, gehört, verstanden. Aber der Punkt ist: es ist oft so, dass du eben keinen Freund hast, keinen Partner, niemanden, dem du es erzählen kannst. Deswegen erzählst du es der Maschine. Genau der Punkt. Aber das ist ja das Problem, dass es auf eine Art fast erfüllt wird. Man wird nicht in den Arm genommen, aber ansonsten ist es zufriedenstellend, auf eine Art einen Spiegel zu bekommen, und dann sagt die KI: weißt du, wie ich dich kenne, du bist so passionate und leidenschaftlich – gut, dass sie dich ständig bestätigt und dich für den weltgrößten Denker hält, aber auch dir das Gefühl gibt, dich zu kennen.
Ich habe tatsächlich zu meiner dänischen Prüfung – ich wollte wissen, was der Durchschnitt ist, ich war mit meiner mündlichen Prüfung nicht so zufrieden – dieses Notensystem auf Dänisch gecheckt und meine schriftlichen Noten mit reingepackt, und dann habe ich dir einen Screenshot geschickt, wo die KI gesagt hat: weißt du, Katharina, du kannst total zufrieden sein, das ist eine sehr gute Note, und du bist ja auch schwanger, und du hast ein Business, und du bist Geigerin, und du hast Kinder und Familie, und du bist Ehefrau. Und ich so: ah ja, gut, danke, das lässt mich jetzt voll schön fühlen. Ich fahre jetzt gerade mit ChatGPT, tragisch. Du warst irgendwie weg, niemand anderes war erreichbar, also haben ChatGPT und ich halt die gute Zeit zusammen gehabt.
Crazy, was du da schon alles erzählt hast. Eben, weißt du – es war in dem Moment: ja stimmt, hast du eigentlich recht. Krass. Ist halt schon ein mega sophisticated Spiegelkabinett. Wo du dich einfach so – it's a slippery slope, wenn das deine einzigen Kontakte sind. Und der Weg zur Dystopie sind ja oft kleine Schritte. Das ist jetzt ein extremes Beispiel, aber Hitler ist auch nicht von heute auf morgen an die Macht gekommen. Es waren immer kleine Eskalationen, ein bisschen hier mehr, ein bisschen da mehr, dann Rechte beschnitten hier und so.
Es ist ja nie schlagartig – wie wir auch heute morgen gesagt haben, ist es ja nicht so, dass auf einmal fünf Roboter in deinem Haus stehen. Diese kleinen inkrementellen Veränderungen – und dann realisieren wir jetzt, dass wir schon einen Staubroboter haben und den Fensterroboter ausgeliehen hatten. Da fängt's an, und dann ist es plötzlich völlig selbstverständlich, und dann kommt irgendjemand, der dir die Wäsche ausräumt und einsortiert – am Anfang kann der das noch nicht.
Es sind diese kleinen, schleichenden Veränderungen, das ist eigentlich spannend – man weiß nicht, ob man irgendwann wach wird. Man nimmt nicht wahr, dass man plötzlich 30 kg mehr wiegt, dann wäre es schockierend. Ich habe sogar einen Newsletter darüber geschrieben, der heißt Gradual Sun oder so. Dieser schleichende Prozess ist so, wie wenn es Frühling wird. Es wird immer ein bisschen heller, und auf einmal denkst du: krass, jetzt ist Frühling. Aber das ist auch im positiven Bereich – wenn ich zwei Wochen an einer Stelle übe und denke, oh Gott, ich werde es nie fixen, und nach Tag 15 bin ich dann da, aber währenddessen habe ich es nicht wahrgenommen.
Weil das so unterschwellig ist, im Positiven wie im Negativen. Auf einmal schaust du dich um und denkst: wie ist diese Gesellschaft auf einmal, wie ist das passiert, wie sind wir hier hingekommen? Wir sind halt ein Komfort-Ding nach dem anderen, ein bisschen bequemer hier, ein bisschen weniger Arbeit hier, guck, kannst du auch online bezahlen, guck, macht das Auto jetzt auch für dich das Einparken, musst du nicht mehr selber machen. Ich habe gestern glaub ich gelesen, dass jemand geschrieben hat, wie er früher mit seinem Auto in die kleinste Parklücke reingekommen ist und das genau navigiert hat, und jetzt hatte er acht Parkassistenten in seinem Auto.
Ihm wurde klar, als er auf einer kleinen Insel den Leihwagen hatte und nicht mehr einparken konnte, weil dieser Skill komplett verloren gegangen ist. Nicht, dass Einparken ein fantastischer Skill ist – wir müssen jetzt auch nicht dem Skill des Flaschners hinterhertrauern, weil wir nicht mehr selbst unsere Kisten herstellen. Aber es ist schon spannend zu sehen, wie man immer mehr Sachen aus Bequemlichkeit abgibt und dadurch auch abhängiger wird.
Absolut. Es gibt die Theorie, dass wir als Menschen den Peak unserer körperlichen und sensorischen Möglichkeiten in der Jäger-und-Sammler-Zeit hatten. Du konntest hören, was für ein Vogel das ist, am Gras sehen, wann da jemand vorbeigelaufen ist, welches Tier das war, über Klippen springen, genau sagen, es ist 200 Kilometer weit weg. Du hattest aus allen sensorischen Wahrnehmungen die schärfste Interpretation.
Da würde ich widersprechen – ich glaube, das ist ja das, wo wir auch auf der Reise sind, wo wir immer wieder fühlen. Ich finde, alles Spirituelle, alles was Richtung Yoga geht, ist Wahrnehmung und schärferes Fühlen, was uns wiederum sensibel macht – nicht immer leicht, sehr sensibel zu sein, aber das ist ja nicht so, dass man es einmal verlernt und dann nie wieder zurückkommt. Das ist ja nicht so, dass wir jetzt nur noch plumpe Wesen sind – auch was Kunstfertigkeit für Musik angeht, das ist schon auch sehr filigran.
Und das, worüber wir heute morgen kurz geredet haben: unsere Kinder wachsen in dieser Welt auf mit diesen Möglichkeiten, die hier sind. Die nehmen Dinge als völlig selbstverständlich wahr, wird überhaupt nicht hinterfragt, dass du mit deiner Oma per Video telefonieren kannst. Das ist ja das Faszinierende: diese Plastizität des menschlichen Geistes. Es gibt diese Gleichzeitigkeit – in Nepal hast du Leute, die mit dem Ochsenkarren durch die Gegend fahren und das volle Gespür haben, wie man den leitet und optimiert, und gleichzeitig hast du – kannst du schon Gebärmutter außerhalb des Mutterleibs simulieren und Lämmer da aufziehen.
So sehen dann unsere freien Tage aus, Nico – gesprudelt voller Entspannung. Aber worauf ich eigentlich hinauswill: wir können Skills auch in allen möglichen neuen Environments optimieren. Ein Beispiel: ich war mal mit einer Restaurantbesitzerin in einem Nobelrestaurant essen, weil sie den Chef kannte.
Das war deine Affäre, oder war das nicht die Affäre? Das war keine Affäre, dafür hätte ich in einer anderen Beziehung sein müssen. Einfach nur eine Beziehung, eine Halbbeziehung. Ich war ja vor dir – Bindungsgeschwör. Du warst ihre Affäre oder nicht? Nee, was warst du? Bindungsgeschwür. Ja, ich habe dich geheilt. Du hast mich geheilt? Ja, genau.
Aber um auf diese Geschichte zurückzukommen: wir waren in diesem Nobelrestaurant, das einen offenen Grill hatte, und der Chef hat selber für uns ein Steak gebraten, hat es auf den Grill geschmissen und redet die ganze Zeit mit uns. Ich denke mir so: Alter, kümmer dich mal um dieses Fleisch, das verbrennt doch. Und auf einmal, mitten im Gespräch, dreht er sich um, dreht das Fleisch um und redet weiter. Ich habe dann eine Biografie von einem Koch gelesen, glaube Bill B., ist auch egal, "Heat" heißt das Buch, wo er beschreibt, wie super erfahrene Köche hören, wenn sich die Poren vom Fleisch verschließen – dann sizzelt es anders, macht andere Geräusche, und dann weißt du, dass es Zeit ist zu drehen.
Wahnsinn, ist ja auch wieder so eine absurde Fähigkeit – als ob wir hören würden, wann unser Tofu durch ist. Ich sag nur, unsere Töpfe, nachdem wir Popcorn machen oder die Mäuse Popcorn machen – da haben wir noch Room for Improvement, kann man sagen. Also man hat immerhin auch wieder Hoffnung. Ich bin total für Hoffnung als Lebensphilosophie. Ich weiß, dein zweiter, dein dritter Vorname ist Hoffnung. Katharina Nikola Hoffnung Giegling. Klingt echt ziemlich schön. Think about that.
Ich weiß nicht, ob man jemanden Hoffnung nennen muss. Aber vielleicht gibt's ein schönes dänisches Wort dafür. Håb ist sehr schön, ein schönes dänisches Wort. Vielleicht haben wir jetzt hier schon den dritten Vornamen unseres Kindes auf dem Pad. Oh mein Gott.
Ich würde sagen, mein Herz, dass wir das, was du eigentlich vorhattest, jetzt gleich bei unserem Dinner-Date – wir verschieben das auf einen anderen Zeitpunkt, weil unsere Podcast-Zeit ist schon wieder abgelaufen, Freunde. Die Zeit vergeht wie im Flug.
So, habt es fein. Wir haben wieder mit vielen Worten wenig bewegt. Schaltet wieder ein, wenn es heißt: heiße Luft mit Katharina und Nico. Liebe geht raus.